Rund 180.000 Steirer sind von psychischen Erkrankungen betroffen. Die Wartezeiten auf Therapieplätze sind lang, zu wenige werden öffentlich finanziert. Experten fordern mehr Bewusstsein für seelische Gesundheit.
Schlafstörungen, Unwohlsein, Konzentrationsprobleme. Immer öfter sind derartige Symptome erste Anzeichen psychischer Probleme. „Viele wissen aber gar nicht, dass sie unter einer psychischen Störung leiden“, sagt Clemens Könczöl vom Berufsverband österreichischer Psychologen.
15 Prozent leben mit psychischer Erkrankung
Rund 15 Prozent der Menschen leben mit einer psychischen Erkrankung: „In der Steiermark entspricht das 180.000 Menschen“, hält der Experte fest. Erst seit Anfang dieses Jahres gibt es österreichweit kostenfreie Kassenplätze für klinisch-psychologische Behandlung, in der Steiermark sind es etwa 1000. „Der Bedarf ist aber deutlich höher“, gibt Könczöl zu bedenken.
Dass die Hilfsangebote noch weiter ausgebaut werden müssen, weiß auch Ingrid Jagiello vom steirischen Landesverband für Psychotherapie: „In Österreich wartet man sechs bis 18 Monate auf einen finanzierten Therapieplatz.“ Die Unterschiede zwischen Stadt und Land seien dabei immer noch groß.

Neuer Stadtplan mit psychosozialen Angeboten
Aktuell finden in Graz deshalb wieder die Wochen der seelischen Gesundheit statt. „Wenn es einem Menschen seelisch schlecht geht, darf die erste Herausforderung nicht darin bestehen, herauszufinden, wo es überhaupt Hilfe gibt“, betont Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ). „Gerade in einer psychisch belastenden Situation braucht es einfache Wege und verständliche Informationen. Mit dem Stadtplan können Betroffene, Angehörige, aber auch Fachkräfte rasch sehen, welche Unterstützung es in Graz gibt“, sagt Eva Winter, Leiterin des Grazer Gesundheitsamtes.
Der neue „Grazer Stadtplan seelische Gesundheit“ stellt erstmals einen digitalen Überblick über die psychosoziale Versorgungslandschaft in der Landeshauptstadt zur Verfügung. Mehrere Veranstaltungen und Aktionen im Oktober sollen das Thema nun wieder in den Fokus rücken.
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