31.08.2006 16:54 |

Flüchtlingsdrama

Mindestens 84 Menschen im Meer ertrunken

Bei der bislang schlimmsten Flüchtlingstragödie auf dem Seeweg zwischen Westafrika und den Kanarischen Inseln sind mindestens 84 Menschen ums Leben gekommen. Die illegalen Zuwanderer befanden sich in einem großen Holzboot, das am vergangenen Wochenende vor der Küste Mauretaniens gekentert war. Zunächst waren nur 16 Todesopfer entdeckt worden. Inzwischen seien aber insgesamt 84 Leichen an Land geschwemmt oder von Fischern im Atlantik entdeckt worden, teilten Hilfsorganisationen mit.

Nur 18 der Bootsflüchtlinge haben das Unglück überlebt.

Die Zahl der Toten könnte allerdings noch weit höher liegen. Die Geretteten berichteten, an Bord seien etwa 150 Menschen gewesen. Mindestens 48 Insassen werden demnach noch vermisst. Für sie besteht kaum noch Hoffnung.

Grausame Zustände auf Flüchtlingsboot
Der Holzkahn soll im Senegal gestartet sein. Auf der Überfahrt fiel der Motor aus. Dann seien ihnen Wasser und Nahrung ausgegangen, berichteten die Überlebenden. Einige der Insassen seien an Bord verdurstet. Schließlich sei das Boot gekentert, die übrigen Opfer seien ertrunken.

Seit Jahresbeginn sind damit mindestens rund 600 Afrikaner auf der Überfahrt auf die zu Spanien gehörenden Kanaren ums Leben gekommen. Hilfsorganisationen gehen sogar von bis zu 3.000 Toten aus.

Flüchtlingszustrom reißt nicht ab
Wie die Behörden am Donnerstag mitteilten, erreichten binnen 24 Stunden mehrere Boote mit über 300 Menschen die Kanaren und die Südküste des Landes. Unter ihnen seien auch 25 Kinder gewesen.

Der Europarat hat angesichts der wachsenden Zahl von Bootsflüchtlingen eine "solidarische Hilfe" der Europäer gefordert. Die Partnerstaaten sollten Aufnahmeländer wie Spanien, Italien und Malta mit humanitärer Hilfe unterstützen, sagte der Vorsitzende der parlamentarischen Versammlung des Europarates, René van der Linden, am Donnerstag in Straßburg.

Symbolbild