Bis Sonntag gehen in Hohenems (Vorarlberg) noch die traditionellen Schubertiadekonzerte über die Bühne. Sie markieren das Ende des 50-jährigen Jubiläums des 1976 gegründeten Festivals. Doch wie geht es dann weiter?
Jubiläumsjahr 2026 hat bei vielen Konzerten der Schubertiade jemand gefehlt: Es war Gerd Nachbauer, der sich im Sommer schweren Operationen unterziehen musste. Die Gerüchteküche brodelte. Wird der Fünfundsiebzigjährige sein Lebenswerk in andere Hände legen? Oder wird die Schubertiade bald Geschichte sein, nachdem kein Nachfolger, keine Nachfolgerin aufgebaut wurde?
Nichts davon stimmt aktuell, denn beim Konzert am 1. Oktober, dem Klavierabend von Paul Lewis, saß der genesene Festivalchef Gerd Nachbauer wieder auf seinem Platz. Das Programm für 2027 ist ebenfalls schon veröffentlicht und ist wieder umfangreicher als heuer. Und, so Pressereferentin Evelyn Gmeiner: „Gerd Nachbauer arbeitet schon am Programm für das Jahr 2028.“
So informiert, konnte man sich also entspannt zurücklehnen und das Klavierspiel eines bewährten und beliebten Schubertiadekünstlers genießen, nämlich des Engländers Paul Lewis, unter anderem Schüler des 2025 verstorbenen Alfred Brendel.
Schubert und Chopin – ähnlich und doch wieder nicht
Wie in den weiteren Konzerten dieses Oktoberzyklus, zeigte sich auch die Programmfolge von Paul Lewis offener als sonst bei diesem Festival. Denn um Schuberts unvollendete Sonate „Reliquie“ von 1825 gruppierte Paul Lewis Sonaten von Mozart und Werke von Frédéric Chopin. Diesen könnte man fast als Zeitgenossen Schuberts sehen, doch wie anders ist seine Musik! Und doch wieder nicht, denn wie Schuberts große Klaviersonaten schweift die Polonaise in cis-Moll, entstanden 1834, durch Tonarten und Charaktere. Sie ist aber nicht so intim wie Schubert, sondern schafft durch ihre Tanzform und Anklänge an die Folklore Polens eine Atmosphäre von Festlichkeit.
Auch die Nocturnes, von denen Paul Lewis die beiden Opus 32 spielte, zielen auf ein Publikum, hier das eines der Pariser Salons. Paul Lewis begegnete dieser komplexen Musik mit souveränem interpretatorischem Gestus. Das Ereignis des Abends war aber seine Haltung zu Mozart, dessen beide Sonaten KV 570 und 333 Anfang und Ende des Konzerts markierten.
Kraftvoll statt verzärtelt
Kein „mozärtliches“ Gezirpe, sondern einen kraftvollen Zugang erlebte man da, virtuos und drängend und gerne auch mit Pedal. Sparsam, aber umso wirkungsvoller setzte der Pianist Rubati, etwa am Übergang von „Andante cantabile“ zum Schlusssatz. Der brillante Steinway-Flügel und die Akustik des Markus-Sittikus-Saales unterstützten Paul Lewis’ Interpretation. Mit einem weiteren Satz einer Mozarts-Sonate bedankte sich der bescheiden auftretende Paul Lewis bei seinem jubelnden Publikum.
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