Fackellauf-Abbruch

IOC bezeichnet Tibet-Proteste als “Missbrauch”

Ausland
08.04.2008 10:00
Ein hochrangiger Vertreter des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat am Dienstag in Peking jene Demonstranten verurteilt, die den olympischen Fackellauf in London und Paris gestört haben. Die Demonstranten agierten aus Hass gegen China, so Kevan Gosper. Der IOC-Vertreter sprach von den Kundgebungen gegen das gewaltsame Vorgehen Chinas von Tibetern, die gegen die chinesische Herrschaft auf die Straße gingen, als "Missbrauch".

"Wir sind extrem verzweifelt", sagte Gosper, Vizepräsident der Kommission, die sie Olympischen Sommerspiele heuer in Peking organisiert. Die Flamme sei von jenen angepöbelt worden, die ihren Widerstand gegen China äußern wollten. Sie
drückten bloß ihren Hass aus - egal welches Tagesthema es sei, und "der Hass gegen das Gastland fällt auf unsere Flamme".

Der Fackellauf mit dem Olympischen Feuer in Paris war am Montagnachmittag abgebrochen worden. Wie die Polizei mitteilte, wurde die Flamme von der Nationalversammlung mit einem Bus zum Ziel des Staffellaufes gebracht. Zuvor hatten massive Proteste gegen die chinesische Menschenrechtspolitik den Fackelzug gestört, die Polizei musste bereits wenige hundert Meter nach Beginn des Staffellaufes die Fackel in einem Bus in Sicherheit bringen. "Aus technischen Gründen" habe die Fackel dabei mehrere Male zeitweilig gelöscht werden müssen, erklärte die Pariser Polizeipräfektur.

Bilder und Videos von den Protesten findest du in der Infobox!

Das französische Olympische Komitee bestätigt den Abbruch des Fackellaufs. Die Fackel sollte mit einem Bus kurz vor die geplante Endstation gebracht werden. Auf den letzten Metern werde sie dann wieder von einem Sportler zum Stadion Charléty im Südosten der Stadt getragen, teilte eine Sprecherin des Französischen Olympischen Komitees mit. Die chinesische Botschaft in Paris hatte kurz zuvor beschlossen, die Route des Fackelzuges zu ändern und eine halbstündige Veranstaltung am Rathaus ausfallen zu lassen, nachdem mehrere Stadträte die tibetische Flagge an der Rathaus-Fassade aufgehängt hatten.

Proteste gegen Chinas Menschrechtspolitik
Aktivisten hatten den olympischen Fackellauf in Paris zu einer spektakulären Demonstration gegen die chinesische Menschenrechtspolitik verwandelt. Am Eiffelturm, am Rathaus und an der Kathedrale Notre Dame befestigten die China-Kritiker große Banner, auf denen die olympischen Ringe als Handschellen dargestellt wurden. Zudem machten sie an der weltberühmten Kathedrale die tibetische Flagge fest.

In Paris erklärte ein Tibeter-Vertreter, die pro-tibetische Demonstrationen seien "ein sehr großer Erfolg" geworden. "Es gelingt uns, unseren Anliegen politisch Gehör zu verschaffen dank der Hilfe von Künstlern, Politikern und Intellektuellen", freute sich der Präsident der tibetischen Gemeinschaft in Frankreich, Thupten Gyatso, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Mahnwache vor chinesischer Botschaft in Wien
Vor der Botschaft der Volksrepublik China in Wien hat Montag früh eine Mahnwache der Tibeter in Österreich begonnen, die bis zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking am 8. August dauern soll. "Die Chinesen werden den Geist Tibets nie besiegen", sagte die Präsidentin der Tibeter Gemeinschaft Österreich (TGÖ), Tseten Zöchbauer. Die Teilnahme der vielen jungen Tibeter an den Protesten in aller Welt zeige, dass "die nächste Generation für den Widerstand bereitsteht".

Peking verurteilt Störungen scharf
China verurteilte die europäischen Proteste gegen den als "Reise der Harmonie" angekündigten Fackellauf in scharfen Worten. Die Störungen seien "abscheuliche Missetaten" tibetischer Separatisten, sagte eine chinesische Olympia-Sprecherin in Peking. Die friedliebende Welt werde sich davon distanzieren und den Lauf voll und ganz unterstützen.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) äußerte sich "sehr besorgt" über die Ereignisse. "Der Fackellauf ist zur Zielscheibe geworden", warnte IOC-Präsident Jacques Rogge in Peking in einer Rede vor der Vereinigung Nationaler Olympischer Komitees. Zugleich rief er die kommunistische Führung zu einer schnellen und friedlichen Lösung in Tibet auf.

Massive Proteste bei Fackelauf in London
Bereits am Sonntag hatten Demonstranten in London für chaotische Szenen während des Fackellaufs gesorgt und die Veranstalter mehrfach dazu gezwungen, die Flamme in Sicherheit zu bringen. Mehr als 35 Menschen wurden festgenommen.

Die Olympischen Sommerspiele in Peking beginnen am 8. August. Der französische Außenminister Bernard Kouchner will einen Boykott der Eröffnungsfeier nach wie vor nicht ausschließen. Frankreich lasse sich weiter alle Möglichkeiten offen, erklärte er im Fernsehsender LCI. Zuvor hatte schon Staatspräsident Nicolas Sarkozy erklärt, er werde sein Verhalten von der weiteren Entwicklung in Tibet abhängig machen.

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