Fr, 17. August 2018

Drei kurze Kontakte

16.06.2015 16:29

"Philae" hat sich für 30 Sekunden erneut gemeldet

Der kleine Landeroboter "Philae" hat sich in der Nacht auf Montag ein bereits zweites Mal vom fernen Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko (kurz "Tschuri") gemeldet. Gegen 23.30 Uhr habe es drei kurze Kontakte von jeweils zehn Sekunden gegeben, sagte am Montag Paolo Ferri, Bereichsleiter des ESA-Satellitenbetriebs in Darmstadt.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) werte aus, ob "Philae" in dieser Zeit weitere Datenpakete über die Muttersonde "Rosetta" zur Erde geschickt habe, betonte Ferri. Nach sieben Monaten Funkstille hatte sich "Philae" am Samstag aus 300 Millionen Kilometern Entfernung zum ersten Mal vom Kometen "Tschuri" gemeldet. "Hello Earth! Can you hear me?" (Hallo Erde! Kannst du mich hören?) hieß es auf seinem Twitter-Profil plötzlich - nach sieben Monaten Stille.

Weltweit jubelten Forscher und Raumfahrt-Fans über die überraschende Nachricht. Von Fans weltweit kamen Grüße wie "Schön, dich wieder bei uns zu haben", "Buongiorno Philae" oder auch "Das Leben hat sich so einsam angefühlt ohne dich".

Vorerst wohl kein weiteres Lebenszeichen
In den nächsten Tagen wird sich Landeroboter "Philae" erst mal nicht wieder vom fernen Kometen "Tschuri" melden. "Wir rechnen nicht damit", sagte Manuela Braun vom DLR am Dienstag in Köln. Es werde wieder einen Kontakt geben. "Aber wann, das wissen wir jetzt nicht", sagte die Sprecherin.

Nach den ersten Kontakten werde das DLR mit der europäischen Raumfahrtagentur ESA über eine neue Flugbahn der Muttersonde "Rosetta" nachdenken, um eine bessere Verbindung zu schaffen. Für die anstehenden Experimente sind stabile und längere Verbindungen zum Landeroboter auf dem Brocken im All notwendig.

Im November auf dem Kometen gelandet
"Philae" war im November nach zehnjähriger Reise auf dem Kometen gelandet - allerdings ungeplant im Schatten. Er hatte noch einige Daten gesendet und war dann wegen Strommangels in eine Art Winterschlaf gefallen. Da "Tschuri" auf die Sonne zufliegt, erreichte in den vergangenen Wochen immer mehr ihrer Energie den Kometen - und hatte die Forscher auf ein Aufwachen "Philaes" hoffen lassen. Seit März hatte es Kontaktversuche gegeben.

Die Kontaktmöglichkeiten könnten nun noch etwas verbessert werden, sagte Ferri, und zwar über die Flugbahn der Raumsonde "Rosetta" und über die Ausrichtung. Aber die Wissenschaftler wollen demnach zunächst weitere Daten abwarten. "Dann treffen wir die Entscheidung, ob wir die Bahn von 'Rosetta' und die Ausrichtung ändern müssen", sagte der ESA-Chefpilot Ferri. Zurzeit richtet die ESA die Muttersonde "Rosetta" alle zwölf Stunden für zwei Stunden zum Landeroboter hin aus. Das sei die Zeit, in der der Orbiter Sichtkontakt zu "Philae" haben müsse.

Genauer Standort von "Philae" nicht bekannt
Die Forscher kennen den präzisen Standort von "Philae" nicht. Sie orten den kühlschrankgroßen Roboter über Radiosignale in einem ellipsenförmigen Areal von 100 Metern Länge und 30 Metern Breite. "Wir können den Standort noch nicht präzisieren, weil wir bisher keine optischen Bilder haben", sagte Ferri, der seit 15 Jahren an der Mission mitarbeitet.

Orientierungsprobleme durch Gas und Staub
Mit 200 Kilometern sei die Raumsonde dafür zu weit weg: "Wir müssen so weit weg bleiben. Die Aktivität des Kometen wächst und wächst. Er schickt uns eine Menge Gas und Staub", erklärte Ferri. In der Vergangenheit hatte "Rosetta" dadurch Orientierungsprobleme bekommen und war dann auf Distanz zu "Tschuri" gegangen. Wahrscheinlich werde "Rosetta" in den nächsten Wochen auf noch größere Distanz gehen, weil die Aktivität des Kometen mit der Annäherung an die Sonne weiter zunehme.

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