Bis zu 2,8 Monatsgehälter oder 8400 Euro im Jahr bleiben Beschäftigten in Österreich weniger netto im Lohnsackerl als in den meisten anderen Ländern. Grund ist die besonders hohe Steuer- und Abgabenlast bei uns, ergibt ein Vergleich von Agenda Austria.
Dass heimischen Beschäftigten besonders wenig netto von ihrem Bruttobezug bleibt, spürt man jeden Monat am Konto. Dass das auch objektiv so ist, belegt der Vergleich von Agenda Austria nach Zahlen der OECD eindrucksvoll. Würde ein Durchschnittsverdiener z. B. Lohnsteuer und Sozialversicherung wie sein Kollege in Dänemark zahlen, dann blieben ihm umgerechnet satte 2,8 Monatsgehälter mehr im Jahr. „Selbst gegenüber Schweden beträgt der Netto-Unterschied 375 Euro pro Monat. Das sind 4500 Euro im Jahr oder wie ein 15. und ein halbes 16. Monatsgehalt mehr. Dabei sind Schweden und Dänemark nicht als Steuerparadiese mit schlechtem Sozialstaat bekannt“, analysiert Denes Kucsera von Agenda Austria.
Selbst in vergleichbaren Ländern wie Luxemburg oder der Schweiz verdient man netto rund 5500 Euro mehr pro Jahr. „Der Staat nimmt dort überall weniger weg. In Schweden etwa beträgt die Abgabenquote 41,5 Prozent, in Österreich 47 Prozent, also fast die Hälfte des Bruttobezuges.“
Gerechnet wurde dabei jeweils der durchschnittliche Monatslohn für einen alleinstehenden Vollzeit-Beschäftigten in jedem Land, inklusive Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Bei uns waren das im Vorjahr 4504 Euro. Berücksichtigt wurde auch, dass in manchen Ländern etwa teilweise für Krankheit und Pension selbst vorzusorgen ist.
Nur in drei Ländern bleibt weniger netto
Dennoch bleibt uns im internationalen Vergleich von 22 Staaten fast am wenigsten übrig. Gleichauf liegen Beschäftigte in Frankreich, nur in Deutschland (-1700 Euro), Niederlanden (-2300 Euro) und Belgien (-4300 Euro) sind die Abzüge noch höher.
Warum wir so schlecht abschneiden? „Schweden hat schon in der 1990er-Jahren die Pensionen stabilisiert, eine Ausgabenobergrenze eingeführt und so die Arbeit entlastet. In Österreich gibt es dazu nur kleine Schritte.“ So soll etwa der Beitrag zum Familienlastenfonds gesenkt werden, aber gegenfinanziert durch andere Steuern für die Betriebe. Zudem stieg die Lohnsteuer faktisch, weil wieder ein Drittel der „kalten Progression“ voll weitergegeben wird. Eine Gehaltserhöhung zu der Abgeltung der hohen Inflation fließt daher teilweise sofort an den Fiskus weiter.
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