Im „Krone“-Gespräch

Anda Morts: Profunder Beobachter des Alltags

Musik
17.10.2026 07:00

Nur ein Jahr nach dem Debütalbum „ANS“ veröffentlichen Anda Morts den nicht minder gelungenen Nachfolger „Hektomatik“. Was das alles mit Sven Regener zu tun hat, warum Frontmann Andreas Schneider beim Texten so viel Druck verspürt und wieso er eine schwere Krankheit überstehen musste, erzählt er uns im „Krone“-Gespräch.

kmm

Das schwedische Automodell Saab 900 gilt in Indie- und Slacker-Musikerkreisen als Kultvehikel und hat sich mittlerweile auch erfolgreich in der heimischen Punk-Szene eingenistet. Anda Morts-Frontmann und Bandchef Andreas Schneider hat sich dieses Jahr ein gebrauchtes Modell via „Willhaben“ gegönnt und dafür mit 28 Jahren sogar den Führerschein gemacht. „Den Führerschein habe ich gemacht, weil ich unbedingt dieses Auto wollte und nicht umgekehrt“, lacht er im „Krone“-Gespräch. Reich wird man mit hemdsärmeligem Punkrock auch weiterhin nicht, aber die letzten drei Jahre voller Touren samt des erfolgreichen Debütalbums „ANS“ aus dem Jahr 2025 haben sich auch monetär etwas niedergeschlagen. Ausverkaufte Konzertsäle in Österreich und Deutschland, viel Lob für die Musik und eine über das Berufliche hinausgehende Freundschaft mit Element Of Crime-Frontmann Sven Regener sind Teil der jüngeren Karrierebilanz.

Beim Meister der Worte
Das fleißige Arbeitsethos hat die dreiköpfige Band trotz der vielen Termine weitergezogen, so erscheint schon ein gutes Jahr nach dem Debüt der Nachfolger „Hektomatik“ und lässt nichts von den gewohnten Stärken vermissen oder klingt überhastet. „Das Album entstand in drei Sessions und wir haben schon einmal im Oktober 2025 aufgenommen, da entstand das Lied ,Der Fluss ist schwarz‘. Dann waren wir bei Regener in Berlin und ich habe dort drei Tage wie wild geschrieben und aufgenommen. Während die anderen Burschen Pizza essen waren, lag ich in der Badewanne und schrieb Texte.“ Das Projekt Anda Morts hat sich mittlerweile noch mehr in Richtung Band entwickelt, kann aber auch nur aus Schneider bestehen. Eine nicht näher definierte Unklarheit, die dem Künstler gefällt, weil sie ihm die Freiheit beschert, die er auch als Komponist und Mensch schätzt. Fühlt man sich eigentlich unter Druck gesetzt, wenn man mit Regener arbeitet? „Er ist ein Meister der Worte, die Texte waren mir schon wichtig. Und jetzt bin ich glücklich damit, weil sie mir gut gelungen sind.“

Trotz aufsteigender Karrierekurve lässt sich Andreas Schneider nicht aus der Ruhe bringen
Trotz aufsteigender Karrierekurve lässt sich Andreas Schneider nicht aus der Ruhe bringen(Bild: Mario Urbantschitsch)

Auch die Arbeit am zweiten Album brachte Überraschungsmomente mit sich. „Ich habe mir nicht gedacht, dass ich so schnell Lieder schreiben kann, die nicht scheiße sind“, lacht er, „vor allem hatte ich in Berlin keine so entspannte Zeit, weil ich mich selbst unter Druck gesetzt habe. Eigentlich wollten wir nur eine EP machen, aber Regener hat gefragt, warum wir nicht gleich ein Album schreiben. Und wenn jemand, der sich mit Musik schon so lange beschäftigt, so etwas sagt, dann vertraue ich ihm auch, dass es passt.“ Schneider ist wie kein Zweiter ein profunder Beobachter des Alltags und von Themen, mit denen sich so gut wie alle identifizieren können. „Halbes Jahr“ etwa spricht die Zeit beim Bundesheer an, wo junge Männer gegen ihren Willen aus ihrem Alltag und damit auch aus ihren Beziehungen gerissen werden, „Endlich Zeit“ handelt von einer Oma, die nach dem Tod ihres patriarchalen Mannes neu auflebt und „Scheiß Vermieter“ ist in jeder Hinsicht selbsterklärend. Was sich durch so gut wie alle Lieder zieht: das Thema Freiheit.

Hommage an die Gegangenen
„Es ist immer interessant, wie die Lieder von außen gesehen werden. Es hat jedenfalls nichts mit diesem klischeehaften 70er-Jahre-Freiheitsdenken zu tun, das ist mir zu abstrakt. In unserer Zeit heute geht es eher darum, jene Rechte zu verteidigen, die damals erkämpft wurden, wobei da noch lange nicht alles perfekt ist. Wir sind schon weit gekommen, aber so viele Penner haben die Absicht, uns das kaputt zu machen. Ich verwende jetzt einfach das Wort Penner für all jene, die da gemeint sind.“ Das bereits angesprochene „Der Fluss ist schwarz“ handelt von der Endlichkeit. „Es war Herbst 2025 und zu dieser Jahreszeit denke ich oft an Menschen aus meinem Leben, die nicht mehr da sind. Es ist eine Hommage an die Leute, die ich vermisse und der Song kam einfach so aus mir raus. So, als wäre es eine innere Notwendigkeit gewesen. Ich will Songs aber auch gar nicht so sehr überinterpretieren und erklären. Das haben sie meistens nicht notwendig.“

Ein Zigaretterl ist noch immer gegangen: Anda Morts reflektiert über alles, was die letzten ...
Ein Zigaretterl ist noch immer gegangen: Anda Morts reflektiert über alles, was die letzten Jahre passiert ist.(Bild: Mario Urbantschitsch)

Ein besonders persönliches und intensives Kapitel aus seinem eigenen Leben ist die Nummer „13 Tage (eigentlich ein Lovesong)“, die Schneider seiner langjährigen Freundin gewidmet hat. „Im Februar lag ich 13 Tage lang im Krankenhaus mit Pneumothorax. Das bekommt man, wenn der Brustkorb schneller wächst als das Lungenfell und so fällt die Lunge einfach runter. Das ist mir 2021 schon mal passiert, da wurde sie wieder aufgeblasen. Jetzt ist es hoffentlich erledigt.“ Die Lebensgefährtin hat ihm den nötigen Lebensmut gebracht. „Sie waren jeden Tag bei mir. Ich weiß nicht, wie ich das sonst ausgehalten hätte. Es ist schon eine eigene Erfahrung, wenn in knapp zwei Wochen Männer kommen und gehen und du als Mitte 20-Jähriger dableiben musst.“ Fixiert wurde die Lunge nun mit „einer Art Zweikomponentenkleber“, lacht der Sänger, „es war auf jeden Fall eine spezielle Erfahrung, weil man selbst merkt, wie hilflos man in dieser Situation des Lebens ist. Man ist anderen völlig ausgeliefert. Abendessen schon um 18 Uhr, das Licht geht um 6 in der Früh an – das war für mich teilweise katastrophal.“

Die Krux mit der Sozialarbeit
Bevor Anda Morts genug Geld für den Lebensunterhalt reinspülte, war Schneider viele Jahre im Sozialbereich tätig und kennt diese Welt prinzipiell von der anderen Seite aus. „Ich habe lange in einem Wohnhaus für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen gearbeitet. Man sieht auch, wie Angehörige ihre eigenen Leben und Probleme haben und gar nicht so viel Zeit aufbringen für jene, die dort sind. Daraus entstehen emotionale Vernachlässigung und viele Konflikte. Aber das ist so ein breites und strukturelles Thema, das füllt ganz andere Bereiche.“ Schneider half Menschen beim Toilettengang, beim Kleidungswechsel und bei der Körperpflege. „Viele Mitarbeiter machen das sehr mechanisch, aber das finde ich ungemein respektlos. Das habe ich nie gemacht. Ich habe immer mit den Patienten kommuniziert. Gefragt, ob alles so okay wäre. Die meisten machen den Job eh gut, aber man kann sich nicht auf alle verlassen.“ Österreich und seine Probleme mit dem Sozialsystem – eine nicht enden wollende Geschichte, die er aus eigener Erfahrung gut kennt.

Anda Morts im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein
Anda Morts im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein(Bild: Mario Urbantschitsch)

Den Titel „Hektomatik“ kennt man hierzulande von der steirischen Kultband STS, wo er im Lied „Irgendwann bleib i dann dort“ verwendet wird. Kommt die Herleitung also von daher? „Wir haben verschiedenste Ideen durchgekaut und hören im Tourbus immer viel Austropop und der Teil wird so theatralisch gesungen. Das hat uns gefallen und bringt mich immer zum Lachen. Außerdem passt der Name sehr gut zum Album. Die Deutschen fangen damit nix an. Die glauben, wir hätten da in Österreich wieder ein Wort erfunden. Es waren auch alle dagegen, aber ich habe der Plattenfirma gesagt, sie können gerne selbst einen besseren Titel finden.“ Mittlerweile leben Anda Morts von der Musik, was nicht immer einfach ist. „Als ich nebenbei noch gearbeitet habe, war die Zukunft planbarer, aber auf der anderen Seite bin ich mein eigener Chef. Ich habe keine Berliner Businesstrotteln über mir, die mir erzählen, wie ich Dinge zu tun habe. Wir wachsen selbst in unsere Rolle und wissen, was gut für uns ist und was nicht.“ Und wenn alles mal zu viel wird, dann dreht Schneider einfach eine Runde in seinem Saab 900.

Österreich-Livekonzerte 2027
Das neue Album „Hektomatik“ präsentieren Anda Mords diesen Herbst in Deutschland, 2027 2027 gibt es dann auch wieder Österreich-Termine. Am 3. März spielt man im Alten Schlachthof in Wels und am 11. September gibt es ein Open-Air-Konzert in der Wiener Arena. Unter www.oeticket.com gibt es alle weiteren Informationen.

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