Die Lesekompetenz von Österreichs Schülern lässt schwer zu wünschen übrig. Die jüngste PISA-Überprüfung hat das festgestellt. Wie Kinder besser motiviert werden können und was Eltern vermeiden sollten.
Wenn internationale Studien wie IGLU (Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung) und PISA (Jugendliche, 15 Jahre) zeigen, dass jedes fünfte Volksschulkind Schwierigkeiten beim Lesen hat und die Lesekompetenz auch bei den Jugendlichen vermindert ist, richtet sich der Blick schnell auf die Schule. Doch Lesekompetenz entsteht nicht allein im Klassenzimmer. Eltern spielen eine entscheidende Rolle: Sie können Interesse an Büchern wecken, das Lesen im Alltag fördern und ihre Kinder dabei unterstützen. Schule und Elternhaus also als Leseteam.
Lesefreude soll Teil des Familienalltags sein
Buchstaben erkennen, Laute verbinden, Wörter entziffern und schließlich ganze Sätze verstehen: Lesenlernen ist für Kinder ein großer Entwicklungsschritt. Die Schule legt dafür die Grundlage. Doch auch Eltern können viel dazu beitragen, dass aus Entziffern zunehmend flüssiges Lesen und schließlich Lesefreude wird. Und unterstützen, wo Schule allein nicht ausreicht: durch regelmäßige Übung, Geduld und eine lesefreundliche Umgebung zu Hause. Dabei geht es nicht darum, „mehr Schule“ zu machen, sondern Lesen selbstverständlich in den Alltag einzubauen.
Lesen benötigt Übung. Dabei müssen Eltern keine zusätzlichen Unterrichtsstunden veranstalten. 10 bis 15 Minuten tägliches Lesen sind oft sinnvoller als eine lange Übungseinheit am Wochenende. Regelmäßigkeit hilft Kindern, Buchstaben und häufige Wörter zunehmend sicher und automatisch zu erkennen.
Entscheidend ist, dass Kinder regelmäßig üben und Erfolgserlebnisse haben.
„Krone“-Schulratgeber Manfred Jordan
Dabei kann gerade am Anfang gemeinsames Lesen Sicherheit geben. Eltern und Kind können sich beispielsweise Satz für Satz oder Absatz für Absatz abwechseln. Auch Vorlesen bleibt wichtig. Selbst wenn Kinder bereits selbst lesen, profitieren sie davon, Geschichten zu hören, denn Vorlesen erweitert den Wortschatz.
Selbstbestimmte Auswahl von Lesestoff hilft
Und wie mit Fehlern umgehen? Wer lernt, macht Fehler. Mit den Buchstaben dieses Wortes kann man nur ein Alternativwort bilden: nämlich Helfer. Und diese „Fehlerphilosophie“ sollte auch hier gelten. Nicht jedes falsch gelesene Wort sofort korrigieren, unterbrechen und den Lesefluss stören.
Auch besonders hilfreich: Das Kind darf den Lesestoff selbst auswählen. Wer sich für Fußball, Tiere oder Detektivgeschichten interessiert, findet über entsprechende Bücher oft leichter Zugang zum Lesen, das ja nicht ausschließlich im Schulbuch stattfindet.
Eltern müssen keine zusätzlichen Lehrer sein
Nach dem Lesen geht es nicht darum, das Kind „prüfend“ abzufragen. Eltern müssen keine zusätzlichen Lehrer sein. Ein Gespräch über die Geschichte („Welche Figur hat dir gefallen?“ „Was glaubst du, wie geht es weiter?“ „Warum hat die Figur so gehandelt?“) ist viel wirkungsvoller. Damit wird auch das Textverständnis gefördert.
Und auch zu beachten: Manche Kinder lesen bereits zu Beginn der Schule einfache Wörter, andere brauchen deutlich länger. Das ist zunächst kein Grund zur Sorge. Entscheidend ist, dass Kinder regelmäßig üben und Erfolgserlebnisse haben. Lesenlernen braucht regelmäßige Übung.
Lesefreude braucht Zeit, Geduld und ein gutes Vorbild. Und vor allem sollte ein Kind erleben: „Ich kann lesen – und Lesen bringt mir etwas.“ Dann wird aus technischer Lesefähigkeit allmählich echte Lesekompetenz. Die Kinder verstehen, was sie lesen und entwickeln zunehmend Freude daran. Wenn ein Kind aber über längere Zeit große Schwierigkeiten beim Lesen hat, sollten Eltern das Gespräch mit der Lehrkraft suchen. Gemeinsam kann geklärt werden, wo die Schwierigkeiten liegen und welche Unterstützung sinnvoll ist.
Fragen an „Krone“-Schulratgeber Manfred Jordan gerne per Mail an: schulratgeber-tirol@kronenzeitung.at
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