Vom „Hitzesommer“ bis zum „Österreichaufschlag“, von „bodenlos“ bis zur „Lifestyle-Teilzeit“: Die Kandidaten für das Wort und Unwort des Jahres stehen fest. Auch ein Satz von Bundeskanzler Christian Stocker sorgt in der Vorauswahl für Gesprächsstoff. Jetzt ist die Bevölkerung am Zug.
Die Gesellschaft für Österreichisches Deutsch (GSÖD) hat am Donnerstag die Shortlists für das Wort, Unwort und Jugendwort des Jahres 2026 veröffentlicht. Auch der Spruch und der Unspruch des Jahres werden wieder gesucht. Bis zum 1. Dezember kann auf der Website oewort.at abgestimmt werden. Die Gewinner werden am 3. Dezember in Graz bekannt gegeben.
Vom Hitzesommer bis zum Schlapfenradius
Bei der Wahl zum Wort des Jahres stehen Begriffe zur Auswahl, die das Jahr 2026 geprägt haben. Darunter findet sich etwa der „Hitzesommer“. Auch „Hydration Break“ hat es auf die Liste geschafft. Der englische Ausdruck bezeichnet eine Trinkpause, etwa bei sportlichen oder körperlich anstrengenden Aktivitäten.
Ebenfalls nominiert ist der „Österreichaufschlag“. Gemeint sind Preisunterschiede bei identischen Markenprodukten, für die Konsumenten hierzulande deutlich mehr bezahlen müssen als beispielsweise in Deutschland.
Weniger wirtschaftlich, dafür umso alltagsnäher ist der „Schlapfenradius“. Er beschreibt jene kurze Entfernung, innerhalb derer wichtige Angebote bequem zu Fuß und sogar in Hausschuhen erreichbar sind. Auch die „Koralmbahn“ steht zur Wahl.
„Lifestyle-Teilzeit“ als Unwort-Kandidat
Politisch wird es bei der Suche nach dem Unwort des Jahres. Hier findet sich unter anderem der Begriff „Klimahysterie“. Das Schlagwort wird von politischen Klimawandelleugnern verwendet, um Sorgen über den Klimawandel und Klimaschutzmaßnahmen als übertrieben darzustellen.
Für Diskussionen sorgte auch Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) mit seiner Wortschöpfung „Lifestyle-Teilzeit“. Seine Aussage, wonach die „Lifestyle-Teilzeitwelle in ihrer aktuellen Dimension“ den Sozialstaat gefährde und die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit schwäche, löste eine heftige Debatte aus.
Ebenfalls auf der Liste steht „Remigration“. Der Begriff gilt als zentraler Kampfbegriff der Neuen Rechten und bezeichnet in diesem Zusammenhang die oft massenhafte und erzwungene Deportation von Menschen mit Migrationsgeschichte.
„Bodenlos“ und „dayummm“ bei der Jugend
Bei den Jugendlichen geht es sprachlich etwas lockerer zu. Das mögliche Jugendwort des Jahres reicht von „Du bist gut genug“ bis „dayummm“. Ersteres stammt aus einem Song, der sich im Frühjahr rasant in den sozialen Netzwerken verbreitete.
„Bodenlos“ steht für etwas besonders Schlechtes, Unfassbares oder Miserables. „Dayummm“ wiederum ist eine Abwandlung des englischen „damn“ und bedeutet so viel wie „krass“ oder „verdammt“.
Stocker-Zitat unter den Unsprüchen
Weniger umfangreich fällt die Vorauswahl bei den Sprüchen und Unsprüchen des Jahres aus. Hier stehen jeweils drei Zitate zur Abstimmung. Einer der Kandidaten für den Unspruch des Jahres stammt von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP). Seine Aussage „Also Kinderbetreuung ist für mich keine unbezahlte Arbeit, weil Kinderbetreuung für mich ... Ich würde das nicht als Arbeit sehen. Ich sag‘s ganz ehrlich“ hatte für heftige Kritik gesorgt. Später entschuldigte sich Stocker für seine Wortwahl.
Ebenfalls nominiert ist die Drohung eines ehemaligen Bergführers, der auf dem Weg zur Adlersruhe eine polnische Bergsteigergruppe überholen wollte und dabei verbal und körperlich übergriffig wurde. Seine Worte: „Ich bin Bergführer. Halt dein Maul sonst komm i rauf und gib dir eine!“
Abstimmen kann man noch bis zum 1. Dezember auf der Website der Gesellschaft für Österreichisches Deutsch. Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt am 3. Dezember in Graz.
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