Austropop-Sängerin

Caro Fux: „Mein Papa dachte ich dreh jetzt durch“

Adabei Österreich
31.10.2026 20:00

Vom Klassenzimmer auf die ausverkauften Konzertbühnen: Caro Fux hat in den vergangenen Jahren einen beeindruckenden Wandel hingelegt. Nach ihrer ausverkauften Tour sprach die Austropop-Sängerin mit der „Krone“ über ihren mutigen Neuanfang, die Zweifel ihrer Familie, ihre ganz persönliche Seite und ihre großen Pläne für 2027.

Mit zwei ausverkauften Konzerten im Wiener B72 beendete Caro Fux am Freitagabend ihre erste eigene Tour. Noch vor dem großen Finale nahm sich die steirische Sängerin Zeit für ein Gespräch mit uns und blickte auf ein Jahr zurück, das für sie kaum erfolgreicher hätte laufen können. Neben einem Amadeus und Gold für ihren Hit „Aff im Kopf“ durfte sie sich über volle Konzertsäle freuen. Doch hinter der energiegeladenen Musikerin steckt auch eine nachdenkliche Frau, die vor wenigen Jahren noch als Volksschullehrerin arbeitete und nach einem Burnout ihr Leben völlig umkrempelte.

„Krone“: Caro, du hast deine erste eigene Tour mit zwei ausverkauften Konzerten in Wien beendet. Hättest du dir vor einem Jahr vorstellen können, dass dir die Fans einmal so die Türen einrennen?
Caro Fux: Nein, das ist echt schräg (lacht). Ich kann es irgendwie noch gar nicht richtig realisieren. So eine Tour ist in der heutigen Zeit schon mutig, weil viele Künstler Probleme haben, Tickets zu verkaufen, obwohl sie vielleicht im Radio laufen oder viel gestreamt werden. Umso krasser ist es, dass es bei uns so gut funktioniert hat. Ich war so nervös, weil ich nicht gewusst habe, was passieren wird. Jetzt sprechen mich ständig Leute darauf an, wie gut alles gelaufen ist. Das ist echt geil und gibt mir unglaublich viel Energie!

Du hast heuer einen Amadeus gewonnen, für „Aff im Kopf“ Gold bekommen und zahlreiche Shows gespielt. Hast du diese ganzen Erfolge überhaupt schon verarbeitet?
Es ist eine komische Mischung. Einerseits fühlt sich alles ganz normal und logisch an, im selben Moment ist es aber total surreal. Den Amadeus habe ich mittlerweile schon ganz gut für mich eingeordnet, aber gefühlt ist alles, was seit dem Sommer passiert ist, noch gar nicht richtig bei mir abgespeichert. Ich habe das alles erlebt, aber noch nicht verarbeitet. Wenn ich mir Videos von der Tour anschaue, denke ich mir manchmal: Ich war tatsächlich dabei und habe das alles erlebt. Ich glaube, im Winter muss ich einmal ein bisschen zur Ruhe kommen (lacht).

Mit zwei ausverkauften Konzerten am 29. und 30. Oktober im Wiener B72 feierte die 33-Jährige ...
Mit zwei ausverkauften Konzerten am 29. und 30. Oktober im Wiener B72 feierte die 33-Jährige den Abschluss ihrer ersten eigenen Tour.(Bild: Alexander Tuma)

Vor einigen Jahren warst du noch Volksschullehrerin, bevor du nach einem Burnout einen völlig neuen Weg eingeschlagen hast. War das rückblickend eine gute Entscheidung?
Für mich war es wirklich die beste Entscheidung. Als ich damals gekündigt habe, war das kein leichter Schritt. Es hat ein paar Monate gedauert, bis ich mir eingestanden habe, dass das nicht mehr funktioniert. Und der Sprung in die Musikszene war schon heftig, weil ich vorher eigentlich nichts damit zu tun hatte. Ich habe zwar gesungen, war aber noch nie in dieser Bubble drinnen, aber irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass es der richtige Weg ist.

Wie hat deine Familie damals auf diesen Neuanfang reagiert?
Da gab es ganz viele Fragezeichen. Meine Mitmenschen und meine Familie haben sich gedacht: „Was macht die jetzt?“ Mein Papa hat einfach geglaubt, ich drehe jetzt durch, weil ich Musik mache. Aber es ist cool, dass ich heute sagen kann: Es hat geklappt! Es gibt Menschen, die meine Songs hören wollen und zu meinen Konzerten kommen.

Am Freitag ist auch deine neue Single „Stü“ erschienen. Nach deinen eher frechen und energiegeladenen Songs schlägst du damit plötzlich ganz ruhige Töne an. Was steckt dahinter?
Es ist eigentlich lustig. Ich bin natürlich mit „Aff im Kopf“ und Liedern bekannt geworden, die laut, wild und ein bisschen frech sind. Aber alle Menschen, die mich schon länger kennen, wissen, dass es auch eine ganz nachdenkliche und besinnliche Seite in mir gibt. Die kann ich meistens erst im Winter so richtig ausleben. Wenn alles ruhiger wird und es draußen schon um fünf Uhr finster ist, dann halte ich inne und besinne mich wieder auf die Dinge, die für mich wirklich wichtig sind. Genau das habe ich auch in diesem Lied verarbeitet.

Und was sind diese wichtigen Dinge für dich?
Vor allem meine Familie und meine Freunde. Zu Weihnachten komme ich immer heim zu meinen Eltern auf den Bauernhof. Dort sind meine Geschwister und meine Oma, und wir haben jedes Jahr die gleichen Rituale. Das ist einfach so wohltuend und tut mir unglaublich gut. Da komme ich wirklich runter. Ich mag diese stillen Momente, weil man dann merkt, was im Leben wirklich zählt. Ich glaube, es sind diese kleinen Augenblicke, die unser Leben ausmachen.

Wordrap mit Caro Fux

  • Mein Kopf sagt mir gerade ...
    Dass er trommeln will.
  • So richtig still werde ich, wenn ...
    Ich mit meiner Oma Eierlikör trinke.
  • Ohne das gehe ich niemals auf die Bühne ...
    Ohne mein Glücksarmband. Das habe ich von meiner Nichte bekommen.
  • Mein größtes Laster ist ...
    Aktuell Cola. Egal welche, Cola in jeder Form (lacht).
  • Mein schönster Moment 2026 war ...
    Ich muss drei nennen: Der Amadeus-Gewinn, als sie meinen Namen gesagt haben. Die Überreichung des Gold-Awards, von der ich vorher nichts gewusst habe. Und das Konzert in Knittelfeld vor 1000 Menschen.
  • Weihnachten ohne ... geht gar nicht!
    Ohne Eierlikör!
  • Das kann mich richtig auf die Palme bringen ...
    Lügen.
  • Wenn ich einen Tag lang unsichtbar wäre, würde ich ...
    In die Redaktion gehen und meine Songs alle auf Tagesrotation und Hot Rotation setzen.
  • So schaut mein perfekter freier Tag aus ...
    Ewig lange schlafen. So lange es geht! Musik hören, spazieren gehen, Sonne genießen und vielleicht noch Freunde treffen. 

Austropop erlebt gerade einen regelrechten Boom. Neben dir gibt es viele junge Künstler, die dem Genre einen frischen Anstrich verpassen. Warum glaubst du, ist diese Musik gerade jetzt wieder so gefragt?
Das kann ich gar nicht genau sagen. Ich glaube, dass sich Austropop ständig weiterentwickelt und wir als junge Generation ihn vielleicht ein bisschen anders gestalten. Grundsätzlich gibt es aber immer ein Publikum dafür. Vielleicht kommen gerade viele Menschen drauf, was für eine gute Musik wir eigentlich in Österreich haben (lacht). Ich höre selbst gerne internationale Künstler aus Amerika, England oder sonst woher. Aber es gibt auch bei uns so viele gute Sänger. Wir stehen internationalen Acts qualitativ um nichts nach, außer dass wir halt kleiner sind. Aber das ist ja wurscht (lacht)!

Du stehst mittlerweile regelmäßig vor Hunderten begeisterten Fans. Bist du vor deinen Auftritten eigentlich noch nervös? 
Gott sei Dank ist das mittlerweile viel besser geworden. Am Anfang war ich extrem nervös. Das war wirklich anstrengend, weil ich den ganzen Tag nichts anderes mehr machen konnte. Durch die vielen Shows wird man aber relaxter, bekommt mehr Routine und weiß ungefähr, was einen erwartet. Mittlerweile kommt das Lampenfieber meistens erst eine halbe Stunde vor der Show. Aber es ist ein positives Gefühl, das mich nicht mehr fertig macht. Ich glaube, es ist auch wichtig, dass man ein bisschen nervös ist. Ich denke mir dann einfach: „Okay, ich bin nervös, und jetzt muss ich rausgehen.“ Und dann geht‘s eh.

Wie fällt dein Fazit nach dieser ersten großen Tour aus? Ist alles nach Plan gelaufen oder gab es auch Pannen? 
Man muss wirklich sagen, und das ist echt arg: Es hat richtig gut funktioniert. Wir hatten keine technischen Probleme und haben nie etwas richtig versemmelt. Ich habe auch keinen einzigen Texthänger gehabt. Gar nichts! Diese Tour ist wirklich geflutscht (lacht).

In einem früheren Interview hast du einmal gesagt, die Musik sei derzeit dein Partner. Ist das nach wie vor so oder gibt es mittlerweile jemanden an deiner Seite der dich mitunterstützt?
Vielleicht gibt es ihn mittlerweile, ich sage aber nie was dazu (grinst). 

Wie geht es für dich nach diesem erfolgreichen Jahr weiter? Dürfen sich deine Fans auf ein Album freuen?
Nächstes Jahr wird tatsächlich das Albumjahr! Wenn alles so aufgeht, wie ich mir das vorstelle, kommt 2027 mein erstes Album. Live geht es natürlich auch weiter. Im Herbst spielen wir wieder eine Tour, diesmal teilweise schon in größeren Locations. Außerdem wollen wir ein bisschen mehr in Deutschland spielen. Meine erste Show in München steht an und im besten Fall kommen immer mehr Menschen zu meinen Konzerten. 

Und welche ganz persönlichen Wünsche stehen noch auf deiner Liste?
Ich würde gerne noch ein paar Amadeuse gewinnen, weil das so viel Spaß gemacht hat. Darauf hätte ich schon noch Bock. Aber der grundsätzliche Gedanke ist ja, dass ich mit meiner Musik etwas bewegen möchte. Ich mag meine Lieder und finde sie wichtig. Umso schöner ist es, dass Menschen sie hören und sich dadurch bestärkt, berührt oder gehalten fühlen. Das ist für mich der Grund, warum ich Musik mache. Und wenn ich damit noch mehr Menschen erreichen kann, ist das wunderschön.

Gibt es Künstler, mit denen du unbedingt bald einmal zusammenarbeiten möchtest? Oder eine Bühne, auf der du besonders gerne stehen würdest?
Ich würde auf jeden Fall gerne etwas mit Josh. machen. Vielleicht auch irgendwann mit der Folkshilfe (lacht). Das wäre so cool. Mein größter Wunsch ist einmal mit meiner Band auf der Donauinsel zu spielen und das am besten abends auf der Hauptbühne. 

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