Die Vorarlberger Formation „Ensemble plus“ wird dreißig Jahre alt und feiert ihren Geburtstag natürlich mit einem Konzert. Warum dieses im Dunkeln stattfindet, erklärt „Ensemble plus“-Leiter Guy Speyers.
Es soll festlich werden“, sagt Guy Speyers, der Leiter des „Ensemble plus“, und meint damit das Jubiläumskonzert am Freitag, 2. Okotber, im ORF-Studio in Dornbirn. Tatsächlich werden die Besucher ab 18.30 Uhr mit Sekt und Brötchen empfangen. Der Festakt wird eine Stunde später eingeleitet von Begrüßungsworten, dann beginnt der musikalische Teil des Abends. Das „Ensemble plus“ spielt zuerst ein Werk von Gerald Futscher, dann nach einer Umbaupause das fast einstündige Werk „Solstices“ von Georg Friedrich Haas: Der 1953 geborene, im Montafon aufgewachsene Komponist hat dieses Stück für seine Frau Mollena geschrieben, die er zur Wintersonnwende kennengelernt hat und zur Sommersonnwende geheiratet hat – Solstice heißt ja Sonnwende. Obwohl „Solstices“, musiziert vom „Ensemble plus“, im Februar 2023 mit Erlaubnis des Komponisten als Tanztheater in Dornbirn gegeben wurde, wird es beim Jubiläumskonzert in absoluter Dunkelheit gespielt. Guy Speyers erklärt dies: „Bei einem Aufenthalt in Skandinavien ist Haas in der Nacht hinausgegangen und wurde von der Dunkelheit überwältigt. Sich zu bewegen war äußerst schwierig, dennoch ist er nach Hause gekommen“.
Dieses Gefühl hat den Komponisten in mehreren seiner Werke schon beschäftigt, bei „Solstices“ jedoch setzt er zum ersten Mal die Dunkelheit konsequent ein. Guy Speyers beruhigt: „Der Raum wird mit einer Infrarotkamera überwacht. Wenn jemand hinausgehen will oder muss, hebt er die Hand und wird begleitet.“
Futscher spielte wichtige Rolle
Wie in vielen seiner Werke arbeitet Haas auch hier mit Mikrointervallen und Obertonreihen. Das überaus komplexe und durchaus klangschöne Werk wurde schon in Island, München und im Wiener Konzerthaus gespielt und erklingt nun zum zweiten Mal in Dornbirn durch das „Ensemble plus“. Das Werk von Gerald Futscher wurde nicht zuletzt deshalb an den Beginn des Jubiläumskonzertes gestellt, weil Futscher vor allem in den ersten Jahren des „Ensemble plus“ eine große Rolle gespielt hat.
Speyers setzt auf Kontinuität
Und damit sind wir bei der Geschichte der 1996 von Andreas Ticozzi gegründeten Formation, die 2020 von Guy Speyers übernommen wurde – beide waren bzw. sind Stimmführer der Bratschengruppe im Symphonieorchester Vorarlberg. „Andreas hatte das Anliegen, dass möglichst viele Musiker mit der Neuen Musik vertraut werden und hat die Musiker des ’Ensemble plus’ konsequent gewechselt. Ich hingegen setze auf Kontinuität. Wenn sich die Musiker untereinander kennen und mit den zeitgenössischen Spieltechniken vertraut sind, kommt man schneller an den Punkt, wirklich Musik zu machen.“ Und Guy Speyers fügt hinzu: „Es ist unsere Pflicht, das, was wir auf das Notenpult bekommen, so gut wie möglich zu spielen.“
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