Umstrittenes Video

Website nimmt Anti-Islam-Film von ihrem Server

Ausland
29.03.2008 10:31
Die Website LiveLeak.com hat - knapp einen Tag nach der Veröffentlichung - den anti-islamischen Films des rechtspopulistischen niederländischen Abgeordneten Geert Wilders von ihren Servern entfernt. Sie begründete den Schritt mit Drohungen gegen Mitarbeiter, die "sehr ernster Natur" seien. "Das ist ein trauriger Tag für die Menschenrechte im Internet", erklärten die Betreiber der Seite am Freitagabend.

Der umstrittene Film ist allerdings bereits auf anderen Seiten im weltweiten Netz weiterverbreitet worden. Wilders hatte keinen Fernsehsender für die Ausstrahlung seines Films "Fitna" gefunden, und sein Web-Provider Network Solutions nahm vergangene Woche die Internetseite für den Film aus dem Netz.

Wilders sagte am Donnerstag, er habe den Film veröffentlicht, weil der Islam und der Koran auf lange Sicht die Freiheit in den Niederlanden gefährdeten. "Ich musste die Menschen davor warnen", erklärte er.

Die Europäische Union betonte in einer Erklärung das Grundrecht der Redefreiheit, fügte aber hinzu: "Wir glauben, das Akte wie dieser Film keinem anderen Zweck als dem dienen, zum Hass anzustacheln." Mehrere muslimische Länder reagierten mit Protesten auf den 15-minütigen Film, in dem Koran-Zitate mit Aufnahmen von islamistischen Anschlägen und Aussagen islamischer Prediger kombiniert werden.

Internationale Empörung über Wilders Film
Die slowenische EU-Ratspräsidentschaft hat sich von dem anti-islamischen Kurzfilm "Fitna" ("Zwietracht") des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders distanziert. "Wir glauben, dass Werke wie der erwähnte Film keinem anderen Zweck dienen, als Hass zu entflammen", betonte die slowenische EU-Ratspräsidentschaft am Freitag. Der EU-Vorsitz unterstützt demnach voll und ganz die Aussagen der Regierung in Den Haag, die sich von dem Film nach der Online-Veröffentlichung am Donnerstag distanzierte.

Stunden vor der EU-Reaktion war bereits die niederländische Regierung in Den Haag offiziell zu Wilders (Bild) auf Distanz gegangen. "Wir sehen nicht, dass damit etwas anderes bezweckt wird als das Verletzen von Gefühlen", erklärte Ministerpräsident Jan Peter Balkenende am Donnerstagabend. Der Fraktionsvorsitzende der regierenden Christdemokraten, Pieter van Geel, nannte den Film "gemein und verletzend". 

Die Zeitung "de Volkskrant" kommentierte am Freitag, der Film gleiche den Propagandamethoden, mit denen totalitäre Regime Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufhetzen. 

Mohammed-Karikaturist geht gegen Wilders-Film vor
Der dänische Karikaturist Kurt Westergaard will gerichtlich gegen den Anti-Islam-Film vorgehen. Er betrachte die Verwendung seiner ebenfalls umstrittenen Mohammed-Karikatur am Anfang und Ende des Films als "Missbrauch".

Er kündigte an, dass er per Einstweiliger Verfügung ein Verbot von Wilders' Film erreichen will. Auch die Zeitung "Jyllands-Posten", in der die umstrittenen dänischen Mohammed-Karikaturen erschienen waren, distanzierte sich vom Anti-Islam-Film des niederländischen Populisten Wilders.

Empörung in arabischer Welt
Große Empörung herrscht naturgemäß auch in der islamischen Welt über die Veröffentlichung des Films: Das iranische Außenministerium sprach von einer "widerlichen Aktion" und von einem "Kreuzzug" westlicher Länder gegen den Islam. Die Regierung von Bangladesch verurteilte die Veröffentlichung "auf das Schärfste" und drohte mit "schweren Folgen".

Auch in Indonesien verurteilten Politiker und Islamgelehrte einhellig den Film. Das Stück sei "irreführend und voller Rassismus", sagte Kristiarto, Sprecher des Außenministeriums. Die Veröffentlichung sei "ein unverantwortlicher Akt unter dem Mantel der Pressefreiheit." Parlamentspräsident Agung Laksono warnte vor Unruhen und forderte die Regierung auf, die Weiterverbreitung des Stücks etwa über das Internetportal "YouTube" zu unterbinden.

Hochrangige Vertreter jordanischer Medien kündigten am Freitag gerichtliche Schritte gegen den 15-minütigen Streifen an. Ein Sprecher sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Medienvertreter strebten einen Prozess gegen Wilders vor einem jordanischen Gericht an. Außerdem sei eine Kampagne für den Boykott niederländischer Produkte geplant.

BKA warnt vor erhöhter Terrorgefahr
Unterdessen warnte das deutsche Bundeskriminalamts (BKA), die Ausstrahlung eines anti-islamischen Videos erhöhe die Gefahr von Anschlägen in Europa. Wie auch die jüngsten Drohbotschaften von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden könne es potenzielle Täter anregen, sagte der für Staatsschutz zuständige Abteilungspräsident Klaus Wittling am Freitag in Wiesbaden.

Verantwortung für mögliche Ausschreitungen zurückgewiesen
Wilders hat die Verantwortung für mögliche Ausschreitungen als Reaktion auf seinen Film bereits zurückgewiesen. "Ich hoffe, dass nichts passiert. Aber selbst wenn, dann sind die Leute, die die Taten begehen, dafür verantwortlich und nicht ich", sagte Wilders in Den Haag. Er sei "glücklich über die positiven Reaktionen". Es sei nicht seine Absicht gewesen, Ausschreitungen zu provozieren, sondern er habe eine Debatte anstoßen wollen.

Sein Ziel sei es, den Menschen zu zeigen, "dass wir die Islamisierung stoppen müssen, um unsere Freiheit zu bewahren". Er betonte aber, dass er nicht grundsätzlich anti-muslimisch eingestellt sei. "Ich unterscheide zwischen der Ideologie, die ich verachtenswert finde, und den Menschen. Ich hasse keine Menschen, also hasse ich auch keine Muslime", sagte Wilders.

Warnung vor "schockierenden Bildern"
"Fitna", das auf arabisch so viel bedeutet wie Zwietracht unter den Muslimen, beginnt mit einer Warnung vor "schockierenden Bildern". In dem Film kombiniert Wilders dann Bilder von Opfern terroristischer Anschläge mit Koranversen. Auch die umstrittene dänische Mohammed-Karikatur, die den Propheten mit einer Bombe als Turban zeigt, sowie die Anschläge auf das World Trade Center in New York am 11. September 2001 sind in dem Film zu sehen. "Stoppt die Islamisierung. Verteidigt unsere Freiheit", heißt es dann am Ende.

Aus Angst vor Ausschreitungen wie nach der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in Dänemark hatte die niederländische Regierung mehrmals versucht, Wilders von einer Veröffentlichung abzubringen. Dieser hielt jedoch an seinem Projekt fest und stellte den Film schließlich auf dem Videoportal www.liveleak.com online.

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