Ärzte besorgt:

Kindergartenkinder spielen zu oft mit Smartphones

Elektronik
30.05.2017 09:25
Porträt von krone.at
Von krone.at

Fernsehen war gestern: 70 Prozent der Kindergartenkinder benutzen heute laut einer Studie aus Deutschland täglich ein Smartphone. Damit gehen Risiken einher: Durch die intensive Nutzung steigt bei Kindern und Jugendlichen das Risiko für Konzentrationsschwächen und Hyperaktivität. Ärzte raten deshalb, Kindern erst mit zwölf ihr erstes Smartphone zu kaufen.

So ist das Risiko von Konzentrationsstörungen bei täglichem Smartphonegebrauch von mehr als einer halben Stunde bei Acht- bis 13-Jährigen sechsmal höher als üblich. Das geht aus einer deutschen en Studie hervor, bei der mehr als 5500 Kinder und Eltern befragt wurden.

Motorische Hyperaktivität ist bei Zwei- bis Fünfjährigen bei einer Smartphonenutzung von mehr als einer halben Stunde pro Tag 3,5-mal häufiger als normalerweise. Mehr als 16 Prozent der 13- und 14-Jährigen gaben an, Probleme zu haben, die eigene Internetnutzung selbstbestimmt zu kontrollieren. Aber auch schon für die Kleinsten kann ein Smartphone laut der am Montag in Berlin vorgestellten Studie zum Problem werden.

Smartphone beim Stillen ist problematisch
Wenn die Mutter während des Stillens oder der Betreuung von Säuglingen parallel digitale Medien nutzt, gibt es demnach messbare Hinweise auf Bindungsstörungen. "Kinder trinken nicht richtig, sie schlafen schlecht", sagte die deutsche Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler bei der Vorstellung der Daten.

Mortler mahnte Eltern, mehr auf die Mediennutzung ihrer Kinder zu achten. Experten gingen von etwa 600.000 Internetabhängigen und 2,5 Millionen problematischen Internetnutzern in Deutschland aus. "Sechs Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen in unserem Land sind definitiv behandlungsbedürftig", sagte Mortler.

Arzt empfiehlt: Smartphone erst mit zwölf!
Uwe Büsching vom Vorstand des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte sagte, Kinder sollten vor dem zwölften Geburtstag kein Smartphone bekommen. Ähnlich wie im Straßenverkehr brauche es so für die Mediennutzung klare Regeln. Vor dem Kauf eines Handys für Minderjährige sollten Eltern mit ihren Kindern einen Vertrag über Grenzen der Nutzung abschließen. Wichtig sei, dass Kinder nicht unbeaufsichtigt im Internet surfen und dass es eine automatische Abschaltfunktion nach einer bestimmten Dauer gibt.

Studienautor Rainer Riedel, Direktor des Instituts für Medizinökonomie und medizinische Versorgungsforschung Köln, plädierte zudem dafür, dass Eltern etwa bei Klassenchats per Smartphone mitlesen. Das könne die Minderjährigen vor Mobbing schützen. Gut seien auch handyfreie Zonen etwa am familiären Esstisch.

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