Staaten erbost

Ahmadinejad: Iran baut 6.000 neue Zentrifugen

Ausland
08.04.2008 18:45
Der Iran weitet sein Atomprogramm offenbar drastisch aus, statt es zu drosseln, und wird in den nächsten Monaten tausende neue Zentrifugen zur Anreicherung von Uran aufstellen. Der Prozess "zur Installierung von 6.000 neuen Zentrifugen" in der Atomanlage im zentraliranischen Natanz habe am Dienstag begonnen, erklärte Staatschef Mahmoud Ahmadinejad anlässlich des iranischen "Tag der Atomtechnologie". Der UNO zufolge hat der Iran in Natanz bereits rund 3.000 P-1-Zentrifugen in einer unterirdischen Anreicherungsanlage installiert. Mehrere Staaten forderten am Dienstag eine Verschärfung der Sanktionen gegen den islamischen Staat.

Frankreich verkündete am Dienstag, man ziehe härtere Sanktionen gegen den Iran in Betracht, wenn dieser sich den Forderungen der Weltgemeinschaft nach einem Stopp der Urananreicherung weiter widersetzt. Es sei nicht ausgeschlossen, die bestehenden Strafen gegen die iranische Führung "zu verschärfen", sagte der französische Außenminister Bernard Kouchner. 

"Ich fürchte, dass man mit den Sanktionen weitermachen muss, wenn der Iran nicht reagiert." Die internationale Gemeinschaft müsse bei möglichen weiteren Strafen aber zugleich Gespräche mit der islamischen Republik führen, so Kouchner in Paris.

Briten: "Iran bemüht sich nicht"
Ein Sprecher des britischen Außenministeriums sagte, der Iran "missachtet die Wünsche der internationalen Gemeinschaft". Dass die Führung in Teheran jetzt tausende neue Zentrifugen zur Anreicherung von Atommaterial installiere, mache deutlich, "dass der Iran sich nicht bemüht, das internationale Vertrauen in seine Absichten wiederherzustellen".

USA: "Auflagen des Sicherheitsrates weiter verletzt"
Der US-Botschafter bei der in Wien ansässigen Internationalen Atomenergiebehörde kritisierte die Aussagen Ahmandinejads und forderte Teheran zu Gesprächen über das Atomprogramm auf. "Die heutige Ankündigung zeigt die klare Absicht, die Auflagen des Sicherheitsrates noch weiter zu verletzen", schrieb Botschafter Gregory Schulte am Dienstag in einer Aussendung. Statt die Situation eskalieren zu lassen, sollte die iranische Führung über ein Paket mit wirtschaftlichen und politischen Anreizen verhandeln, das Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die USA, Russland und China 2006 unterbreitet hatten. Das Angebot sieht vor, dass der Iran im Gegenzug die Anreicherung von Uran einstellt.

Staaten beraten am 16. April in China
China will indes mit einem hochrangigen Treffen in der kommenden Woche in Shanghai die stockenden Gespräche über das iranische Atomprogramm voranbringen. Wie eine Sprecherin des Außenministeriums am Dienstag in Peking verkündete, werden am 16. April in der ostchinesischen Metropole die Vertreter der USA, Chinas, Russlands, Frankreich, Großbritanniens, Deutschlands und der EU Pläne zu einer Fortsetzung der Gespräche diskutieren. China habe stets die Meinung vertreten, dass die Atomfrage friedlich durch Verhandlungen und Dialog gelöst werden solle.

Der "Atomstreit"
Die iranische Regierung betont, das Atomprogramm diene allein zivilen Zwecken. Der Westen vermutet dagegen, dass Teheran nach Atomwaffen strebt. Mit den Zentrifugen lässt sich Uran so anreichern, dass es zur Herstellung von Brennstäben für Kernkraftwerke verwendet werden kann. Bei einer höheren Anreicherung könnte das Uran auch zum Bau von Atomwaffen genutzt werden. Der Iran strebt nach eigenen Angaben eine Urananreicherung in großem Stil an, bei der insgesamt 54.000 Zentrifugen zum Einsatz kommen sollen.

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