Mo, 20. August 2018

BMW, bitte bauen!

10.01.2017 18:15

Eine BMW R 1200 GS unter 200 kg? Das gibt es!

Das englische Wort Rambler bezeichnet einen Wanderer oder Wanderfreund. Liest man das, ergibt sich die Vorstellung einer gewissen Betulichkeit. Besieht man sich dagegen die neue, von Touratech als Prototyp entwickelte BMW R 1200 GS Rambler, erblickt man eine sehnig-sportliche Boxer-Enduro, wie es sie in dieser Radikalität nie zuvor gegeben hat - sie wiegt unter 200 kg! Vollgetankt!

Die Modellbezeichnung ist subtil: "Wir sehen in unserer Entwicklung keine Sport-Enduro, sondern ein hochvergnügliches Wandermotorrad", so Touratech-Vorstand Jochen Schanz bei der Rambler-Präsentation in der spanischen Tabernas-Wüste. Dass "Rambler" ganz ähnlich klingt wie der seit wenigen Jahren hochaktuelle Begriff "Scrambler", ist natürlich höchst willkommen. Noch mehr Arbeit als mit der Modellbezeichnung haben sich die Touratech-Leute aus dem südbadischen Niedereschach freilich mit dem Fahrzeug selbst gemacht, das den Entwicklungscode K199 trägt. Auch der ist mit Bedacht gewählt.

Gut ein Jahr hat ein kleines Team des Motorrad-Spezialisten gebraucht, um die Rambler zu konzipieren und auf die Räder zu stellen. "Das ist in Abstimmung mit BMW erfolgt", hält Schanz fest; der Münchner Hersteller hatte also ganz offensichtlich Interesse daran, dass sich Touratech an die Entwicklung einer leichten Zweizylinder-Enduro macht. Dafür stellte er den badischen Entwicklern auch verschiedene Fahrzeugteile zur Verfügung.

"Um die K199 entwickeln zu können, mussten wir erst einmal klären, was man zum genussvollen Fahren abseits des Asphalts wirklich braucht und was nicht", beschreibt Schanz die Entwicklungshistorie. Denn dass aus einer gut 240 Kilogramm wiegenden R 1200 GS nur dann ein rund einen Zentner leichteres Wander-Motorrad werden könnte, wenn man viele Teile weglässt, lag von Anfang an auf der Hand. Zielgewicht waren - vollgetankt! - 199 Kilogramm, "und das haben wir im Entwicklungscode auch so festgehalten", so Schanz. Die Zielvorgabe wurde schließlich erreicht, wenn auch mit teils großem Aufwand.

Aus Kostengründen entschloss man sich in Niedereschach, möglichst viele Originalteile zu verwenden. Deshalb weisen weder Motor noch Einarmschwinge Änderungen auf. Auch die Blinker, der Scheinwerfer, das Rücklicht und manch anderes kommen aus dem Teileregal der Bayern. Andere Komponenten wie das Federbein basieren auf Touratech-Standardware, waren also zumindest teilweise bereits existent. Doch vieles musste tatsächlich vollkommen neu angefertigt werden, und zwar von der Touratech-Tochterfirma TT-3D im bayrischen Murnau. Das gilt für die Airbox aus karbonfaserverstärktem Kunststoff oder den Alu-Tank mit einem Fassungsvermögen von 16,2 Litern, der mit dem Alu-Heckrahmen eine Einheit bildet, auf dem die Sitzbank direkt befestigt ist. Extra angefertigt wurden auch die gesamten Verkleidungsteile sowie der Unterfahrschutz und der Frontkotflügel, die extrem leichte Abgasanlage aus Titan und karbonfaserverstärktem Kunststoff oder die speziellen Excel-Speichenräder.

Jetzt ist BMW am Zug
Natürlich hat man auch sonst überall so viel Gewicht wie nur möglich eingespart: Beispiele sind die Lithium-Ionen-Batterie, der Magura-TX-Lenker mit leichten Radialpumpen für Kupplung und Bremse oder auch die Bremsanlage selbst. "Wir kamen zum Schluss, dass angesichts von gerade mal 200 Kilogramm eine Bremsscheibe im Vorderrad ausreicht", so Schanz. Das ABS hat man ganz bewusst an Bord gelassen, denn die Prototypen-Entwicklung sollte BMW beweisen, dass man in Niedereschach eine Basis geschaffen hat, die sich zur Industrialisierung eignet. "Wir selbst werden das Fahrzeug keinesfalls bauen", hielt Schanz fest. Entweder entschließe sich BMW dazu, auf Basis der Touratech-Entwicklung an die Industrialisierung des Konzepts zu gehen, "oder es bleibt bei den zwei hier zu sehenden Prototypen", bekräftigte Schanz in Spanien.

Dass die Rambler noch ein ganzes Stück vom Serienstand entfernt ist, weiß man bei Touratech: "Wir haben den Rahmen der R 1200 R aus Kostengründen nur geringfügig modifizieren können, aber eigentlich muss man ihn für ein Serien-Motorrad neu anfertigen." Auch die Verkabelung und einige andere Komponenten bedürfen im Rahmen der Industrialisierung noch einiger Zuwendung.

Ins BMW-Programm würde eine Rambler-GS vorzüglich passen: Die vor einigen Jahren ausgelaufene HP2 Enduro ist bislang ohne Nachfolgerin geblieben. Ihr trauern viele Leute nach. Touratech sieht in der Rambler ein beträchtliches Potenzial: "Es gibt viele, die ein geländegängiges Ausflugsmotorrad schätzen." Und wie war die BMW-Resonanz? "Gut, in München hat man unsere Arbeit mit großem Interesse zur Kenntnis genommen." Offensichtlich wartet man bei BMW nun, welche Reaktionen die Rambler-Präsentation in Medien und Foren zur Folge hat.

(SPX)

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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