Do, 20. September 2018

Auf Vorteil bedacht

17.06.2017 09:50

Teamwork bei Aussicht auf Profit wahrscheinlicher

Wenn Menschen anderen gegenüber freigiebig sind, lässt das nicht unbedingt auf Selbstlosigkeit schließen. Viele erhoffen sich davon durchaus eigene Vorteile, wie eine Studie zeigt.

Demnach sind Kooperationen etwa zwischen Mitbewohnern, Arbeitskollegen oder auch Nationen dann Erfolg versprechender, wenn die Beteiligten glauben, dass sie davon profitieren. Das berichtete ein Team um Maxwell Burton-Chellew von der englischen Universität Oxford in den "Proceedings B" der britischen Royal Society.

Wohl das Gruppe oder persönlicher Vorteil?
Eine zentrale Frage bei der Kooperation von Menschen sei, ob die Beteiligten vor allem das Wohl der Gruppe suchen oder eher den persönlichen Vorteil, schreiben die Forscher. Dies hänge entscheidend davon ab, ob jemand eher rational oder eher irrational handle. Daher testeten die Forscher in der Studie anfangs, zu welcher der beiden Gruppen ihre knapp 300 Teilnehmer gehörten.

In der Studie konnten die Probanden bei einem Spiel Geld entweder für sich behalten oder es zum Nutzen aller in ihre Gruppe geben - eine Parallele etwa zum Zahlen von Steuern. In verschiedenen Runden nahmen manche Teilnehmer an, ihr Verhalten sei für ihre Mitspieler sichtbar, andere dachten das nicht. Die rationalen Probanden waren deutlich spendabler, wenn sie davon ausgingen, dass die anderen ihr Verhalten sehen konnten. Sie gaben dann dreimal häufiger Geld an die Gruppe als in anderen Runden.

Die irrationalen Teilnehmer - fast zwei Drittel der Probanden - änderten dagegen ihr Verhalten kaum. Irrationales Handeln könne etwa darauf beruhen, dass jemand das Spiel nicht verstanden habe oder nicht daran interessiert sei, schreiben die Forscher. Dies sei dann kaum zu interpretieren. Daher konzentrierten sie sich vor allem auf das Verhalten der rationalen Teilnehmer. Die zeigten sich vor allem in der ersten Runde des Spiels spendabel. Die Forscher folgern, dass sie mit ihrem Verhalten andere dazu animieren wollten, ebenfalls Geld für die Gruppe zu geben - um später selbst davon zu profitieren.

Strategische Kooperationen
Kooperation in Gruppen sei vor allem dann erfolgversprechend, wenn sich die Teilnehmer einen Nutzen für die Zukunft erhofften, schreiben die Autoren. Deshalb hätten Beziehungen, die auf gegenseitigen Nutzen ausgerichtet seien, eher dann Bestand, wenn alle Seiten glaubten, davon zu profitieren. Umgekehrt scheitere die Zusammenarbeit zwischen Menschen, Gruppen oder auch zwischen Staaten vor allem dann, wenn Beteiligte glaubten, dass sie ihnen künftig nicht mehr nützen würde. Dann seien sie nicht mehr bereit, in die Zusammenarbeit zu investieren.

 krone.at
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