Live aus dem Knast
Gefängnis-Webcam gestoppt
Ausland
27.11.2006 21:55
In einem Gefängnis im US-Bundesstaat Tennessee ist nach fast sechs Jahren die Live-Übertragung des Knast-Lebens im Internet abgeschaltet worden. In den vergangenen Wochen seien verstärkt Sicherheitslücken und Belästigungen des Personals aufgetreten, sagte Paul White, Sheriff des Bezirkes Anderson nahe Knoxville, am Montag. "Wegen der Sicherheitsprobleme im Gebäude habe ich den Auftrag gegeben, die Kamera abzuschalten. Die Sicherheitslage in unserem Gefängnis hat sich verschlimmert."
Lokale Medien haben zuvor vom Missbrauch der Internetkamera durch Zuschauer berichtet. Nutzer hatten den Zeitablauf im Gefängnis notiert und auf diese Weise Gegenstände in das Gefängnis geschmuggelt. Besucher der Internetseite hatten nach der Live-Übertragung außerdem Gefängniswärterinnen am Telefon belästigt.
Fast neun Millionen Internetbesucher haben nach Angaben des Sheriffs die Seite angeklickt. Besucher der Internetseite wie der Nutzer "Teemu" aus Finnland lobten die Webcam als "exzellentes Beispiel für die Offenheit in der westlichen Gesellschaft". Kenneth Anderson aus Pennsylvania bezeichnete das Angebot als "ausgezeichnet und zeitgemäß". "So oft haben wir Steuerzahler keine Ahnung davon, wie die Gesetzesvollstreckung funktioniert", schrieb Anderson.
"Dies ist ein Gefängnis"
Die Internetkamera ist an der Gefängniswache installiert. Sie zeigte mit exakter Zeitangabe, wann Angestellte und Inhaftierte an der Wache vorbeilaufen. Auf der Internetseite wird vor "kriminellen Vorgängen und sexuellem Fehlverhalten von Häftlingen" gewarnt. "Dies ist ein Gefängnis, keine Simulation", heißt es.
Sheriff White bedauerte die Abschaltung, weil die übertragenen Bilder nach seinen Worten eine gute "PR-Geschichte" zur Abschreckung vor dem Leben hinter den Gefängnismauern waren. Auch "Druck von außen" habe zur Abschaltung geführt. Eine US-Bürgerrechtsbewegung hatte dem Sheriff ein Protestschreiben geschickt und zur Demontage der Kamera aufgerufen.
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