Fast zehn Tage lag die Leiche der 36-Jährigen im Weinkeller des Einfamilienhauses in Wilfersdorf (NÖ). „Ich war immer wieder bei ihr und hab‘ Puls gemessen“, sagt ihr Lebensgefährte – der sie am 5. Jänner 2026 mit einem Seil erdrosselt hat. Im Mordprozess spricht er von einem Wutausbruch; einem Totschlag.
„Wir haben es nie lange ohneeinander ausgehalten“, spricht der 48-Jährige über die Beziehung mit Joyce P. – geprägt von Alkohol, Suchgift, wechselseitigen Anzeigen und zahlreichen Polizeieinsätzen. „Wir waren in einer Abhängigkeit zueinander“, sagt der Niederösterreicher bei seinem Mordprozess im Landesgericht Korneuburg.
Angeklagter sieht sich als Ruhepol
Denn diese toxische Lebensgemeinschaft nahm am 5. Jänner im heruntergekommenen Einfamilienhaus in Wilfersdorf ein grausames Ende. Der arbeitslose Bürokaufmann versucht zu rechtfertigen: „Joyce war schon tagelang in einem Ausnahmezustand. Am Nachmittag hat sie angefangen meine Mutter zu schimpfen und meinen Sohn. Sie hat dann angefangen Sachen zu schmeißen.“
„Mir hat's die Sicherungen rausgehaut“
Nach einer Gassi-Runde mit dem Hund sei die Situation immer weiter eskaliert: „Ich wollte das Haus wieder verlassen. Sie hat gesagt, ich gehe nirgends hin.“ Im Schlafzimmer hätte sich der 48-Jährige dann eine Zigarette gedreht. „Ich hab‘ dann einen Stoß auf die Schulter gespürt.“ Die Frau sei mit einem Küchenmesser vor ihm gestanden: „Mir hat's die Sicherungen rausgehaut.“ Mit einem Manöver, das der Niederösterreicher als „Polizeigriff“ bezeichnet, brachte er die 36-Jährige zu Boden.
Das ist schrecklich. Mir graust es vor mir selber.
Angeklagter (48) in seinem Mordprozess
„Ich hab‘ komplett die Kontrolle verloren. Ich war in so einer Wut. Das hat sich alles aufgestaut und in diesem Moment entladen“, schildert der Angeklagte, wie er letztendlich ein Hanfseil nahm, das im Schlafzimmer eigentlich für Fesselspielchen diente. „Ich hab‘ das Seil genommen, es ihr um den Hals geschlungen, es an beiden Enden genommen und mit aller Kraft zugezogen.“ Bis Joyce nicht mehr atmete. „Sie war absolut chancenlos. Ich hab‘ sie dann in den Keller gebracht, weil ich den Anblick nicht mehr ertragen habe.“
Dort lag die Leiche der 36-Jährigen fast zehn Tage. „Ich war immer wieder bei ihr und hab‘ Puls gemessen“, meint ihr Lebensgefährte. Nachdem er die grausame Gewalttat übers Telefon einem Bekannten gebeichtet hatte, wurde er schließlich Mitte Jänner festgenommen. Vor den Geschworenen gesteht er: „Ich hätte 1000 Möglichkeiten gehabt, anders zu handeln. Aber ich hab's nicht gemacht.“
Laut seinem Verteidiger Sascha Flatz gebe es aber dennoch Diskussionsbedarf: „Handelt es sich hier um Mord oder einen Totschlag? Diese Wut über monatelange Erniedrigung ist ausgebrochen und er hat sie umgebracht. Das ist ein Lehrbuchbeispiel für einen Totschlag.“ Das würde den Strafrahmen auf fünf bis zehn Jahre verringern. Auf Mord steht bekanntlich bis zu lebenslange Haft. Die Geschworenen beraten.
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