Martinsumzüge

Lichterfest um einen gütigen Elitesoldaten

Kärnten
07.11.2026 20:01

Mutig im Kampf, gütig beim Teilen, zunächst geheimer Christ, dann Klostergründer: Der Heilige, der durch schnatternde Gänse zur Bischofswürde kam, dem in Kärnten viele Kirchen geweiht sind und den die Kinder gern feiern, hat bald seinen Gedenktag.

Ein spannender Filmstoff ist das Leben von Martin, der Offizier, Einsiedler, Bischof, Klostergründer und umtriebiger Europäer war. Legenden um ihn werden heute noch erzählt.

In Savaria – heute Szombathely in Ungarn – wird im Jahr 316 ein Bub geboren, der von seinem Vater, einem Offizier des römischen Reiches, dem Kriegsgott Mars geweiht wird. Martin dient ebenfalls im römischen Heer, lässt sich aber heimlich, gegen den Willen seiner Eltern, taufen. Gut 20 Jahre ist er als Elitesoldat unterwegs, mehr als 10.000 Kilometer legt er zu Fuß quer durch Europa zurück.

Vor einer gefährlichen Schlacht, so heißt es, wurde ein Sondersold ausbezahlt, aber Martin nahm das Geld nicht, denn er wollte nicht kämpfen. Der General warf ihm Angst vor, doch Martin sagte: Nein, ich stelle mich durch das Kreuz geschützt vor die Feinde!

Die berühmte Mantelgeschichte
Der heilige Martin wird meist dargestellt, wie er seinen Mantel mit einem Bettler teilt. Er wird den Umhang aber in Wirklichkeit wohl nicht mit dem Schwert zweigeteilt, sondern das Lodenfutter dem frierenden Bettler geschenkt und den weißen Oberstoff anbehalten haben, vermuten Forscher.

Ihm folgten Tausende
Später wurde Martin Priester, lebte zunächst als Einsiedler, gründete um 360 in Ligugé in der Nähe des französischen Poitiers das erste Kloster des Abendlandes. Schon zu Lebzeiten folgten ihm 2000 Mönche.

Martinsfest des Pfarrkindergartens Köttmannsdorf: Auch heuer ziehen die Kinder in vielen Pfarren ...
Martinsfest des Pfarrkindergartens Köttmannsdorf: Auch heuer ziehen die Kinder in vielen Pfarren mit selbst gebastelten Laternen umher und singen Lieder.(Bild: Pfarrkindergarten Köttmannsdorf/Kotmara vas)

Schnatternde Gänse standen am Anfang seiner Kür
Als ein neuer Bischof von Tours gesucht wurde, wollten die Gläubigen Martin wählen. Dabei soll sich die zweite große Legende zugetragen haben: Der bescheidene Martin versteckte sich im Stall, schnatternde Gänse verrieten ihn. Heute noch kommt am 11. November, dem Tag des Begräbnisses des Heiligen im Jahr 397, Gansl auf den Tisch.

Beliebter Heiliger in Kärnten
In Kärnten sind dem heiligen Martin 51 Kirchen geweiht, so beispielsweise Klagenfurt-St. Martin, Villach-St. Martin, St. Martin am Techelsberg, Ferlach oder St. Martin im Granitztal. Die älteste Martinskirche in der Diözese Gurk ist die Pfarrkirche in Gurnitz.

Der heilige Martin mit Bischofsstab, Mitra und Gans in der Pfarrkirche von Gurnitz, der ältesten ...
Der heilige Martin mit Bischofsstab, Mitra und Gans in der Pfarrkirche von Gurnitz, der ältesten Martinskirche der Diözese Gurk.(Bild: Christina Natascha Kogler)
Laternenumzüge
Mit Martinsspiel und Licht im Dunklen

Rund um den Martinstag finden in zahlreichen Kärntner Pfarren Martinsfeste und Laternenumzüge statt, bei denen Kinder mit selbst gebastelten Laternen durch die abendlichen Straßen ziehen und Martinslieder singen.

Die Klagenfurter Dompfarre lädt am Sonntag, 8. November (17 Uhr), zum Martinsfest mit anschließendem Laternenumzug in den Domgarten ein. Auch in der Klosterkirche St. Veit wird bereits am 8. 11. das Martinsfest samt Umzug gefeiert (17 Uhr). Bei der Kirche in Karnburg wird ebenfalls am Sonntag an den Heiligen gedacht (17 Uhr).

Von Martini bis Lichtmess

Die Bräuche im Weihnachtsfestkreis hat der Ethnologe Heimo Schinnerl über Jahrzehnte erforscht und zahllose Traditionen bis zu ihren Wurzeln zurückverfolgt, worüber „Krone“-Leser immer wieder auf der sonntäglichen „Volkskultur“-Doppelseite staunen konnten.

Mittlerweile hat er in Zusammenarbeit mit der „Kärntner Krone“ und dem Verlag Heyn ein Buch herausgebracht: „Zauber der Weihnacht – Von Lichterfesten, Raunächten und allerlei Bräuchen“.

Erschienen im Verlag Heyn, 128 Seiten; im Buchhandel um 19,90 Euro. Gedruckt wurde zudem eine eigene „Krone“- Edition – mit gleichem Inhalt, aber für „Krone“-Bonus-Card-Besitzer bald zum noch attraktiveren Preis in der Vorteilswelt! 

Der Martinsumzug der Klagenfurter Stadtpfarren durch die Innenstadt findet am Dienstag, 10. November, statt. Diese Martinsfeier beginnt um 16.30 Uhr beim Garten des Diözesanhauses in der Tarviser Straße 30  mit einem Martinsspiel. Der Umzug führt anschließend entlang des Lendkanals zur Pfarrkirche St. Martin, wo eine Agape den Abschluss bildet.

Die Klagenfurter Pfarre St. Jakob an der Straße lädt am 11. November ab 18 Uhr zum Fest mit Laternensegnung, Umzug und Agape an der Feuerschale.

Eine Andacht mit Laternenumzug steht bei der Pfarrkirche Obermillstatt am 11. 11. um 17 Uhr auf dem Programm, in Ettendorf um 16.30 Uhr. Soweit eine kleine Auswahl an Martinsfeiern in Kärnten.

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