08.06.2006 14:48 |

US-Armee-Skandal

Neue Massaker-Fotos aus Haditha aufgetaucht

Ein halbes Jahr nach einem mutmaßlichen Massaker amerikanischer Soldaten in der irakischen Stadt Haditha sind neue belastende Fotos aufgetaucht. Wie der US-Nachrichtensender CNN berichtete, wurden sie von Marineinfanteristen aufgenommen, die unmittelbar nach dem Tod von 24 irakischen Zivilisten am Tatort eintrafen und bei den "Aufräumarbeiten" halfen. Die 30 Fotos enthalten offenbar die Hinweise darauf, dass zumindest ein Teil der Männer, Frauen und Kinder aus nächster Nähe in ihren Häusern erschossen worden sind.

Die beschuldigten US-Marineinfanteristen hatten erklärt, dass die Iraker durch die Explosion einer am Straßenrand deponierten Bombe oder durch Querschläger bei einem folgenden Feuergefecht mit Rebellen getötet wurden.

Militär korrigiert frühere Erklärung nicht
Der Kommandeur der Marines, Michael Hagee, erklärte vor Journalisten, er habe die Fotos gesehen, wolle mit Blick auf die laufenden Untersuchungen aber keine Stellungnahme dazu abgeben. Er lehnte es auch ab, eine frühere offizielle Erklärung des Militärs zu korrigieren, derzufolge in Haditha 15 Zivilisten durch eine Bombe ums Leben gekommen seien. Man müsse erst alle Fakten prüfen, sagte ein Sprecher der Marineinfanterie ergänzend.

Fotos dürfen nicht veröffentlicht werden
Nach Angaben von CNN konnte ein Reporter des Senders Kopien der als grausig beschriebenen Bilder ansehen, sie dürfen jedoch nicht ausgestrahlt werden. Wie es weiter hieß, plant auch das Pentagon selbst keine Veröffentlichung, auch nicht nach Abschluss der Ermittlungen, weil dies antiamerikanische Reaktionen auslösen und damit eine "Bedrohung für die nationale Sicherheit" darstellen könne.

Grausame Bilder
Die Bilder zeigen dem Sender zufolge alle 24 Opfer, darunter eine Mutter mit ihrem Kind, deren Leichen zusammengesunken an einer Wand lägen. Eine andere Mutter liege tot neben ihrem ebenfalls erschossenen Kind im Bett. Mehrere der Opfer wiesen Kopfschusswunden auf, und alle hätten zivile Freizeitkleidung getragen.

Vertuschungsaktion wahrscheinlich
Militärermittler untersuchen derzeit, ob die Marineinfanteristen das wahre Geschehen vom 19. November vergangenen Jahres vertuschen wollten. Geklärt werden soll ferner, ob Vorgesetzte monatelang untätig blieben, obwohl es Hinweise auf eine Verschleierung gegeben habe.

Kommandanten waren über Haditha-Massaker informiert
Zum wiederholten Mal steht damit das US-amerikanische Militär im Irak wegen Massaker-Vorwürfen im Kreuzfeuer der Krititk. So hat etwa die "New York Times" berichtet, dass die Kommandanten der US-Marineinfanterie schon frühzeitig von den widersprüchlichen Berichten über das Massaker im irakischen Haditha gewusst hätten. Trotzdem hätten sie eine weitere Untersuchung seinerzeit nicht für nötig erachtet.

Symbolbild