30.03.2006 10:08 |

Gerechte Strafe

Ex-Diktator Charles Taylor gefasst und ausgeliefert

Seine Rückkehr in Liberias Hauptstadt hat sich Charles Taylor sicher anders vorgestellt: Er wurde gefesselt nach Monrovia verfrachtet, um anschließend die Reise nach Sierra Lone fortzusetzen. Dort erwartet den grausamen Ex-Diktator ein UNO-Tribunal. Es wird sich wegen Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen verantworten müssen.

Nach seiner Festnahme in Nigeria ist der wegen Kriegsverbrechen gesuchte liberianische Ex- Präsident Charles Taylor in seine Heimat abgeschoben worden. Ein Flugzeug brachte den 58-Jährigen am Mittwoch in die liberianische Hauptstadt Monrovia. Von dort wurde er mit einem Hubschrauber nach Sierra Leone geflogen, wo das UN-gestützte Sondertribunal für Sierra Leone über ihn urteilen soll.

Taylor wurde, an den Händen gefesselt und mit einer schusssicheren Weste versehen, in eine Zelle gebracht, die von einem Dutzend mongolischer Blauhelm-Soldaten der Vereinten Nationen bewacht  wird. Unterdessen forderte US-Präsident Bush, dass Taylor der Prozess in den Niederlanden gemacht werden solle.

Wie Bush am Mittwoch mitteilte, habe die neu gewählte Präsidentin Liberias, Ellen Johnson-Sirleaf, in einem Telefongespräch ihre Sorge geäußert, dass Taylor die junge Demokratie in Liberia stören könnte. Für eine Überstellung in die Niederlande sei aber die Zustimmung des UN-Sicherheitsrates notwendig, sagte Bush. Er hoffe auf eine schnelle Zustimmung.

Taylor im letzten Moment gefasst
Vor seiner Festnahme - nach fast dreijährigem Exil in Nigeria - hatte Taylor noch versucht, außer Landes zu fliehen. Er wird sich in 17 Anklagepunkten wegen Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen verantworten müssen. Ihm wird vorgeworfen, als liberianischer Präsident (1997-2003) den Bürgerkrieg im eigenen Land geschürt und die für ihre Grausamkeiten berüchtigte Rebellenbewegung RUF im Nachbarland Sierra Leone unterstützt zu haben.

Der nigerianische Präsident Obasanjo, hat nach einem Treffen mit US-Präsident Bush in Washington die sofortige Auslieferung Taylors angeordnet. UN-Generalsekretär Annan reagierte "mit großer Erleichterung" auf die Festnahme.

Das UN-Tribunal sowie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatten gewarnt, eine Flucht Taylors könne die Stabilität in Westafrika erneut gefährden.

Der internationale Druck auf Nigeria, Taylor auszuliefern, hatte sich in der vergangenen Zeit verstärkt. Taylor lebte in einer Luxusvilla in der nigerianischen Stadt Calabar. Obasanjo hatte Taylor im August 2003 mit dem Exilangebot zur Abdankung überredet, damit der 14 Jahre währende Bürgerkrieg in Liberia beendet werden konnte.