Betäubte seine Opfer
Berliner (69) vergewaltigte mindestens 22 Frauen
Erinnerungen an den Fall Pelicot: In Berlin ist ein Mann (69) wegen einer Serie von Vergewaltigungen vor Gericht gestanden. Er habe 14 Frauen in seiner Wohnung mit sedierenden Substanzen im Getränk betäubt, vergewaltigt und dabei gefilmt, teilte das Landgericht Berlin mit.
Der 69-Jährige soll „bewusst nach Opfern gesucht“ haben. Diese lernte er über Online-Dating-Plattformen kennen. In den Kontakten habe er sich dann charmant und romantisch gezeigt, hieß es. Die Frauen kamen laut eigenen Aussagen freiwillig mit in seine Wohnung. Dort bot er ihnen alkoholische Getränke an, denen er eine „sedierende Substanz“ untermischte. Als die Opfer schließlich nicht in der Lage waren, sich zu äußern oder zu wehren, habe er sie vergewaltigt, heißt es in der Anklage.
14 Betroffene sagten in dem Prozess aus. Bei einigen war ein komisches Gefühl zurückgeblieben. Teils klagten sie nach dem Besuch in der Wohnung über Übelkeit und Schwindel. Eine Erinnerung an sexuelle Handlungen hatten sie aber nicht. Der Elektriker soll auch Dutzende Frauen gefilmt haben. Die Opfer erfuhren erst im Zuge der Ermittlungen, was ihnen angetan wurde. Im aktuellen Verfahren ging es um die Übergriffe auf 14 Frauen zwischen 50 und 60 Jahren. Angeklagt waren insgesamt 22 Fälle. Wegen weiterer mutmaßlicher Taten zum Nachteil von 44 Frauen laufen noch Ermittlungen.
„Von sexuellen Gedanken gefangen“
Der gelernte Elektriker hat die Taten zu Prozessbeginn Anfang August gestanden. „Die Vergewaltigungen räume ich ein“, ließ er über seinen Verteidiger Jochen Schöfthaler ausrichten. Er sei „die ganze Zeit von seinen sexuellen Gedanken gefangen gewesen“, soll der Berliner außerdem gesagt haben – und dass er seine sexuellen Bedürfnisse nicht ohne Straftaten zu befriedigen gewesen seien. Nach Aktenlage ging er kontrolliert vor. Parallel zu den Taten habe er eine Beziehung geführt, die seine damalige Lebensgefährtin als einvernehmlich und normal beschrieb.
Ein psychiatrischer Gutachter stellte keine Anhaltspunkte für eine verminderte oder aufgehobene Steuerungsfähigkeit fest. Ins Visier der Ermittlerinnen und Ermittler geriet der Deutsche nach einem Hinweis der Polizei in Verden (Niedersachsen). Der Angeklagte soll dort der Chat-Partner eines Mannes gewesen sein, gegen den Anfang 2025 ermittelt wurde. Auch dieser soll eine Frau sexuell missbraucht haben. Der 69-Jährige soll sich in Chats unter anderem nach Möglichkeiten erkundigt haben, wie man Frauen betäuben kann, um sie zu vergewaltigen. Frauen seien dort als „Ware gehandelt worden“, sagte eine Ermittlerin.
In den Täter-Gruppen, in denen der Angeklagte unterwegs war, zeigte sich eine extreme Entmenschlichung. Frauen wurden als Ware gehandelt.
Eine Ermittlerin vor Gericht
Zwölf Jahre Haft und Sicherheitsverwahrung
Bei zwei Durchsuchungen in der Wohnung des Berliners wurden „sehr, sehr viele Datenträger“ sichergestellt. Eine Kamera war laut der Polizei fest im Schlafzimmer in Richtung Bett installiert. Die Beamtinnen und Beamten stießen auf penibel geführte Unterlagen zu den Aufnahmen, auf Schlafmittel, Spritzen und Kanülen.
Der Angeklagte wurde wegen der Vergewaltigung in 22 Fällen sowie der gefährlichen Körperverletzung und der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs (durch die Bildaufnahmen) zu zwölf Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Er sei weiterhin gefährlich für die Allgemeinheit, sagten die Richterinnen und Richter. Zudem muss er einigen Opfern Zehntausende Euro Schmerzengeld zahlen. Der 69-Jährige sitzt seit März in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hatte 13 Jahre Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung beantragt. Das Urteil ist bisher nicht rechtskräftig.
Die Taten erinnern an den weltweit bekannt gewordenen Fall der Französin Gisèle Pelicot, die von ihrem damaligen Ehemann über knapp zehn Jahre immer wieder mit Medikamenten betäubt, missbraucht und Dutzenden Fremden zur Vergewaltigung angeboten worden war.

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