Noch zu Lebzeiten

Stadt kauft Jelinek-Kunstschatz um 600.000 Euro!

Wien
06.10.2026 06:00

Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek übergibt jetzt einen Teil ihres Lebenswerks der Stadt Wien. Die greift dafür tief in die Tasche: Für den sogenannten Teilvorlass soll die stolze Summe von 600.000 Euro fließen. Doch warum gerade jetzt – mitten in Sparzeiten? Die FPÖ schießt dagegen.

Es ist ein bedeutendes Stück österreichischer Literaturgeschichte: der Teilvorlass von Elfriede Jelinek. Also Dokumente und Werke, die eine Person noch zu Lebzeiten an ein Archiv oder eine Bibliothek übergibt. Die Stadt hat jetzt beschlossen diesen, um mehr als eine halbe Million Euro anzukaufen. Der Kauf kommt allerdings in finanziell angespannten Zeiten.

„Unverkennbar Wienerin“: 2023 wurde Jelinek offiziell zur Ehrenbürgerin der Stadt Wien ernannt. ...
„Unverkennbar Wienerin“: 2023 wurde Jelinek offiziell zur Ehrenbürgerin der Stadt Wien ernannt. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler überreichten ihr die Auszeichnung.(Bild: PID/Christian Jobst)

Stadt weist Kritik zurück
Die Stadt spricht von einer „einmaligen Chance“ und einem kulturellen Erbe von Weltrang. Aus der zuständigen MA 9 (Wienbibliothek im Rathaus) heißt es dazu auf „Krone“-Anfrage: „Die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek ist die bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller-Persönlichkeit Österreichs, ihr Werk wird weltweit gelesen, gespielt, diskutiert. Die Übernahme ihres literarischen Archivs ist für die Stadt Wien, wo Jelinek lebt und schreibt, eine große Chance zur Erhaltung dieses bedeutenden kulturellen Erbes. Die für den Ankauf veranschlagte Summe von 600.000 Euro steht in Bezug zu vergleichbaren Ankäufen bedeutender Schriftstellerbestände in Österreich.“  

Zitat Icon

 Der Ankauf hat keinerlei Nutzen für die Wiener und ist reine Geldverschwendung.

FPÖ-Wien Gemeinderat Lukas Brucker

Heftige Kritik an dem Kauf kommt von den Freiheitlichen. „Während die Stadt pleite ist, will die rot-pinke Stadtregierung Elfriede Jelinek 600.000 Euro überweisen“, poltert FPÖ-Wien Kultursprecher Lukas Brucker. Angesichts des laufenden Sparzwangs sei der teure Kauf nicht nachvollziehbar. Dienstagnachmittag tagt der zuständige Kulturausschuss, wo der Ankauf offiziell beschlossen werden soll. Die FPÖ will dagegen stimmen.

Der „Jelinek-Nachlass“ besteht übrigens aus Werkmanuskripten und Typoskripten, Korrespondenzen, Lebensdokumenten und von der Autorin selbst angelegte Sammlungen. Doch wie kommt man auf die stolze Summe von 600.000 Euro?

Laut Stadt wurde der Preis auf Basis von zwei Gutachten festgelegt. Ab einem Ankaufspreis von 70.000 Euro sei neben einem internen Schätzgutachten auch ein externes Gutachten eines unabhängigen Experten vorgeschrieben.  

Der Teilvorlass von Elfriede Jelinek soll in der Wienbibliothek im Rathaus nach Aufarbeitung ...
Der Teilvorlass von Elfriede Jelinek soll in der Wienbibliothek im Rathaus nach Aufarbeitung öffentlich zugänglich gemacht werden.(Bild: Christian Jobst / PID)

Wie viele einzelne Dokumente sich genau darin befinden, will die Stadt erst im Falle des Ankaufs veröffentlichen. Hohe Summen für die Lagerung sollen jedenfalls nicht anfallen. Der Transport wird magistratsintern organisiert, die weitere Archivierung, Aufarbeitung und Erschließung fällt laut Stadt unter das laufende Kerngeschäft der Wienbibliothek. Und dann soll auch die Öffentlichkeit etwas vom 600.000-Euro-Schatz haben: Nach der Aufarbeitung soll der Bestand zugänglich gemacht werden. 

Zum Vergleich: Für den Nachlass von Thomas Bernhard bezahlte die Österreichische Nationalbibliothek 2022 sogar 2,1 Millionen Euro. Der Bernhard-Bestand sei allerdings wesentlich umfangreicher und geschlossener gewesen und habe unter anderem sämtliche Werke, umfangreiche Korrespondenz und Unveröffentlichtes umfasst.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Top 3
Top Gutscheine
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung