Blutbad in College

Das ist der Amokläufer

Ausland
15.09.2006 11:57
Der Amokläufer von Montreal, Kanada, ist identifiziert: Kimveer Gil stürmte Mittwoch schwer bewaffnet die Cafeteria des Dawson-College und schoss wortlos 20 Menschen nieder, bis er von einem Polizisten erschossen wurde. Eines der Opfer des 25-Jährigen starb wenig später, die anderen sind verletzt.

Für die Bluttat des mit einem schwarzen Trenchcoat bekleideten, gepiercten Amokläufers gab es vorerst keine Erklärung, terroristische oder rassistische Motive schloss die Polizei aus. 

Auf einer Internet-Webseite veröffentlichte Kimveer Gil Fotos von sich selbst. Er posierte dort mit Waffen in der Hand und schrieb dazu: "Zorn und Hass brodeln in mir." Makaber auch eine Grabinschrift, die er für sich selbst vorschlug: "Lebte schnell, starb jung. Hinterließ eine verstümmelte Leiche"... Seine letzte Internet-Eintragung entstand nur wenige Stunden bevor Kimveer Gil aus seinen Computer-Phantasien blutigen Ernst machte. 

Er töte sich selbst
Entgegen früheren Angaben hat sich der Amokläufer doch selbst getötet. Der 25-Jährige hat sich während der Schießerei mit Polizisten sein Gewehr an den Kopf gesetzt und abgedrückt. Zuvor haben die Beamten ihm noch in den Arm geschossen. 

Wahllos um sich geschossen
Nach den ersten Schüssen am Mittwochmittag war an der Schule Panik ausgebrochen, viele Schüler waren weinend ins Freie gestürmt. Einige verbarrikadierten sich aus Angst in ihren Klassen. "Er kam in die Mensa und begann, einfach drauflos zu schießen. Wir duckten uns alle", sagte einer der Schüler dem Fernsehsender CNN. Die 17-jährige Andrea Leziy saß auf dem Boden vor ihrem Klassenzimmer als es los ging. "Ich dachte zuerst, dass ich verrückt bin, als ich die Schüsse hörte", sagte sie. Als sie aus dem Gebäude flüchtete, sah sie schockierende Szenen: "Ein Junge wand sich auf der Krankentrage in seinem Blut", berichtete die Schülerin.

Das Dawson-College in der Innenstadt der kanadischen Metropole wird von rund 10 000 Studierenden besucht. Die meisten von ihnen sind 16 bis 19 Jahre alt. Das College sei gewöhnlich "sehr ruhig, ein friedlicher Ort, keine Probleme, keine Messer oder so etwas", sagte der Psychologie-Lehrer Gary Clemence in Fernsehinterviews. Ähnliches berichteten die Lehrkräfte auch nach dem Massaker am Erfurter Gutenberg-Gymnasium, wo am 26. April 2002 ein ehemaliger Schüler 16 Menschen und sich selbst erschossen hatte. Zuvor war die Schule nie durch sonderlich grobe Gewalt aufgefallen.

Schulmassaker vor 17 Jahren
In Montréal fühlten sich viele Menschen bei den Fernsehbildern aus dem Dawson-College an das bisher folgenreichste Schulmassaker in ihrer Stadt vor fast 17 Jahren erinnert. Damals, im Dezemeber 1989, hatte ein Todesschütze an einer technischen Hochschule 14 Studentinnen erschossen und 13 weitere verletzt, bevor er sich selbst das Leben nahm.

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