Jedes vierte Kind hat mit Zahlen-Wirrwarr im Kopf zu kämpfen – Tendenz steigend. Weil viele Lehrer überfordert sind, wurde jetzt in der Steiermark ein Forschungs- und Kompetenzzentrum gegründet.
Im neuen Schuljahr sitzt ein Störenfried mit im Klassenzimmer, der immer lauter wird: die Dyskalkulie. Studien zeigen, dass bereits ein Viertel der Schüler mit einer Rechenschwäche zu kämpfen hat, etwa fünf Prozent haben sogar eine Rechenstörung. Tendenz steigend. Betroffene brauchen ihre Finger zum Zählen, können Wechselgeld nicht kontrollieren – und erst recht nicht dem Mathematik-Unterricht folgen.
Die Herausforderung: Wird die Schwäche einmal erkannt, wissen Lehrer oft nicht, damit umzugehen. „Das ist ein großes Dunkelfeld“, sagt Andrea Karner, Professorin für inklusive Fachdidaktik Mathematik an der Pädagogischen Hochschule Steiermark. „Die Hauptverantwortung liegt auf den Lehrpersonen, die aber im Zwiespalt zwischen Lehrplan und Realität stehen. Oft muss man drei Schritte zurückgehen.“
Basiskompetenzen sind für den Alltag von großer Bedeutung. Wenn ich das Wechselgeld nicht nachzählen kann, fehlt mir eine lebenspraktische Fähigkeit. Man sollte Mathematik verstehen, nicht nur mit Zahlen jonglieren.

Andrea Karner
Hochschulprofessorin
Bild: Michaela Pucher
Das Problem beginnt meist schon im Kindergarten. Ist Deutsch noch dazu nicht die Muttersprache, führt das oft zu Zahlen-Wirrwarr im Kopf – man denke allein an die Wortbildung von „dreizehn“. „Neben dem Spracherwerb müsste man gleichermaßen auf Mathematik setzen“, ist Karner überzeugt. An vielen Volksschulen gebe es schon dementsprechende Vorzeigeprojekte.
Neues Zentrum in der Steiermark
Um Lehrern zur Seite zu stehen, wird alles Wissen zu dem Thema nun neu gebündelt. Im Oktober wurde das Forschungs- und Kompetenzzentrum Rechenschwäche unter der Leitung von Karner ins Leben gerufen. „Wir wollen Lehrpersonen möglichst gut mit Wissen und Methoden ausstatten“, erklärt sie. Dazu zählen unter anderem gratis Fördermaterial und Vernetzungstreffen.
Bereits zum zweiten Mal wird zudem gemeinsam mit der Bildungsdirektion ein Lehrgang zu Rechenschwäche in der Unterstufe angeboten, in dem auch konkrete Fälle durchbesprochen werden. Nach dem Auftakt im Vorjahr in der Bildungsregion Murau-Murtal, nehmen heuer 45 Mathematiklehrer aus Mittelschulen und Gymnasien in Weiz und Hartberg-Fürstenfeld teil.
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