31. Tag im BAWAG-Prozess: Wolfgang Flöttl, der seinen 52. Geburtstag im Gerichtssaal begeht, ist trotzdem guter Stimmung. Angeblich, so sagt er, hat er schriftlichen Nachweis für fast alle Geldflüsse aus den Geschäften mit der BAWAG beschaffen können.
Und er ist kampflustig und schießt eine Breitseite nach der anderen auf Helmut Elsner und Franz Vranitzky ab. Dass er Ende 1998, als bereits erste große Verluste aus den BAWAG-Geschäften eingetreten waren, den Altkanzler als Berater engagierte, hätte ihm der BAWAG-Chef aufgetragen.
Elsner nennt Flöttl-Aussagen "kompletten Humbug!"
Nur deshalb hätte er sich im Dezember 1999 mit Vranitzky in New York getroffen. Im Jänner wurde dann über einen Anwalt eine Million Schilling überwiesen. Und was hat der Altkanzler geleistet? Wenig, meint Wolfgang Flöttl. Aber das wäre nicht dessen Schuld gewesen: "Wir waren auf Asien fokussiert, der Euro war mir egal. Dass er auch als Stückgeld eingeführt wird, war klar. Das Thema war gegessen." Von Helmut Elsner wird die Flöttl-Geschichte als "totaler Humbug" abgetan. Er will mit der Vranitzky-Million nichts zu tun haben.
Der Altkanzler im Zeugenstand erklärt dann wortreich: Zu dieser Zeit wäre eine Beratung speziell für einen in den USA tätigen Investor wichtig gewesen: "Die USA waren gegen den Euro, und da war die Sichtweise eines Europäers sicher interessant."
Vranitzky machte Beratungen "übers Telefon"
Wie spielte sich die Beratung ab, will Richterin Claudia Bandion-Ortner wissen. "Übers Telefon", sagt Franz Vranitzky. Wie oft er mit Wolfgang Flöttl gesprochen hat, darüber gibt es unterschiedliche Angaben. Er selbst konnte sich zunächst an den Kontakt mit Flöttl gar nicht so genau erinnern. Später sprach er von wöchentlichen Gesprächen über einen Zeitraum von vier Monaten.
Jetzt vor Gericht meint er, es müssten etwa acht bis zehn Telefonate gewesen sein. Wolfgang Flöttl will sich nur an insgesamt ein bis zwei erinnern können, ehe er im April 1999 den Kontakt abbrach. Woher kam das Geld, fragt die Richterin schließlich: Nicht von der BAWAG, betont Wolfgang Flöttl ausdrücklich, er hätte die Schilling-Million selbst bezahlt. Schließlich will Claudia Bandion-Ortner von Franz Vranitzky noch wissen, ob für das Honorar auch Umsatzsteuer entrichtet wurde. Der Altkanzler, wie aus der Pistole geschossen: "Laut Gesetz sind Beraterhonorare für im Ausland tätige Unternehmen frei von Umsatzsteuer." Wie praktisch...
BAWAG-Prozess dauert mindestens bis Jänner 2008
Der Sachverständige für das Handelsverhalten von Wolfgang Flöttl, Christian Imo, ist nach einem Ablehnungsantrag der Flöttl-Verteidiger am Montag vom Gericht abbestellt worden. Das Schöffengericht ernannte den Grazer Wirtschaftsprüfer Fritz Kleiner zum neuen Gutachter, er soll sein Gutachten bis 15. Jänner 2008 erstellen. In Folge diese Gutachterwechsels wird der BAWAG-Prozess mindestens bis Jänner 2008 dauern.
Flöttl-Anwälte mit Befangenheitsantrag erfolgreich
Die Flöttl-Verteidiger hatten geschäftliche Beziehungen zwischen Imo und dem im BAWAG-Prozess als Zeugen aufgetretenen Thomas Hackl als Argument einer möglichen Befangenheit Imos angeführt.
Gegen den neuen Gutachter Kleiner brachten Anwalt Peter Schmautzer, Verteidiger von Hubert Kreuch und Wolfgang Schubert, Verteidiger von Helmut Elsner, heute Einwände vor. Kleiner sei Sachverständiger für Bank- und Börsewesen, aber nicht auf Derivate und außerbörslichen Handel spezialisiert. Richterin Bandion-Ortner und Staatsanwalt Krakow wiesen diese Einwände zurück.
Karl-Heinz Grasser folgt am Dienstag als Zeuge
Am Dienstag wird der Auftritt des früheren Finanzministers und jetzigen Meinl Power-Managers Karl-Heinz Grasser vor Gericht mit Spannung erwartet, am Mittwoch folgt der frühere BAWAG-Aufsichtsratspräsident und nunmehrige Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel. Am Donnerstag wird der frühere GPA-Chef Hans Sallmutter als Zeuge befragt.
Von Peter Grotter, Gabriela Gödel und Krone.at
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