Walter Ruck setzte in seinen zwölf Jahren an der Spitze der Wirtschaftskammer Wien auf viel Marketing und Werbung. Auch die Kosten für PR vervielfachten sich. Die „Krone“ kennt die Details.
Ende Juli stolperte Wirtschaftskammer-Wien-Präsident Walter Ruck über Postenschacher und Sexismus-Sager, die er in einer bunten Männerrunde zu Protokoll gab. In einem Weinkeller in der Wiener Innenstadt. Und so verwundert es dann auch kaum, dass die Kammer in der Ära Ruck sogar im Genussmagazin Falstaff des PR-Beraters Wolfgang Rosam Inserate schalten ließ. 2023 und 2024. Für je 85.000 Euro. Per Direktvergabe. Das sind nur Details am Rande aus neuen internen Unterlagen, die der „Krone“ vorliegen.
Zündstoff besitzen die Millionen-Aufwendungen für Marketing- und Kommunikationskampagnen. Ins Auge sticht dabei vor allem die Agentur Mindworker von Rudolf Fußi, über die im Zeitraum 2016 bis 2025 Aufwendungen von gut 14,1 Millionen Euro liefen. Die einstige Haus- und Hofagentur rechtfertigte die hohe Summe damit, dass man jahrelang auch den Medieneinkauf für die Kammer abgewickelt habe – vieles sei ein Durchlaufposten gewesen, dazu kämen Inserate und Werbespots; daran habe man nichts verdient.
4,1 Millionen für eine Agentur
Aus den vorliegenden Unterlagen ergibt sich nun erstmals ein klares Bild: Allein zwischen 2016 und 2025 rechnete Mindworker 4,1 Millionen Euro an Honoraren für Beratungs- und Kommunikationsleistungen ab. Bemerkenswert erscheinen die Steigerungen: 2018 wurden monatlich 31.788 Euro für Beratung Social Media in Rechnung gestellt. Im Jahr 2020 bereits monatlich 37.375 Euro für „pauschale Kommunikationsdienstleistungen“, 2023 und 2024 dann 50.643,60 Euro. Dafür sollte freilich auch Big Boss Ruck ins rechte Licht gerückt werden.
„Bereitschaft an Wochenenden“
Welche Leistungen waren in diesen Pauschalen inkludiert? Am Beispiel 2023: 5044 Euro netto pro Monat für „Social Media Betreuung inkludierend den Facebook-Account des Präsidenten“. Oder: „Beratung Präsident (pro Monat 20 Stunden)“: 3880 Euro. Oder auch: 2716 Euro pro Monat für „Bereitschaft an Wochenenden/Feiertagen“ durch den Agentur-Geschäftsführer.
Die Wiener Kammer erklärt dazu, dass die Wirtschaft seit 2015 „von mehreren Krisen stark gebeutelt“ worden sei. „Dies erforderte einen erhöhten Kommunikationsbedarf auf allen Ebenen – vom Präsidium über die Sparten bis zu den Fachgruppen –, um die Anliegen und Interessen unserer Mitglieder breitenwirksam zu positionieren.“
Rudolf Fußi betont, man habe immerhin zwei europaweite Ausschreibungen gewonnen. „Wir waren bis zu zehn Mitarbeiter im Projekt, das gewachsen ist.“ Und: „Unsere Stundensätze lagen deutlich unter dem branchenüblichen Schnitt.“ Die Rahmenverträge seien 2025 ausgelaufen.
318 Aufträge über 102 Millionen ausgeschrieben
Faktum ist: Allein die Gesamtausgaben für PR haben sich unter Kammer-Chef Walter Ruck vervielfacht – auf zuletzt eine knappe Million Euro im Jahr.
Brisanz besitzt eine weitere Zahl: In Summe hat die Wirtschaftskammer Wien zwischen September 2019 und September 2026 exakt 318 Aufträge mit einem Volumen von 102 Millionen Euro ausgeschrieben, die größten Brocken betreffen Marketing und Druck. Zum Vergleich dazu: Die Wirtschaftskammer Vorarlberg hat im selben Zeitraum 19 Aufträge über 5,7 Millionen Euro vergeben.
Ab sofort sind bei allen Vergabeprozessen Transparenz, Wirtschaftlichkeit und Kontrolle wieder oberstes Gebot.
Ein Sprecher der Wirtschaftskammer Wien
Gerald Zmuegg, der Obmann der Freiheitlichen Wirtschaft Wiens und Vorsitzender des Kontrollausschusses, hält vor allem das Ausmaß der Aufträge im Marketing für problematisch: „Die Kammer neigt dazu, ständig Leistungen zu bewerben, die von Unternehmern so nicht wahrgenommen werden. Stichwort: Die Lohnnebenkosten-Senkung von gerade mal einem Prozent.“
Die Wirtschaftskammer Wien weist darauf hin, dass man künftig auf projektbezogenen Ausschreibungen im Sinne der Transparenz setzen werde. Die neue Präsidentin Margarete Kriz-Zwittkovits habe bereits angekündigt, dass Leistungen wieder „vorrangig intern von den WKW-Experten abgewickelt“ werden sollen. „Außerdem sind ab sofort bei allen Vergabeprozessen Transparenz, Wirtschaftlichkeit und Kontrolle wieder oberstes Gebot.“
75.000 Euro für Bezirksgespräche
Zuletzt wendete die Kammer 75.000 für Bezirksgespräche auf, die von der Agentur von Gabriel Karas organisiert werden. Dazu teilt die Kammer mit: „Diese Gespräche wurden von der neuen Präsidentin ins Leben gerufen, um die Unternehmer in allen 23 Bezirken zu besuchen und wieder näher an den Anliegen und täglichen Herausforderungen der Wiener Betriebe zu sein.“
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