Luftangriffe auf Kiew

US-Warnung blieb aus: Nur „schlechtes Wetter“?

Ausland
19.10.2026 11:59

Erneut hat Russland die Ukraine in der Nacht mit Raketenangriffen überzogen und erneut gab es keine Vorwarnung dafür, beklagt Präsident Wolodymyr Selenskyj. Kiew ist hier abhängig vom US-Frühwarnsystem SBIRS. Technisch bedingt kann der Alarm ausbleiben, manche glauben aber nicht an einen Zufall.

Mit 16 ballistischen Raketen griff Russland seinen Nachbarn in der Nacht auf Montag an. Die Ukraine rechtzeitig vor solchen Luftschlägen warnen können nur die USA, die mit ihrem hochmodernen Space-Based Infrared System (SBIRS, weltraumgestütztes Infrarotsystem) die russischen Abschussbasen überwachen. Wie auch bei den Raketenschlägen auf Kiew vergangene Woche blieb auch diesmal die Warnung aus, erklärte Selenskyj.

Die ukrainische Luftwaffe präzisierte: Vor der ersten Angriffswelle gegen 23 Uhr gab es keine Warnung, wohl aber bei der zweiten Welle um 3 Uhr früh am Dienstag. Den Menschen blieben dabei aber nur Minuten, um sich in Sicherheit zu bringen, betonte Luftwaffen-Sprecher Yurii Ihnat im nationalen Fernsehen.

„Die haben wieder etwas vor“
Warum die Warnung ausblieb, bleibt vorerst unklar. Ukrainischen Angaben kann es bei dem Satellitensystem zu Verzögerungen in der Übertragung kommen. Auch schlechtes Wetter kann zu Störungen führen. Das halte er aber für unwahrscheinlich, erklärte ein anonymer ukrainischer Beamter gegenüber dem „Kyiv Independent“. „Die ‘Warnung‘ vor einer ballistischen Bedrohung ging erst ein, nachdem der Angriff bereits stattgefunden hatte“, sagte er. „Die haben wieder etwas vor.“ So etwas sei noch nie zuvor passiert, „aber jetzt haben wir zum dritten Mal in Folge ‘schlechtes Wetter‘“, so der Beamte.

Ein ukrainischer Soldat inspiziert den Einschagskrater einer Rakete in Kiew.
Ein ukrainischer Soldat inspiziert den Einschagskrater einer Rakete in Kiew.(Bild: AP/Efrem Lukatsky)

Daten zurückgehalten?
Der unausgesprochene Verdacht: Auf Anweisung von US-Präsident Donald Trump wurden die Daten des Frühwarnsystems nicht weitergegeben. Unbewiesen, aber nicht unbegründet: Weil Selenskyj nicht auf die Forderungen Russlands, die einer Kapitulation gleichkommen, eingehen will, gibt Trump ihm die Schuld am andauernden Krieg. Aufgrund der Drohnenangriffe auf russische Raffinerien macht er Selenskyj auch verantwortlich für hohe Treibstoffpreise. Bereits zuvor drohten die USA, Geheimdienstinformationen zurückzuhalten, sollten die Angriffe auf russische Raffinerien nicht aufhören, berichtet der „Kyiv Independent“ unter Berufung auf Insider. 

Erst am Montag hatte der ukrainische Präsident in einem NBC-Interview erklärt, dass die USA wieder Aufklärungsdaten ihrer Geheimdienste lieferten. Dafür sei man „dankbar“, so Selenskyj. Auch EU und NATO versicherten, dass Washington nach wie vor Informationen weitergebe.

Junge Frau in Kiew getötet
Bei den nächtlichen Raketenangriffen auf Kiew wurde eine 21 Jahre alte Frau getötet. Sie kam ums Leben, als eine U-Bahnstation am linken Flussufer getroffen wurde, so Bürgermeister Vitali Klitschko. Drei weitere Menschen seien verletzt worden.

Laut Selenskyj schickte Russland neben Raketen auch mehr als 200 unbemannte Flugfahrzeuge – darunter auch strahlengetriebene Shahed-Drohnen – gegen die Ukraine los. Dabei wurden mehr als zehn Energieanlagen beschädigt, mindestens 550.000 Haushalte waren deswegen ohne Strom. 

Moskau: Militärische Ziele im Visier
Das russische Verteidigungsministerium bestätigte einen schweren Angriff auf Ziele in Kiew und in der Umgebung, behauptete aber, die Attacken hätten sich gegen militärisch-industrielle Anlagen, Lagerstätten für Marschflugkörper und Drohnen sowie Rechenzentren gerichtet.

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