„Ich hätte nie gedacht, dass es mich betreffen könnte.“ Das hat mir schon vor Jahren, als ich zum ersten Mal über den „Equal Pay Day“ berichtet habe, eine junge Frau gesagt. Am 5. November war es wieder so weit: Seit diesem Tag arbeiten Frauen in Österreich statistisch gesehen gratis. Die Frau hatte herausgefunden, dass ihr Kollege Hunderte Euro mehr verdient – bei genau gleichen Qualifikationen und genau gleichen Aufgaben. Sie war Mitte 20, hatte gerade ihren Uni-Abschluss in Betriebswirtschaft gemacht und in einem großen Grazer Unternehmen begonnen. Sie war keine Feministin. Sie war Optimistin, stolz und euphorisch am Beginn ihrer Karriere, und schlug hart am Boden der Realität auf.
Solche Beispiele gibt es viele, zu viele, und das zeigen die Daten: Frauen verdienen in allen Altersgruppen, in allen Berufsgruppen, weniger als Männer. Das hat das gewerkschaftsnahe Momentum Institut analysiert. Besonders groß ist die Lücke übrigens bei Führungskräften. Da helfen auch keine Kollektivverträge, denn die ungleiche Bezahlung kommt durch undurchsichtige Boni und Prämien. Da hilft keine Vollzeitarbeit und keine Kinderlosigkeit.
Umso dramatischer ist, dass die Bundesregierung – wie viele andere EU-Staaten – die Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie vernachlässigt, obwohl Millionen an Strafzahlungen drohen und die Wirtschaft das Paket als „Bürokratiemonster“ verunglimpft. Ja, Transparenz kostet Geld und bedeutet Arbeit. Aber sie ist einer der wichtigsten Hebel, um gleiche Bezahlung für gleiche Leistung zu erreichen.
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