14.12.2017 17:08 |

Top-Performance

VW Polo GTI: Der Karo-Bube ist ein Ass!

Volkswagen hat den Polo der sechsten Generation zum ultimativen Karo-Buben gemacht - und der trumpft besser auf denn je! Der VW Polo GTI führt die Tradition des Ur-GTI weiter, trägt dazu das klassische Clark-Karo auf den Sportsitzen, macht schöne Augen mit rotem Lidstrich bis in die (optionalen) LED-Scheinwerfer und guten Ton mit gelungenem Sounddesign. Doch was wirklich zählt, sind die inneren Werte: Ein neuer, größerer Motor und hervorragende Fahreigenschaften.

Pfeif auf Downsizing, der Polo GTI hat jetzt einen Zweiliter-Vierzylinder hinter dem Wabengrill mit dem GTI-Schriftzug, und der leistet muntere 200 PS. Dank eines kleineren Turboladers spricht er hervorragend an und stemmt dem Fahrer schon ab 1500 Touren 320 Nm ins Kreuz, wo sie auch ankommen, weil die Vorderräder dank XDS-Differenzialsperre antreiben statt zu scharren. In 6,7 Sekunden geht es auf Tempo 100, erst bei 237 km/h ist Schluss (Normverbrauch: 5,9 l/100 km). Geschaltet wird über ein Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe, wahlweise automatisch oder per Schaltpaddles. Ein manuelles Schaltgetriebe kommt später.

Schon die Akustik des intern EA888 genannten Triebwerks macht Spaß. Im Sportmodus darf es dezent brabbeln und spotzen, ohne jemals den Proleten heraushängen zu lassen. Vor allem sind es hintergründige Basstöne, die die Fahrfreude unterstützen. Natürlich wird die Klangkulisse künstlich unterstützt, dennoch wirkt der Sound authentisch. Unter anderem weil er nicht über die Lautsprecher zugespielt, sondern von einem Soundgenerator hinter dem Armaturenbrett erzeugt wird.

Das 15 mm tiefergelegte Sportfahrwerk ist Serie, dennoch sollte man noch 300 Euro drauflegen: Dafür bekommt man zusätzlich verstärkte Komponenten (größerer Stabilisator vorn, steifere Koppelstangen vorn, steifere Achsführungslager hinten) sowie Stoßdämpfer, deren Kennlinie zwischen komfortabel und dezidiert sportlich umschaltbar ist. Abrufbar über die vier Fahrmodi (Eco, Normal, Sport, Individual), welche außerdem Lenkung, Motorkennlinie, Getriebesteuerung und Motorsound beeinflussen.

Das ist nicht so sophisticated wie die adaptiven Dämpfer des VW Golf GTI (der auch eine Mehrlenker- statt einer Verbundlenkerhinterachse mitbringt), funktioniert beim 1280 kg leichten VW Polo GTI aber ganz hervorragend. Wie gut, haben wir auf dem Circuit Mallorca in Llucmajor sowie auf extrem kurvigen Bergstraßen der Baleareninsel erfahren.

Mit Vollgas hinter dem Golf R her
Der Cirquit Mallorca ist wie geschaffen für den Hot Hatch. Viele enge Kurven, keine allzu langen Geraden, wo stärkere, schwerere Autos ihre Leistung ausspielen können, dafür teils weit nach hinten verlegte Kurvenscheitel, die man präzise ansteuern muss. Da verhagelt jedes Untersteuern die Linie. Kein Problem also mit dem Polo GTI, der nur dann Probleme hat, die Kraft über die Vorderräder auf den Boden zu bringen, wenn der Lenkeinschlag zu groß ist.

Der Profi im Vorausfahrzeug, einem VW Golf R, hat jedenfalls alle Hände zu tun, den Polo auf Abstand zu halten, wenn ein vorwitziger Fahrer am Steuer sitzt. Obwohl der Golf R nicht nur 110 PS mehr, sondern zudem Allradantrieb hat, kann der frontgetriebene Kleinwagen mithalten. "180 Kilogramm Mindergewicht und einige Jahre Entwicklungsvorsprung machen viel aus", grinst Fahrwerker Matthias Klöpping, zu Recht stolz auf die Performance.

Wo der Golf R längst über die Vorderachse schiebt, bleibt der Polo noch neutral, lenkt präzise ein, die Hinterräder kleben regelrecht auf dem Asphalt, das Heck bleibt auch beim heftigen Über-die Curbs-Räubern und Ankern stabil, ohne den Fahrer in Bedrängnis zu bringen. Besonders beachtlich sind die kräftig zupackenden und gut zu dosierenden Bremsen, die auch bei heftigster Beanspruchung keinerlei Neigung zum Fading zeigen. Einziges Sicherheits-Zugeständnis an den Massenmarkt: Das ESP ist nicht vollständig abschaltbar, hat aber einen mutig abgestimmten Sportmodus.

Freund der Berge
Die Bergstraße, mit der man den Tunnel der Ma-11 Richtung Sóller umfahren kann, ist eine echte Bewährungsstrecke für Fronttriebler. Eine Kehre nach der anderen zwingt einen in einen steilen 180-Grad-Bergaufknick. Auch hier zieht der Polo gut ab. Bergab wiederum zahlt sich erneut die Standfestigkeit der Bremsanlage aus.

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Gerade auf solchen Strecken werden nicht nur Fahrer die gefühlvolle Lenkung schätzen, sondern auch Beifahrer mit empfindlichem Magen. Der Grund ist, dass man sehr geschmeidig fahren kann und in Kurven kaum korrigieren muss. Trotzdem würde man sich als Beifahrer einen Haltegriff wünschen. Gibt's aber nicht.

Ziemlich komplett ausgestattet
Ab 25.990 Euro wird der Karo-Bube mit den sportlichen Fahreigenschaften im Frühjahr auf den Markt kommen. Serienmäßig an Bord sind Frontassist mit City-Notbremse und Fußgängererkennung, Multikollisionsbremse, XDS, das Radio Composition Media mit 6,5-Zoll-Display, Zweizonenklimaautomatik, LED-Heckleuchten, höhenverstellbarer Fahrersitz, Parksensoren und 17-Zoll-Alufelgen mit 245er-Reifen. Mit LED-Scheinwerfern, dem großen Navitainment und 18-Zöllern darf man sicher über 30.000 Euro auf den Tisch legen - bekommt dafür auch richtig viel Auto.

Da kommt noch was…
Die Planungen gehen in Wolfsburg bereits weiter, wir dürfen uns schon mal auf eine stärkere Version des VW Polo GTI freuen. Möglicherweise debütiert bereits auf der IAA 2019 oder auf dem Genfer Salon 2020 eine Performance-Variante mit 230 PS.

Bereits 2018 wird - basierend auf dem Polo GTI - ein Kundensport-Fahrzeug FIA-homologiert, der VW Polo GTI R5. Reglementbedingt ist sein Motor 1,6 Liter klein, leistet aber 272 PS. Dank kurzer Rallye-Übersetzung reicht das für einen Standardsprintwert von 4,1 Sekunden.

Unterm Strich
Wer auf den Ur-GTI steht, wird den VW Polo GTI mehr lieben als das Golf-Pendant. Gut 30 kg leichter, insgesamt drahtiger, weil kleiner, aber trotzdem nicht so eng, dass es zwickt, außerdem 13.000 Euro billiger - das geht fast schon als Versportlichung der Massen durch. Denn mit dem starken Motor, der erstklassigen Lenkung, dem verbindlichen Fahrwerk und den kompromisslosen Bremsen ist der Karo-Bube ein echtes Ass.

Warum?

  • Hervorragendes Fahrverhalten
  • Kein Krawallbruder

Warum nicht?

  • Manche wünschen sich mehr Auspuffsound

Oder vielleicht …

… Opel Corsa OPC, Peugeot 208 GTi, Renault Clio R.S., Mini Cooper S

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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