Ursprünglich waren die Forscher davon ausgegangen, dass die Klimaveränderung und die veränderte Landnutzung damit zu tun haben könnte, dass das Wasser in den Flüssen zunehmend brauner wird. Die Untersuchung ergab jedoch, dass der saure Regen, der durch Luftverschmutzung entsteht, deutlich abgenommen hatte. Dieses Problem war in den 1970er Jahren Ursache für große Schäden an Wäldern, Gewässern und sogar Gebäuden. Strengere Umweltgesetze haben dafür gesorgt, die Menge an Schwefel, der mit Abgasen in die Luft gelangt, zu reduzieren. "Saurer Regen ist allerdings immer noch ein Problem", meint der Gewässerexperte Stefan Schmutz, Professor am Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement an der Universität für Bodenkultur in Wien. Ganz schlimm sei die Situation vor allem in Nordeuropa gewesen. Dort hätte die Luftverschmutzung von England den ohnehin von Natur aus sauren Seen stark zugesetzt und viele Gewässer komplett zerstört. "In Österreich hat es das Problem so stark nie gegeben", erklärt der Wissenschaftler.
"Was zuerst nach einem Zusammenhang mit der Klimaerwärmung ausgesehen hat, liegt einzig und allein am sauren Regen", argumentiert Experte Monteith vom University College in London. Die Daten, die das Forscherteam untersuchte, gingen auf die Jahre 1990 bis 2004 zurück und dabei zeigte sich, dass die gelösten organischen Substanzen zu und die Säure anzeigenden Sulfat- und Chloridionen abgenommen hatten. Das deutete auch darauf hin, dass die Gewässer weit weniger stark von der Versauerung betroffen waren, als noch vor wenigen Jahren. "Dazu muss man allerdings auch sagen, dass unter gewaltigen Anstrengungen in jenen Seen, in denen noch Fische lebten, Kalk zur Hebung des pH-Wertes eingebracht wurde", kommentiert Schmutz.
Gute Wasserqualität allein zu wenig
Wie Experten bereits in vorangegangenen Studien deutlich zeigten, war das Problem des sauren Regens regional sehr unterschiedlich. Daher könne man keine Aussagen über Gewässer in anderen Ländern machen, schlussfolgern die Studienautoren. Dem stimmt auch Schmutz zu. "Würde man die Gewässer Österreichs einerseits nach der Wasserqualität, andererseits nach der Gewässerökologie beurteilen, ergibt sich bereits ein sehr unterschiedliches Bild." Die Wasserqualität, also die chemisch-physikalische Beurteilung der österreichischen Gewässer, nehme in Europa einen Spitzenwert ein. "Die Hauptursache dafür war die flächendeckende Errichtung von Kläranlagen sowie die strengen Umweltauflagen für die Industrie - allen voran der Papierindustrie", erklärt der Wissenschaftler. Anders sehe es allerdings bei der Beurteilung des gewässerökologischen Zustandes aus. "Die meisten Fließgewässer sind kanalisiert und reguliert, abgetrennt von Augewässern und auf weiten Strecken aufgestaut." Die Folge davon sei eine weiträumige Zerstörung des Lebensraumes und diese habe nicht ab- sondern eher noch zugenommen, so der Wissenschaftler. (pte)
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