Nachdem Christania Williams in Banská Bystrica 100-m-Rekord gelaufen war, folgte wenig später die nächste Sensation! Niklas Strohmayer-Dangl verbesserte bei dem berühmten P-T-S-Meeting über 400 m Hürden den knapp 41 Jahre alten ÖLV-Rekord von Thomas Futterknecht (49,33) um 15 Hundertstel auf 49,18 verbessert. Nach dem Rekordlauf weinte Niklas vor Freude. Er war am Ziel seiner Träume angelangt.
Heuer hatte der Burgenländer schon insgesamt viermal mit Top-Zeiten von 49,43 – 49,44 - 49,47 – 49,55 an diesem Hürden-Rekord gekratzt, den der legendäre „Fuzzi“ im Semifinale der Universiade in Kobe am 30. August 1985 aufgestellt hatte. „Die Konstanz ist da, da geht heuer sich noch mehr, im zweiten Wettkampfblock sollten noch schnellere Zeiten kommen“, war sich der 24-jährige Strohmayer-Dangl zuletzt in Budapest sicher. Er sollte Recht behalten. Nach seinem zweiwöchigen Trainingsblock verwirklichte er, wie erhofft, in der Slowakei seine hohen Erwartungen.
Rhythmus umgestellt
Im Banská Bystrica aber stürmte der 24-Jährige auf Bahn 7 bei dem zur World Athletics Continental Tour zählenden Silber-Meeting zu dem neuen Rekord! Mit seinen 49,18 musste er sich nur Bassem Hemeida (Kat/48,10) und dem Japaner Kazuki Kurokawa (48,71) geschlagen geben. „Als ich die Siegerzeit von 48,10 aufleuchten sah, wusste ich, dass es ein Rekord für mich werden könnte“, meinte Niklas Strohmayer-Dangl. Als dann sein Rekord mit 49,18 Gewissheit war, brachen bei ihm alle Dämme. Jubelnd riss er beide Hände in die Höhe, sprang vor Freude in die Luft. „Ich wusste, dass ich irgendwann diesen Rekord laufen kann. Aber jetzt, wo es passiert ist, ist alles einfach nur ein Traum.“ Da kullerten die Freudentränen, als der Druck der vergangenen Wochen von ihm wich.
Der Rekordlauf sei nur, wie der Burgenländer erzählte, nur mit einer Technikumstellung möglich geworden. Zum zweiten Mal in seiner Karriere schaffte er es, zwischen den Hürden bis zur sechsten Hürde einen Rhythmus von nur 13 Schritten durchzuhalten. Das hat die entscheidenden Hundertstelsekunden gebracht.
Verletzung in Südafrika
Niklas Strohmayer-Dangl berichtete nach dem Rekordlauf, dass er zu Saisonbeginn heuer große Verletzungsprobleme gehabt hatte. Beim Training in Südafrika habe er sich sieben Wochen vor dem Saisonstart in St. Pölten in der Oberschenkelrückseite einen Einriss zugezogen. „Der war so gravierend, dass ich wochenlang keine Hürden trainieren konnte. Vor dem Liese-Prokop-Memorial habe ich nur drei Hürden-Trainings gehabt!“
Durchbruch in Papendal
Der Durchbruch zum Rekord hatte sich seit dem vergangenen Herbst abgezeichnet. Da nutzte Niklas Strohmayer-Dangl die Chance, sich der Trainingsgruppe um Olympiasiegerin Femke Broeders-Bol in Papendal anzuschließen. Bereits in der Hallensaison lief er heuer über 400 m in 46,36 bis auf eine Hundertstel an seine Freiluftbestzeit über die Stadionrunde (46,35) heran. Auf meine Frage, ob Niklas im Sommer den Rekord über 400 m Hürden von 49,33 brechen könne, lächelte Laurent Meuwly, Cheftrainer von Papendal, nur kurz und sagte: „Sicher. Niklas wird eines Tages auch unter 49 Sekunden laufen!“
Motivation durch Futternknecht
Zunächst war Niklas Strohmayer im Vorjahr erstmals bei der Universiade in Bochum im Semifinale mit 49,74 Sekunden unter der 50-Sekunden-Barriere geblieben. Als dieser Bann gebrochen war, folgten vor seinem jetzigen Rekordlauf sieben weitere Rennen unter 50,00. Da war sich auch Thomas Futterknecht sicher, dass sein fast 41 Jahre alter Rekord bald gelöscht werden würde. Er schickte Niklas vor gut drei Monaten als Motivation per E-Mail sogar ein kurzes Schreiben, in welchem er ihm die Rekord-Verbesserung wünschte…
Einst einer der Großen
Thomas Futterknecht war, was die heutige Generation nicht mehr weiß, in den 80er-Jahren einer der großen österreichischen Läufer, war Teilnehmer bei Olympia, WM und EM, lief zweimal bei der „Weltklasse“ in Zürich. 15-mal blieb er unter der 50-Sekunden-Grenze. An seinen Rekord in Kobe erinnert er sich genau. Im Semifinale, in dem er als Dritter seine 49,33 lief, „hatte es hervorragende Bedingungen gegeben, der Wind war auch günstig“. Im Finale spielte das Wetter nicht mehr mit, wurde er in 50,21 Fünfter.
Vier Jahrzehnte unangetastet
Dass sein Rekord so lange halten würde, hätte Thomas Futterknecht natürlich nicht erwartet. Klaus Ehrle war dieser Bestmarke 1987 mit 49,55 und zweimal 49,66 noch sehr nahe gekommen. Danach aber blieb der Rekord vier Jahrzehnte unangetastet. Dies ist für den 63-jährigen Futterknecht auch nachvollziehbar. Die 400 m Hürden seien eine „sehr anspruchsvolle Disziplin, für die du als Voraussetzung auch schnell über 100 m, 200 m und 400 m flach sein musst“. Dazu komme die Hürdentechnik. In einem kleinen Land wie Österreich hätten eben nur wenige Läufer – wie jetzt Niklas Strohmayer-Dangl – die Veranlagung dazu.
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