Mo, 17. Juni 2019
14.01.2016 18:37

Razzia bei Renault

Weiterer Autoriese im Visier der Behörden

Der französische Autoriese Renault hat am Donnerstag eine Razzia der französischen Behörden bestätigt, die dem Autohersteller den größten Kurssturz der Firmengeschichte eingebrockt hat. Zeitweise fielen die Aktien um fast ein Viertel auf 67 Euro. Damit büßte das Unternehmen innerhalb weniger Minuten rund 5 Mrd. Euro an Börsenwert ein. Umweltministerin Segolene Royal verkündete jedoch: "Es gibt keinen Betrug bei Renault."

Seit Mittag erholte sich die Aktie wieder leicht und hat am Donnerstag mit einem Minus von 10,28 Prozent, bei 77,75 Euro geschlossen. Renault habe akzeptiert, kommende Woche vor einer Kommission Lösungen vorzuschlagen.

Ermittler der Antibetrugs- und Wettbewerbsbehörde DGCCRF des Wirtschaftsministeriums haben an drei Standorten, darunter der Firmensitz in einem Vorort von Paris, Durchsuchungen durchgeführt, so Renault in einer Aussendung. Nach Angaben der französischen Gewerkschaft CGT sollen Ermittler "Computer mehrerer Direktoren" mitgenommen haben, unter anderem aus der für Motorentests zuständigen Abteilung. "Mehrere Mitarbeiter haben die Ermittler auf Computern der Direktoren arbeiten sehen", sagte CGT-Vertreter Florent Grimaldi dem Sender BFM TV.

Zuvor hatte ein Vertreter der CGT einen Bericht bestätigt, dass vergangene Woche Geschäftsräume von Renault durchsucht wurden. "Das Management hat zwar nicht bestätigt, dass es sich um die Stickoxid-Emissionen dreht. Betrachtet man aber die durchsuchten Geschäftsbereiche, könnte da ein Zusammenhang bestehen", sagte CTG-Vertreter Florent Grimaldi. Nach dem Volkswagen-Skandal hatte Renault angekündigt, 50 Millionen Euro zu investieren, um Diskrepanzen zwischen getesteten und realen Abgaswerten zu reduzieren.

Autobranche verunsichert und unter Druck
Volkswagen hatte mithilfe einer Software Abgastests bei Dieselfahrzeugen manipuliert. Seit dem Bekanntwerden des Skandals steht auch die Konkurrenz unter besonderer Beobachtung. Renault-Rivale Peugeot erklärte, nicht von Betrugsermittlern durchsucht worden zu sein. Die Ermittlungen bei Renault sorgten einstweilen in der gesamten Autobranche für Verunsicherung. Die Peugeot-Aktie verlor 5,2 Prozent, Volkswagen-Papiere notierten drei Prozent niedriger, BMW und Daimler büßten bis zu vier Prozent ein und Fiat Chrysler rutschten um 8,5 Prozent ab.

Letztere litten zusätzlich unter Berichten über eine Klage in den USA. Zwei Vertragshändler haben das Unternehmen in Chicago verklagt, wie das Branchenblatt "Automotive News" in der Nacht auf Donnerstag berichtete. Sie warfen dem italienisch-amerikanischen Autokonzern demnach vor, ihnen Geld geboten zu haben, um Absatzzahlen zu schönen. Dazu sollen angeblich unverkaufte Autos als verkauft gemeldet worden sein. Fiat Chrysler wurden am Donnerstag in Italien vom Handel ausgesetzt, nachdem die Aktien um etwas mehr als neun Prozent eingebrochen waren. In New York fiel sie vorbörslich um fast acht Prozent. Im US-Markt hat der Konzern seine Verkaufszahlen laut eigener Statistik 69 Monate in Folge gesteigert.

Renault-Motoren bei Mercedes "sauber"
Die bei Mercedes eingesetzten Diesel-Motoren von Renault enthalten nach Aussage von Daimler keine Software zur Abgasmanipulation. "Wir haben keinen Anlass, von unseren bisherigen Aussagen abzurücken: Wir setzen keine Defeat Devices ein", sagte ein Daimler-Sprecher am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. "Renault hat uns versichert, dies ebenfalls nicht zu tun." Mercedes nutzt in einigen Fahrzeugen Motoren von Renault.

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