Vier Jahre nach dem durchschlagenden Erfolg ihres gemeinsamen Debütalbums „Life Is Laff“ veröffentlichen Austrofred und Kurt Razelli den nicht minder famosen Nachfolger „Sanfte Krieger“. Darauf zeigt sich das geniale Pop-Duo theatralischer, regionaler und gleichzeitig weltoffener. Der „Krone“ verraten sie, wo man am besten in der Westbahn sitzt, wieso Österreicher das Wort „lecker“ hassen und warum es ein Weihnachtslied gebraucht hat.
Nach dem Erfolg des gemeinsamen Debütalbums „Life Is Laff“ konnte man mit einer Fortsetzung rechnen, knapp vier Jahre später ist es endlich so weit und die kongeniale Kooperation von Austrofred und Kurt Razelli geht auch für die Hörer in die zweite Runde. „Sanfte Krieger“ nennt sich das gleichermaßen liebevolle wie humoristische Werk der beiden, auf dem sich wieder unterschiedlichste Themenbereiche, mal aktuell, mal weniger aktuell, tummeln und die österreichische Volksseele wie nirgendwo anders ungeschönt in den Mittelpunkt gesetzt wird. „Die Entstehungsweise des Albums ist relativ einfach erklärt“, erzählt Austrofred im gemeinsamen Gespräch mit der „Krone“, „Kurt hat über die letzten Jahre immer wieder an Liedern geschraubt und ich habe Texte dazu geschrieben. Jetzt gibt es eben zwei Alben mit 24 Liedern statt eines Albums mit zwölf Liedern. Beide Alben sind aber in sich abgeschlossene Projekte und wir gehen weiterhin ganz zwanglos an die Dinge heran.“
Mehr Musical und Theatralik
YouTube-Mash-Up-Künstler Razelli mit der markanten Schwarzenegger-Maske arbeitet auch regelmäßig mit Exzentriker Philipp Hochmair zusammen und experimentierte mit dem esoterisch angehauchten Ex-Politiker Matthias Strolz. Austrofred schreibt immer wieder Bücher, huldigt seinem Idol Freddie Mercury oder verkörperte unlängst zum 200. Geburtstag den kultigen Komponisten Anton Bruckner. Gar nicht so leicht, bei all diesen vielen Projekten genug Raum für ein gemeinsames Album und ein paar herzhafte Live-Konzerte zu finden. Eine Besonderheit an der Kollaboration der beiden ist, dass es zwar ein gelebter Kompromiss ist, sich aber niemand zurückstellen muss, weil die Sparten Musik und Text personell getrennt sind. Apropos Sound – die Klanglandschaft von Razelli geht dieses Mal deutlicher in die Offensive. Im Direktvergleich zum Debütalbum wirken die Songs opulenter, dramatischer und theatralischer. „Viel Musical“, lacht Austrofred, „fast wie bei ,Der König der Löwen‘.“
Den Titel „Sanfte Krieger“ kann man den beiden Künstlern selbst attestieren. Austrofred fühlt sich dabei an früher erinnert. „Im Kindergarten haben wir immer Banden gebildet und ich habe eine Friedensbande gegründet. Krieg steht immer fürs Kämpfen, aber man kann auch für gute Dinge im Leben kämpfen. Das behagt uns wesentlich mehr.“ Die Inhalte auf dem Album spiegeln im besten Sinne die österreichische Volksseele wider. So steht die Single „Eisenstaung“ stellvertretend für die stumpfe Stupidität des Schlagertechnos in den Landkinos. Auch das Wiederaufkommen der Lederhosen wird thematisiert. Als österreichischer Freddie Mercury wäre eine „Krachlederne“ auf dem Körper Austrofreds ein Ding der Unmöglichkeit. „Ich zwar privat am Münchner Oktoberfest, aber das geht für mich nicht zusammen. Freddie hat zwar ein paar Jahre seines Lebens in München verbracht, aber es gibt von ihm trotzdem kein Foto mit einer bayrischen Lederhose – wohl aus gutem Grund.“
Eine Ode an die Westbahnstrecke
Auch der auf dem Debütalbum gefeierten, inoffiziellen oberösterreichischen Landeshymne „VÖEST“ hat man einen Quasi-Nachfolger zur Seite gestellt – in „Westbahn“, bitte als Zug für den westlichen Bereich Österreichs zu verstehen und nicht als die Marke, besingt Austrofred die Erfahrungen auf ebenjener Strecke und gibt stiefmütterliche behandelten Zwischenstationen wie St. Valentin endlich den Ruhm, den sie verdienen. Werden da etwa auch inoffizielle Wahrheiten ausgesprochen, indem Wels als hässlichste Stadt Österreichs benannt wird? „Finde ich gar nicht“, relativiert der Barde und setzt gleich mit einem anderen Kandidaten nach, „auch St. Pölten hat sich richtiggehend gemausert. Im Ruhrpott in Deutschland gibt es Städte, da schaut es wirklich schlimm aus. Wels war früher eine Einkaufsstadt, jetzt ist ein wenig der Fokus verloren gegangen.“
Als reisende Künstler wissen die beiden auch um die besten Möglichkeiten in Fortbewegungsmitteln Bescheid. Austrofred schreibt einen Großteil seiner Bücher bei Zugfahrten zwischen München und Wien. „Wenn ich mit der Westbahn direkt fahre, sitze ich meist beim Speisewagen, die haben einen recht guten Kakao im Automaten. Waggon 13 macht auch Sinn, weil die Reservierungen meist woanders sind. Beim Railjet der ÖBB hingegen ist der Speisewagen immer bummvoll, da sitzt man lieber hinten am Gang. Wenn man viel mit dem Zug fährt, lernt man viel dazu.“ Während Austrofred als Sänger meist nur ein Mikrofon transportiert, hat Musiker Razelli viel Equipment zu verstauen – ergo fährt er mit dem Auto herum. Die österreichische Band Euroteuro hat mit „Autogrill“ sogar eine Hymne dafür verfasst. „Die Raststation in St. Pölten ist toll“, so Razelli, „da gibt es einen McDonald’s, einen Subway und eine gute Pizza. In der Steiermark habe ich irgendwo mal eine angefahren, wo ein Warnschild vor Schlangen warnte. Ich habe kurze meine Füße ausgeschüttelt und bekam es mit der Angst zu tun.“
Keine Reue wegen früher
Weitere Highlights in der Realitätsbeschau des findigen Duos? In „Der Hallo ist tot“ persifliert man die Hassbeziehung der Österreicher zu deutschen Wörtern wie lecker. „Ein Friend ging nach America“ hat das Peter-Rosegger-Gedicht „Musyl & Joseppa“ zur Unterlage und schwingt sich zu einer großen Lebenshymne auf, „Sorry“ ist eine teil-fiktive Entschuldigung dafür, wie man früher einmal war. Gibt es da eigentlich viel zu bereuen? „In meinem Fall nicht“, lacht Razelli, „und wenn, ist es bereits verjährt. Wir haben halt viel gesoffen, uns damals oft richtiggehend zerstört. Das macht die Jugend von heute nicht mehr so, aber das war schon okay.“ Als Chorknaben würde sich auch Austrofred nicht klassifizieren. „Ich war eher ein Nerd. Als ich in Linz in der Schule im Internat war, ging mein Weg an sieben Plattengeschäften vorbei. Ich habe da ständig Geld liegengelassen, das war eine wunderschöne Zeit.“ Der Track „Arschloch Wins“ geht unmissverständlich gegen Menschen wie René Benko, die auf den Rücken einfacher Menschen Millionen scheffeln und gewissenlos ins Kriminal gehen. „Der Song ist überspitzt, aber eine gewisse Form des Kulturpessimismus kann man uns da nicht absprechen.“
Die große Überraschung am Ende – ein astreines Weihnachtslied. Mit „Lametta“ wollen die beiden gerne das österreichische Pendant zu Whams Klassiker „Last Christmas“ erschaffen. „Die Idee hatte Fred“, schmunzelt Razelli, „mir hat die Idee aber sofort gefallen. Ich muss dazu auch ehrlich sagen, dass ich noch nie zuvor ein Weihnachtslied komponiert habe, aber dann dachte ich an die Klassiker, an Weihnachtsglocken und allerlei Zeugs und es hat wirklich großen Spaß gemacht, daran zu basteln.“ Früher war eben nicht immer mehr Lametta, wie der Volksmund so schön sagt. Austrofred deklariert sich als dezidierter Weihnachtslied-Fan. „Besonders angetan hat es mir die Weihnachtsplatte des legendären italienischen Liedermachers Fabrizio de André, aber auch Elvis Presley und die Beach Boys haben fantastische Sachen gemacht.“ Kurt Razelli ist dahingehend nicht so firm und freut sich über anderes. „Am liebsten mag ich den Sound des Kinderkarussells bei Weihnachtsmärkten.“ So oder so – in gut wie Monaten ist es ohnehin wieder so weit.
Live-Konzerte in Österreich
Davor spielen Austrofred und Kurt Razelli mit ihrem Album „Sanfte Krieger“ aber ein paar ausgewählte Live-Konzerte. Am 20. November im Röda in Steyr, am 24. November im Wiener WUK, am 14. Jänner dann im Linzer Posthof und am 16. Jänner im Orpheum in Graz. Unter www.oeticket.com gibt es alle Informationen zum Kartenkaufe und weiteren Details.
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