Fr, 20. Juli 2018

Wahl international

02.10.2006 07:35

Lula verpasst Wiederwahl in Brasilien

Nicht nur in Österreich, auch in anderen Ländern raschelte es in den Urnen: Die rund 126 Millionen stimmberechtigten Brasilianer haben am Sonntag unter dem Eindruck zahlreicher Korruptionsaffären und des schlimmsten Flugzeugunglücks der Landesgeschichte ihre politische Führung neu bestimmt. In der Nacht auf Montag wurde klar: Amtsinhaber Lula da Silva hat die Wiederwahl zum Staatspräsidenten im ersten Urnengang überraschend verpasst.

Demnach gewann der Staats- und Regierungschef der sozialistischen Partei der Arbeiter (PT) die Wahlen zwar deutlich, die für die Wiederwahl nötige absolute Mehrheit ist jedoch unerreichbar.

Nach Auszählung von 98 Prozent aller Wahllokale hielt Lula bei 48,79 Prozent der gültigen Stimmen. In der zweiten Runde muss der 60-Jährige nun am 29. Oktober gegen seinen Rivalen Geraldo Alckmin von der Partei der Sozialdemokratie Brasiliens (PSDB) antreten. Der 53-Jährige kam laut Wahlbehörde auf 41,43 Prozent der Stimmen.

Hinter Alckmin folgten ohne Chancen die früheren PT-Mitglieder Heloisa Helena (Partei für Sozialismus und Freiheit, PSOL) mit 6,87 und Christovam Buarque (Demokratische Arbeits-Partei, PDT) mit 2,73 Prozent der Stimmen.

Korruptionsskandal schwächte Lula
Lula hatte sich bei seiner Stimmabgabe in einem Vorort von Sao Paulo überzeugt gezeigt, die Wahl in der ersten Runde für sich zu entscheiden. Alckmin hatte angekündigt, bei der Abstimmung werde sich Moral gegenüber Korruption durchsetzen. Alckmin bezog sich dabei auf den Korruptionsskandal von Lulas Arbeiterpartei. Unter anderem sollen Anhänger des Präsidenten Abgeordnete der Oppositionsparteien bestochen haben, um Gesetzesvorlagen klare Mehrheiten zu verschaffen.

Unterstützung genießt Lula vor allem bei der armen Bevölkerung. Gemäß seinem Slogan "Null Hunger" ließ er 45 Millionen armen Menschen monatlich umgerechnet 250 Millionen Euro zukommen. Zur Abstimmung aufgerufen waren am Sonntag 125 Millionen Wahlberechtigte. Die Wahllokale schlossen um 24.00 Uhr Mitteleuropäische Zeit.

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