„Ich hätte nie gedacht, dass es mich betreffen könnte.“ Das hat mir schon vor mehreren Jahren, als ich zum ersten Mal über den Equal Pay Day berichtet habe, eine junge Frau gesagt. Sie hatte herausgefunden, dass ihr Kollege Hunderte Euro mehr verdient als sie. Er hatte die genau gleichen Qualifikationen und die genau gleichen Aufgaben. Er saß ihr gegenüber. Sie war Mitte 20, hatte gerade ihren Uni-Abschluss in Betriebswirtschaft gemacht und in einem großen Grazer Unternehmen begonnen. Sie war keine Feministin. Sie war Optimistin, stolz und euphorisch am Beginn ihrer Karriere, und schlug hart am Boden der Realität auf.
Solche Beispiele gibt es viele, zu viele, und das zeigen die Daten: Frauen verdienen in allen Altersgruppen, in allen Berufsgruppen, weniger als Männer. Das hat das gewerkschaftsnahe Momentum Institut analysiert. Besonders groß ist die Lücke übrigens bei Führungskräften. Mütter verdienen noch weniger als kinderlose Frauen und von jenen, die 25 Stunden im Handel arbeiten und 1237 Euro netto im Monat mit nach Hause nehmen, fange ich gar nicht erst an.
Umso dramatischer ist da, dass die Bundesregierung – wie viele andere EU-Staaten – die Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie sträflich vernachlässigt, obwohl Millionen an Strafzahlungen drohen und die Wirtschaft das Paket auch noch als „Bürokratiemonster“ verunglimpft.
Ja, Transparenz kostet Geld und bedeutet Arbeit. Aber sie ist einer der wichtigsten Hebel, um gleiche Bezahlung für gleiche Leistung zu erreichen. Wir müssen sie endlich umsetzen. Bis dahin: Fragen Sie doch einfach mal ihre Kollegen, wie viel sie verdienen.
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