Wenige Wochen vor der Pleite der Signa-Gruppe hat sich Milliardenpleitier René Benko offenbar intensiv mit dem Vermögen der Benko-Stiftungen beschäftigt. Brisante Dokumente zeigen seine Pläne für Millionen-Zuwendungen an die Familie und die Rückzahlung von Signa-Darlehen.
Er halte Benko „nach wie vor für einen vermögenden Mann, indirekt“. Sagte Hans Peter Haselsteiner, Signa-Investor und Hauptbelastungszeuge im Innsbrucker Betrugsprozess, der René Benko am Donnerstag – nicht rechtskräftig – eine Zusatzstrafe von zwei Jahren bescherte. Tatsächlich kümmerte sich der Finanzjongleur im Oktober 2023, etwa sechs Wochen vor dem Insolvenz-Tsunami in der Signa-Gruppe, um die Veranlagungen in den Benko-Stiftungen. Das geht aus Ermittlungsunterlagen hervor, die der „Krone“ vorliegen.
„Gold in festverzinsliche Staatsanleihen umschichten“
Die große Überraschung: Während der Immo-Spekulant bei der Signa auf hochriskante Investments setzte, sollten seine Stiftungen deutlich konservativer veranlagen. Vor allem die Ingbe-Stiftung in Vaduz, die als größter Vermögensbunker der Benkos gilt. Dort vermuten nicht nur Benko-Geschädigte wie Haselsteiner hunderte Millionen, auf die die Gläubiger bisher nicht zugreifen können. Auch die Ermittler versuchen, diese Bunker zu knacken.
So heißt es etwa in dem bei Benko beschlagnahmten Word-Dokument unter Punkt 1: „Gold in festverzinsliche Staatsanleihen umschichten.“ Punkt 2: „Verkauf der Häuser und Landmarkeinheiten Villa Eden Gardone (zwischenzeitliche Vermietung) – auch in festverzinsliche Staatsanleihen anlegen.“ Zudem machte sich der Tiroler offenbar Gedanken über die Zuwendungen der Ingbe-Stiftung an seine Kinder: Jeweils zehn Millionen Euro sollte es „bei Volljährigkeit“ geben, „für eigene Immobilie und Start ins Leben.“ Ab dann sollte jedes Kind aus dem Stiftungsvermögen auch eine jährliche Mindestausschüttung von einer Million Euro erhalten. Die Ehefrau sollte sich mit einer halben Million begnügen.
Keine Verlängerung der Darlehen
Etliche dieser Punkte finden sich auch in vorbereiteten Wunsch-Briefen („Letter of Wishes“) der Stifter René und Ingeborg Benko an die Stiftungsvorstände wieder. Ob diese auch unterfertigt und formal abgeschickt wurden, ist offen. Bekannt ist allerdings, dass die Ingbe-Stiftung am 11. März 2025 rund 360 Kilogramm Gold im Wert von 30 Millionen Euro verkauft hat.
Die Rettung seiner Signa sah René Benko im Oktober 2023 offenbar schon kritisch. In den bei ihm sichergestellten Dokumenten zur Ingbe heißt es jedenfalls: „Keine Verlängerung Darlehen Signa Prime Assets (100m plus Zinsen) und Signa Prime Selection AG (15m plus Zinsen).“ Nach der „Rückzahlung durch Signa Prime“ sollte das Geld „in konservativer Wertpapier-Strategie“ angelegt werden.
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