„Krone“-Protokoll

„Tatort“ Zürich: Kein Platz für unnötige Klischees

Unterhaltung
08.11.2026 12:00

In der neuen Episode „Frei wie ein Adler“ (20.15 Uhr, ORF 2) ermittelt das Züricher „Tatort“-Team zwischen Rockerbanden und inklusiven Menschen. Ein gelungener Spagat.

Vertauschte Rollen im Züricher Ermittlerinnenteam. Die sonst so kühle Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) zeigt plötzlich Zugänglichkeit und ihre für gewöhnlich legerer auftretende Kollegin Tessa Ott (Carol Schuler) zeigt kantige Konturen. Der Grund dafür? Mordermittlungen nach dem gewaltsamen Tod einer Wäschereibesitzerin führen das Duo in eine ihnen unbekannte Welt, die Grandjean das steinern geglaubte Herz öffnet. Einer der Hauptverdächtigen ist nämlich der mit Down-Syndrom lebende Jakob (Benjamin Raue), der die Schließung seiner Chefin nicht akzeptieren wollte und mit seinen aggressiven Schüben zu kämpfen hat.

Die Ermittlungen führen aber auch in die Rockerszene, wo der bärbeißige Simon (Ronald Zehrfeld) nach acht Jahren Gefängnis wegen Drogendelikten früher entlassen wurde. Er ist nicht nur der Ex-Mann der Verstorbenen, sondern will auch seine Tochter Nadja (Stella Alraun) erziehen – doch die ist nicht auffindbar. So muss er widerwillig mit der Polizei kooperieren und macht sich in einer ungewöhnlichen Konstellation nebenbei gemeinsam mit Jakob auf die Suche. Dabei kommen weitere Familiengeheimnisse ans Licht, die das bisher Geglaubte ins Wanken bringen – bis zum unvermeidlichen Showdown.

Nach Startschwierigkeiten knüpfen Jakob und Rocker Simon zarte Bande.
Nach Startschwierigkeiten knüpfen Jakob und Rocker Simon zarte Bande.(Bild: SRG SSR/Pascal Mora)

Nachdem die bisherige „Tatort“-Herbstsaison mit Highlights geizte, ist die Schweizer Episode „Frei wie ein Adler“ (20.15 Uhr, ORF 2) äußert gelungen, weil sie nicht nur geschickt Darsteller des Züricher Theaters Hora inklusiv in die Handlung einbaut, sondern auch nicht den Fehler begeht, sich zu stark in Richtung emotionale Tränendrüse zu begeben. Alle Beteiligten werden in derselben Art und Weise behandelt, wodurch der Fall niemals in käsige Betroffenheitsklischees abrutscht.

Dass die beiden Kommissarinnen auch einmal neue Seite an sich zeigen dürfen, täuscht aber so manches „zu viel“ im Handlungsbogen hinweg. Die Episode ist ein kleines Juwel.

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