Welches Gefühl überwiegt bei Ihnen jetzt: Freude über den roten Kanzler oder Zorn über den Preis dafür?
Na, die Freude über eine SPÖ-geführte Bundesregierung ist natürlich größer als der Kummer über die Ressortverteilung und die von der ÖVP blockierten Veränderungen.
Heißt das, mit dem Nein Oberösterreichs im SPÖ-Vorstand ist der Widerstand für Sie erledigt?
Für uns war es eine Frage der Glaubwürdigkeit, dass wir klar dokumentieren konnten, dass wir mit dem Ergebnis der Regierungsverhandlungen nicht einverstanden sind.
Und damit ist´s genug…
Wir nehmen als Demokraten das insgesamte Ja des Vorstandes zur Kenntnis und versuchen, das Beste daraus zu machen. Daran gehen wir mit viel Elan!
Woran zum Beispiel?
Die vielen positiven Maßnahmen im Regierungsprogramm sollen rasch umgesetzt werden. Etwa die neue Wahlfreiheit der Frauen beim Kindergeld.
Reicht das, um Funktionäre und Basis zu versöhnen?
Der Wille der Wähler am 1. Oktober war ganz klar, dass man einen anderen Kurs gehen sollte, doch den blockiert die ÖVP, zum Beispiel bei Studiengebühren und Eurofightern. Aber es gibt sehr wohl eine sozialdemokratische Handschrift in diesem Regierungsprogramm. Und wichtig ist, dass die Menschen auch das sehen.
Was werden sie da konkret sehen?
Vor allem, dass jetzt doch auch eine andere Gesinnung herrscht in der Bundesregierung. Denn die letzten sieben Jahre waren nur Sozialabbau und nur Privatisierung und nur Ausverkauf - und nun versucht man doch in die Gegenrichtung positive Politik zu machen und den Menschen wieder mehr Sicherheit zu geben.
Nach der Landtagswahl 2003 haben Sie selbst versucht, die ÖVP, salopp gesagt, „über den Tisch zu ziehen“. Wieso ist Ihnen das genauso wenig gelungen wie jetzt Gusenbauer?
Weil die ÖVP dreimal den Wählerwillen ignoriert hat. Das erste Mal 1999, wie der Schüssel Dritter geworden ist und dann Erster war. Das zweite Mal 2003, wo wir die klaren Wahlsieger waren und es das erste Mal seit 1945 bei den Ressorts in der Landesregierung vier zu vier gestanden ist, wir aber Kompetenzen wie nur mit drei Ressorts bekommen haben. Und das dritte Mal ist jetzt.
Haben Sie einen Geburtstagswunsch an den neuen SPÖ-Kanzler?
Ja! Er soll die Studiengebühren nachverhandeln, die muss man wirklich generell abschaffen. Dazu bringen wir am Montag in der Sitzung der Landesregierung auch einen Resolutionsantrag an die neue Bundesregierung ein.
Sie werden am Samstag 50 Jahre alt. Was war für Sie das Idealbild eines Politikers, als Sie 20 waren?
Damals war für mich das Wichtigste die Weltoffenheit, die Bildungsoffensive, die unter Kreisky gekommen ist, und die Wertschätzung für alle Menschen. Der Unterschied der Menschen ist kleiner geworden, und darum geht´s auch weiter - etwa bei den Einkommen, wo es noch immer viel Ungerechtigkeit gibt.
Was wünschen Sie sich persönlich zum Geburtstag?
Ich schaue gerne nach vorne, und aktive Friedenspolitik ist mir wirklich ein wichtiges Anliegen, denn die Menschen brauchen Frieden und Gesundheit.
Ich meinte wirklich persönlich.
Für mich selbst auch nur den Wunsch, dass es der Familie und allen Oberösterreichern und Oberösterreicherinnen gut geht.
Sie wollen uns keine geheimen Wünsche sagen…
Ich habe wirklich keine besonderen Wünsche!
Foto: Chris Koller
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