26.11.2007 15:43 |

"Karrierekiller"

MySpace und Co. als Sargnagel für Zukunftspläne

Was man auf MySpace, Facebook und Co. von sich preisgibt, ist dem Image nicht immer förderlich: Das „Social Networking“ kann sich für Jugendliche nämlich auch negativ auf die Zukunftsplanung auswirken. Neben Gefahren wie Datenmissbrauch und Identitätsschwindel warnen Experten nun auch davor, dass die Aktivitäten auf einschlägigen Plattformen Karrierepläne der Teenager durchkreuzen können. Wenn es früher hieß, die Rache des Journalisten sei sein Archiv, so gilt dieser Satz heute dank des WWW in seinen Grundzügen für praktisch jedermann.

Laut der britischen Informationsbehörde ICO geben die Jugendlichen häufig zu viel von sich im Internet preis bzw. gehen mit dem Hochladen von Fotos, Videos oder dem Verfassen von Postings oft zu leichtfertig um. Bei einer Befragung von 2.000 Personen im Alter von 14 bis 21 Jahren stellte sich heraus, dass 71 Prozent ihre Netzwerk-Profilseiten erst dann Kollegen oder Arbeitgebern zeigen würden, wenn sie zuvor einiges an persönlichem Material gelöscht hätten.

Dass die Networking-Aktivitäten auch Gefahren bergen, dessen sind sich auch die Plattform-Betreiber bewusst, räumen jedoch ein, dass das Internet ähnliche Risiken mit sich bringt wie andere Lebensbereiche auch. „Social Networking birgt sicherlich nicht mehr Gefahren für Jugendliche als jeder andere Lebensbereich dieser Gruppe. Die Sicherheit unserer Nutzer, speziell unserer jüngeren Nutzer, ist unsere oberste Priorität“, meint Joel Berger, Geschäftsführer MySpace Deutschland.

Wenn Nutzer unter 16 Jahre alt seien, würden die Profile automatisch „privat“ geschaltet, das bedeute, sie könnten nur nach vorheriger, individueller Zustimmung durch den Nutzer von anderen angesehen werden. „Wir raten grundsätzlich allen Usern, die Plattform und ihre Möglichkeiten so zu nutzen, wie sie es auch in ihrem realen Leben tun. So wie man einer fremden Person offline keine allzu brisanten Details oder andere Geheimnisse zur eigenen Person preisgibt, sollte man dies auch nicht online tun“, so Bergers Standpunkt.

Gesagtes wird vergessen, Bilder im Netz bleiben
Jugendliche müssten viel besser darüber aufgeklärt werden, welche Spuren sie im Internet hinterlassen und welche Auswirkungen der elektronische Fußabdruck nach sich ziehen kann. „Der Schaden für die Zukunft einer Person kann sehr hoch ausfallen, wenn später unerwünschtes Material im Netz gefunden wird“, meint David Smith, stellvertretender Polizeipräsident der ICO.

Der leichtfertige Umgang seitens vieler Nutzer zeigt sich beispielsweise auch daran, dass zwei Drittel der Befragten virtuelle Freundesanfragen von völlig Unbekannten ohne zu zögern akzeptieren und daher oft nicht wissen, wer sich eigentlich dahinter verbirgt. Rund 60 Prozent veröffentlichen bedenkenlos ihr Geburtsdatum, ein Viertel gibt die Jobbezeichnung an und immerhin jeder Zehnte veröffentlicht tatsächlich seine korrekte Wohnadresse.

Teenager über Risiken von Netzwerken aufklären
Als problematisch bewertet Smith den offenherzigen Umgang mit den Online-Netzwerken insbesondere deshalb, da immer mehr Bildungseinrichtungen und Arbeitgeber das Internet nutzen, um sich über potenzielle Studenten oder Angestellte zu informieren. Während sich die Jugendlichen in Hinblick darauf offenbar noch zu wenig der Gefahren bewusst sind, zeigen sie sich (95 Prozent) doch besorgt darüber, dass Informationen an Werbefirmen oder andere Webseiten weitergegeben werden könnten. Nur 54 Prozent gaben an, sich „sehr“ darum zu kümmern, wer ihre persönlichen Angaben mitbenutzt.

Die Untersuchung zeige, dass junge Menschen, sobald ihnen die Risiken ins Bewusstsein gerufen werden, durchaus besorgt darüber seien, was mit ihren Informationen geschieht, meint Smith. „Wir müssen den Teenagern helfen, sich über jeden Aspekt des Internetzeitalters klar zu werden, in dem sie leben. Es kann Spaß machen, unglücklicherweise ist es aber nicht ein so sicherer Raum, wie viele denken.“ (pte)

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