Trotz Kälte strömten zum Saisonfinale noch einmal die Massen in den Kult-Gastgarten im Prater. Für viele Stammgäste ist der letzte Tag ein Fixtermin. Die Wirtsfamilie Kolarik zieht Bilanz: über Hitzetage, den Bierpreis, eine magerere Stelze und ein Geburtstagsgeschenk, das gleich weiterwanderte.
Herbstliche Temperaturen schreckten niemanden ab. Zum Abschluss waren die Tische noch einmal voll besetzt. Im Sommer lief es umgekehrt: Bei bis zu 40 Grad blieben mittags viele Besucher aus, erst am kühleren Abend wurde es eng. Selbst die Bäume litten, manche verloren früh ihre Blätter.
„Das Saisonende ist für Gäste und Mitarbeiter oft emotional“, erzählt Familie Kolarik. Pensionistin Ulli Fleischhacker (79) gesteht: „Am letzten Tag weine ich immer, das ist wie Familie.“ Andreas Kollinsky (64) kommt seit 40 Jahren, viermal pro Woche: „Etwas Vergleichbares gibt es nicht.“ Damit beim Ansturm alles glattläuft, ist seit rund 15 Jahren Sicherheitspersonal im Einsatz. Es behält die Besucherzahl im Blick und hält Fluchtwege frei.
Ich komme seit 40 Jahren. Der Bierpreis passt. Meine Grenze wären 6,50 Euro. Vergleichbares gibt es nicht. Das ist einzigartig.

Andreas Kollinsky (64), freiberuflich
Bild: Peter Tomschi
Großherziger Koch und eine eingeschworene Truppe
Wie familiär es zugeht, zeigt Küchenchef David. Seit 25 Jahren gehört er zum Team, zu seinem 50er sammelten die Kellner für ihn. Das Geld spendete er an den Lichtblickhof, der schwer kranke Kinder unterstützt. Der Betrieb verdoppelte die Summe.
Ich bin seit Jahrzehnten hier. Am letzten Tag muss ich aber immer weinen, das ist wie Familie. Ich esse gern das Grillhendl.

Ulli Fleischhacker (79), Pensionistin
Bild: Peter Tomschi
Bierpreis für kommendes Jahr noch offen
Großzügig zeigten sich die Wirtsleute auch beim Bier: Drei Jahre lang blieb der Preis unverändert. „Das war eine bewusste Geste gegenüber unseren Stammgästen“, so Hanni Kolarik. Ob er künftig steigt, ist offen. Einen Boom erlebt das Alkoholfreie, schon früh war die Menge des gesamten Vorjahres verkauft. Budweiser Budvar lässt es dafür zunächst voll vergären und filtert den Alkohol danach heraus.
Ich bin seit 30 Jahren da. Eigentlich trinke ich Wein, aber hier gibt es Bier. Das Closing ist ein Fixtermin – da bin ich nie auf Urlaub.

Barbara Pfarrkircher (48), Angestellte
Bild: Peter Tomschi
Am Teller fällt auf: Die Stelze ist heute weniger fett als früher. Dabei sorgt gerade das Fett für Geschmack, Saftigkeit und die knusprige Schwarte. Der Grund dürfte sein, dass Produktion und Kunden auf mageres Fleisch setzen.
Ich komme aus Oberösterreich. Wann immer ich in Wien bin, bin ich im Schweizerhaus. Egal, ob Hitze oder Trubel: Hier fühlt man sich wohl.

Gerfried Kusatz (49), Gießer
Bild: Peter Tomschi
Hinter den Kulissen beginnt jetzt der Großputz
Ruhe kehrt trotzdem nicht ein. In rund 14 Tagen müssen 1500 Gartenstühle und 200 Tische gereinigt, kontrolliert und eingelagert werden. Für den Tausch der großen Küchenlüftung wurde sogar ein Teil des Dachs geöffnet, ein Kran rückte an. Dazu kommt eine Photovoltaikanlage auf dem Küchendach. Für die Haustechnik gibt es ohnehin keine Winterpause. Hier arbeiten viele Hände, damit die Gäste im kommenden Jahr wieder auf ihr bewährtes Schweizerhaus bauen können
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