Ein brisantes Dokument aus den Niederlanden bringt den Linzer Stahlhändler European Staal in Erklärungsnot. Laut einem behördlichen Vermerk steht die Konzernmutter unter der Kontrolle von EU-sanktionierten Personen. Das Unternehmen spricht von einem Fehler und wittert eine „Medienkampagne“.
Die Anteile an der Konzernmutter des Linzer Stahlhändlers European Staal müssen laut einem neuen Vermerk im niederländischen Handelsregister eingefroren werden. Der Grund: Das Unternehmen gehört nach Ansicht der Prüfer EU-sanktionierten Personen oder Einrichtungen. Oder wird von ihnen kontrolliert. Oder kann diesen zugeordnet werden. Veranlasst hat den brisanten Eintrag das Bureau Toetsing Investeringen (BTI), eine Behörde des niederländischen Wirtschaftsministeriums.
Kaufpreis zehn Jahre gestundet
Dieser behördliche Vermerk widerspricht den fast schon gebetsmühlenartig vorgetragenen Versicherungen von European Staal Austria, sämtliche Verbindungen nach Russland restlos und endgültig gekappt zu haben. Vor dem Landesgericht Linz hatten Konzernvertreter vor Monaten jede Verbindung zu den früheren russischen Eigentümern bestritten. Erklärungsbedarf bestand allerdings bereits vor Gericht unter anderem deshalb, weil der russische Vorbesitzer dem neuen belgischen Eigentümer den Kaufpreis von 75 Millionen Euro für zehn Jahre gestundet hatte – zinsfrei. Über die Hintergründe der umstrittenen Übernahme hat die „Krone“ mehrfach berichtet.
Die niederländische Behörde bestätigte nun auf Anfrage von „Krone“ und „News“, dass European Staal Gegenstand einer Untersuchung gewesen sei. Weitere Angaben seien wegen eines laufenden Verfahrens jedoch nicht möglich.
Eigentümer spricht von Fehler
Der belgische Eigentümer spricht hingegen von einem Fehler und kündigt dessen Korrektur an. Er vermutet, dass die niederländischen Behörden allein aufgrund der Berichterstattung tätig geworden seien. Bis zum 10. November solle der Eintrag beseitigt werden.
Aus einer Auskunft des österreichischen Finanzministeriums ergibt sich allerdings, dass bereits seit geraumer Zeit durchaus intensive Ermittlungen stattgefunden haben: Demnach wurde die Eigentümerstruktur schon seit Anfang 2025 in Zusammenarbeit mit anderen Behörden untersucht. Die Prüfung sei inzwischen abgeschlossen.
Auch betreffend der österreichischen Gesellschaften habe es eine vollständige behördliche Prüfung gegeben. Die Ergebnisse unterliegen der Amtsverschwiegenheit, heißt es. Es seien jedenfalls „die gesetzlich vorgesehenen Maßnahmen“ gesetzt worden.
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