Sa, 15. Dezember 2018

Solidaritätskonzert

04.10.2015 08:42

100.000 bei "Voices for Refugees" in Wien

Mehr als 100.000 Menschen sind am Samstag zum Solidaritätskonzert "Voices for Refugees" auf den Heldenplatz gekommen. Es gab musikalische Darbietungen und Reden. Bundespräsident Heinz Fischer appellierte: "Menschen in Not bauchen Zuwendung." Zum Abschluss rockten die Toten Hosen.

"Ihr habt als Erste so etwas in dieser Dimension auf die Beine gestellt", sagte "Hosen"-Sänger Campino. Und fügte hinzu: "Lasst euch diese bunte Stadt von diesem Karl Heinz Christian nicht wegnehmen." Die Band aus Düsseldorf brachte ein hauptsächlich politisch ausgerichtetes Programm mit Liedern wie "Willkommen in Deutschland", "Europa" und "Schrei nach Liebe" von den Ärzten. Tausende in die Höhe gehaltene leuchtende Handys gaben die Kulisse ab. "Dieses Bild soll um die Welt gehen", sagte Campino.

Erich Fenninger, Präsident des Veranstalters Volkshilfe, und Organisator Ewald Tatar hatten 150.000 Besucher verkündet. Laut Polizei waren über den Tag bis zu 120.000 Menschen anwesend. Jedenfalls war der Heldenplatz seit den Nachmittagsstunden, als maschek den bunten Reigen eröffneten, ständig sehr gut gefüllt.

Fischer: "Wende mich nicht ab"
"Ich sage es mit aller Deutlichkeit: Ich wende mich nicht von denen ab, die Sorgen und Ängste haben", sagte der Bundespräsident in seiner Rede. "Aber ich wende mich von denen ab, die aus der Not der Flüchtlinge ein Geschäft machen, sei es ein wirtschaftliches oder politisches." Das Staatsoberhaupt sagte, dass "alle Staaten der europäischen Gemeinschaft etwas beitragen" müssten. In dieselbe Kerbe schlug später Campino: Es sei ein europäisches Problem. "Man hat lange die Augen geschlossen und Länder, die schon lange Flüchtlinge aufgenommen haben, im Regen stehen gelassen."

Beim "Voices for Refugees" gab es neben Musik und Kabarett auch ruhige Momente, etwa den mit allen Mitwirkenden und dem Publikum "aufgeführte" Nummer-eins-Beitrag der Austro-Charts, "Schweigeminute (Traiskirchen)" von Raoul Haspel.

"Heißen wir Flüchtlinge willkommen"
Kritische Worte fand naturgemäß Konstantin Wecker, der das Publikum aufforderte: "Träumen wir weiter, seien wir subversiv, heißen wir alle Flüchtlinge willkommen." Conchita Wurst brachte stilvoll "Heroes" und "Put That Fire Out". "Wir versuchen, unsere Stimme für jene zu erheben, denen nicht oder zu wenig zugehört wird", sagte sie. Anja Plaschg alias Soap&Skin sang unter anderem ein Lied in syrischem und kurdischem Dialekt. Die Jungstars Tagträumer appellierten an das Publikum: "Glaubt an das Gute."

Zucchero interpretierte Giuseppe Verdis "Va pensiero" zusammen mit dem Kinderchor der Chorschule an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. "Ich habe Glück", sagte der Italo-Barde. "Ich kann das Leben führen, das ich mag. Und wenn man glücklich ist, sollte man jenen Menschen helfen, die dieses Glück nicht haben." Gerockt wurde heftig mit Kreisky und Bilderbuch, beide mit energischen Performances. Es blieb jedoch auch Platz für Weltmusik und intimere Lieder.

"Fällt das Asylrecht, fällt das Menschenrecht"
Volkshilfe-Direktor Fenninger warnte: "Wenn das Asylrecht fällt, fällt das Menschenrecht." Den Veranstaltungsort habe man nicht zufällig gewählt. Man werde es "nicht zulassen", dass sich die Fehler der Vergangenheit wiederholen. "Wenn Sie heute hier weggehen", sagte Caritas-Präsident Michael Landau, "nehmen Sie drei Dinge mit: Sie sind richtig viele, Sie alle zeigen Haltung, Sie können etwas verändern."

Die ergreifendsten Wortspenden kamen von Flüchtlingen. Ein Mädchen auf der Bühne berichtete etwa mit Tränen in den Augen: "Wir haben in Syrien kein Wasser und keinen Strom. Aber das ist nicht das Problem. Sondern viele Menschen sind tot." Sportler - von David Alaba bis Marcel Hirscher - und Prominente sowie Künstler schickten Videobotschaften. Der Eintritt war frei, es wurden Spenden gesammelt.

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