Wehrdienstverweigerer
So rigoros geht Israel gegen Ultraorthodoxe vor
Der Streit um den Wehrdienst ultraorthodoxer Männer hat in Israel eine neue Stufe erreicht. In einer gezielten Aktion nahm die Militärpolizei am Dienstag Dutzende Deserteure fest.
Rund 40 streng religiöse jüdische Wehrdienstverweigerer sind nach Medienberichten nach ihrer Rückkehr nach Israel am Tel Aviver Flughafen festgenommen worden.
Festnahmen direkt am Flughafen
Der Armeesender meldete am Dienstag, die Massenfestnahme sei nach der Landung der Männer mit einem Flugzeug aus New York erfolgt. Die ultraorthodoxe Chabad-Bewegung, der sie angehörten, habe eine Reihe von Protesten angekündigt.
Die Zeitung „Times of Israel“ berichtete, der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu habe die Festnahme streng religiöser Wehrdienstverweigerer als „schädlich“ kritisiert. Der Vorsitzende der rechtskonservativen Likud-Partei ist bei der Parlamentswahl in einer Woche auf die Unterstützung der strengreligiösen Parteien angewiesen.
Militärpolizei bereitete Massenfestnahme vor
Der Armeesender berichtete, die Militärpolizei habe im Voraus Informationen darüber erhalten, dass sich die Männer an Bord eines Flugzeugs aus den USA nach Israel befanden, und entsprechende Vorbereitungen getroffen. Zusätzliche Einheiten der Militärpolizei seien zum Flughafen entsandt worden, um alle Männer festzunehmen. Nach ihrer Festnahme seien die Männer in einem Bus zu einem großen Rekrutierungszentrum bei Tel Aviv gebracht worden.
Militär oder Gefängnis
Dort solle jeder, der bereit sei, sich unverzüglich zum Militärdienst zu melden und eine Uniform anzuziehen, eine Bewährungsstrafe erhalten. Wer sich hingegen weigere, solle vor Gericht gestellt und in ein Militärgefängnis gebracht werden.
Armee warnt vor Massenprotesten
Die Armee habe die israelische Polizei vor möglichen Massenprotesten gewarnt und sie aufgefordert, entsprechende Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, berichtete der Sender weiter.
Personalmangel
Der Streit um die Wehrpflicht für streng religiöse Juden sorgt seit langem für heftige Spannungen in Israel. Die Armee dringt angesichts des anhaltenden Mangels an Kampfsoldaten auf deren Einberufung, während ultraorthodoxe Parteien eine Wehrpflicht für ihre Glaubensgemeinschaft ablehnen.

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