Sa, 15. Dezember 2018

Viele Sparten leiden

17.12.2014 16:54

Wie die Rubel-Krise jetzt auch Österreich trifft

Mit massiven Hamsterkäufen reagiert die russische Bevölkerung auf den Rubel-Verfall und die damit verbundene Inflation. Alles könnte morgen schon teurer sein. Die Ersparnisse werden in Ware umgesetzt. Viele Preistafeln werden nicht mehr in Rubel ausgewiesen, sondern im Äquivalent zum Dollar. Der Währungsverfall hat bereits auch Auswirkungen auf die österreichische Wirtschaft.

Kremlchef Wladimir Putin will an diesem Donnerstag auf einer neunstündigen Pressekonferenz seine Haltung und seine Absichten darlegen. Muss die Regierung unter dem schwachen Premier Medwedew als Sündenbock über die Klinge springen? Die Regierung und die Zentralbank hatten durch ihr Nicht-Handeln über mehrere Wochen die Krise verschärft und waren schließlich in Panik verfallen.

Touristiker klagen: "Früher saß der Rubel locker"
Der Auslandsurlaub ist nun wegen des Wertverfalls des Rubels für Russen doppelt so teuer geworden. Sorgenkind Nummer eins im Bereich der österreichischen Tourismuswirtschaft sind derzeit die ausbleibenden Russen – vom Topklientel bis hin zum Mittelbau mit erstklassigen Einkommen von rund 100.000 Dollar im Jahr.

"Gerade diese Gäste geben relativ viel Geld für Champagner und teure Rotweine aus. Sie kamen bisher in Gruppen, und der Rubel saß locker", erklärt etwa der Wiener Gastronom und Touristiker Josef Bitzinger. Auch die Nobelmeilen, etwa auf dem Wiener Kohlmarkt oder in der Salzburger Innenstadt, vermissen das gut betuchte Klientel. Es gibt bereits Rückgänge im zweistelligen Prozentbereich. Bitzinger: "Das Geschäft mit Russen ist gekoppelt mit dem Ölpreis. Solange die Märkte so tief sind, ist keine Besserung in Sicht."

Auch in den Bergen bereiten die ausbleibenden Russen den Verantwortlichen Kopfzerbrechen. "Bisher haben die Urlauber aus dem Osten das Jännerloch gefüllt, aber jetzt bricht gleich die Hälfte der Buchungen weg", meint Andreas Steibl vom Tourismusverband Paznaun-Ischgl in Tirol.

Kopfzerbrechen bei Österreichs Banken
Die gewaltige Rubel-Abwertung macht den heimischen Großbanken Raiffeisen International (RBI) und Bank Austria zu schaffen. Der RBI-Kurs ist dadurch rasant auf den Tiefstwert seit dem Börsegang 2005 gestürzt. Schließlich stammten noch im Vorjahr zwei Drittel des Gewinns von der Moskauer Tochterbank.

Bei der Bank Austria war es ein Viertel. Dazu haben die beiden Institute je rund zehn Milliarden Euro an Krediten dort vergeben. Etwa 40 Prozent davon sind in Euro und anderen Währungen vergeben. Kreditnehmer müssen dadurch jetzt viel mehr an Rubel dafür zurückzahlen. Fraglich, ob das alle können.

Kurzarbeit wegen Auftragseinbrüchen
Aber auch andere Firmen leiden. Zuletzt hat etwa MAN einen Lkw-Großauftrag verloren und musste 2.000 Leute in Wien in Kurzarbeit schicken. Insgesamt sind 1.200 Austro-Unternehmen in Russland tätig.

Kommentar von Kurt Seinitz: Putins Kartenhaus
Nein, der Westen ist nicht schuld, und die Russen lassen sich das nicht mehr lange einreden. Die Sanktionen waren der Anstoß, nicht die Ursache, dass Putins Kartenhaus einbricht. Putin hatte sich alles selbst eingebrockt und die Gefahren nicht beachtet. Denn absolute Macht macht blind. Auch wenn er noch so viele Muskeln zur Schau stellt, der Koloss Russland steht nach wie vor auf tönernen Füßen.

Das Ausruhen auf dem Öl- und Gas-Reichtum war eine süße Falle gewesen. Putin hätte von den Niederlanden lernen können, die in den 1960er-Jahren so viel Erdgas entdeckt hatten, dass sie den Rest der Wirtschaft vernachlässigten - mit negativen Auswirkungen.

Putin hat sich selbstherrlich übernommen. Russland kann sich seine Machtpolitik einfach nicht leisten. So hatte schon auf dem Balkan unter Milosevic Groß-Serbien in Klein-Serbien geendet.

Was nun? Der Kremlchef könnte die Flucht nach vorn in noch gefährlichere Abenteuer antreten, damit seine Ausrede "Der Westen ist schuld" frisch bleibt. Erst langsam werden der russischen Öffentlichkeit die Augen aufgehen, dass Putin nicht jener Zaubermeister ist, der (nationale) Wunder wirken kann. Das wird dauern.

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