„Warum versucht die Politik nicht, das ÖBB-Chaos zu stoppen?“, fragt ein verärgerter Pendler aus Niederösterreich. Über Zug-Verspätungen könnte er mittlerweile täglich berichten. Nur die FPÖ reagierte bisher auf die Verzweiflung der Pendler.
„Neue Woche, neuer Stress, neue Verspätungen“, beginnt Walter Krichbaumer aus Gänserndorf seine „Brandrede“ gegen die ÖBB. Selbst war er lange Gemeinderat und wundert sich deshalb, warum die Politik nicht stärker das Heft in die Hand nimmt. Krichbaumers Sohn pendelt jeden Tag auf der Nordbahnstrecke vom Weinviertel nach Wien. „Es gibt fast keinen Tag ohne irgendeine Verspätung“, sagt dieser. Nun wendet sich die Familie an die Medien.
Denn sein Sohn sei nicht der einzige Pendler, dem es so geht. Die „Krone“ hat sich am Bahnhof Meidling, von dem aus viele Züge Richtung Westen und Süden nach Niederösterreich führen, umgehört. „Obwohl ich selbst pünktlich bin, komme ich wegen verpassten Anschlüssen und verspäteten Zügen trotzdem zu spät in die Arbeit“, berichtet ein Herr, der jeden Tag nach St. Pölten pendelt.
„Alles nur Ausreden“
Was Walter Krichbaumer am meisten an den Verspätungen stört, sind „die Erklärungen der ÖBB“. Im Sommer sei es die Hitze, im Winter der Schnee und zwischendurch eine Oberleitungsstörung. „Für mich sind das schon die üblichen Ausreden“, meint sein Sohn.
Vergangenen Dienstag musste er wieder einmal lange auf den Zug warten, der nach Norden ins Weinviertel und dann weiter bis ins tschechische Breclav fährt. 55 Minuten Verspätung stand schließlich auf der Anzeige am Bahnhof. Die ÖBB betonen, dass auf der Strecke derzeit Bauarbeiten durchgeführt werden. „Da auf der Wiener Stammstrecke nicht so viele Reserven zur Verfügung standen, kommt es zu Ausfällen“, betont ÖBB-Sprecher Christopher Seif. Einmal habe sich zuletzt auch ein Unfall ereignet.
Insgesamt fließen bis 2030 rund 6,1 Milliarden Euro die Investition neuer und modernisierter Züge, möchten die ÖBB betonen. Allein für die Ostregion seien 109 neue Cityjet-Doppelstockzüge bestellt worden, die schrittweise für deutlich mehr Kapazität und Komfort sorgen sollten.
FPÖ fordert Verbesserungen
Niederösterreichs Verkehrslandesrat Udo Landbauer platzte jedenfalls vor wenigen Wochen der Kragen. Er schrieb den ÖBB einen offenen Brief. „Die Pendler stehen früh auf und bezahlen ihr Ticket. Dafür verdienen sie eine Bahn, die funktioniert!“, so der FPÖ-Politiker. ÖBB-Boss Andreas Matthä versprach Verbesserungen.
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