Lernfaktor null

Bei Teletubbies & Co. lernt unser Nachwuchs nichts

Wissen
29.06.2007 11:41
Fernsehsendungen wie die Teletubbies tragen nichts zum Spracherwerb von Babys und Kleinkindern bei. Zu diesem Schluss sind amerikanische Psychologen gekommen, die 15 bis 24 Monate alte Kleinkinder im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie beobachtet haben.

"Aufgrund des enormen Erfolgs derartiger Serien wollten wir heraus finden, was Kleinkinder von solchen Serien mitnehmen", erklärt Studienleiterin Marin Krcmar von der Wake-Forest-Universität in Winston-Salem. "Auch wenn wir gerne glauben würden, dass die Teletubbies und andere Serien zum Spracherwerb beitragen, haben unsere Ergebnisse gezeigt, dass das leider nicht der Fall ist".

Kinder unter drei Jahren sollten nicht fernsehen
"Je jünger die Kinder, desto sinnloser ist der Mediengebrauch", meint auch der Kinder- und Jugendpsychiater Martin Teichert. "Alle Versuche, Bildungsaspekte in Kindersendungen wie der Sesamstraße oder den Teletubbies unterzubringen, sind bisher grandios gescheitert", so Teichert mit dem Verweis auf weitere Studien. Gerade Kinder aus unterprivilegierten Haushalten seien oft nicht mit den entsprechenden Lernstrategien ausgestattet, um die Lerninhalte auf dem Bildschirm richtig zu interpretieren und zu verwerten. Bei Kindern unter drei Jahren mache die Konfrontation mit TV-Bildern prinzipiell keinen Sinn.

Mehrdimensionale Interaktion wichtig
Zu diesem Schluss kommt auch die eingangs erwähnte US-Studie. Während die 15 bis 24 Monate alten Kinder nicht in der Lage waren, in der Sendung vorgestellte Begriffe mit den dazugehörigen Objekten zu verknüpfen, war der Lernerfolg deutlich besser, wenn der Lernvorgang von Erwachsenen im Raum initiiert wurde. "Das Wort 'Begreifen' zeigt ja schon sehr schön, dass Kinder Objekte angreifen und in ihrer Dreidimensionalität erfahren müssen, um sie zu verstehen", erklärt Teichert. Im Gegensatz dazu würden gerade kleine Kinder unter drei Jahren zwar gebannt auf den TV-Schirm blicken, könnten mit den flimmernden bewegten Bildern zumeist aber nichts anfangen. 

Kinder bis zu einem Alter von drei Jahren sollten überhaupt nicht fernsehen, ist der Kinderpsychiater überzeugt. Auch rät er, Kinder nur mit Sendungen zu konfrontieren, deren Inhalte man selber bereits gesehen hat. "Sich das Leben bequem machen, indem man kleine Kinder einfach vor den Fernseher setzt, ist keine Lösung. (pte)

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