Ein Bregenzer Installationsbetrieb soll ein System aus Schwarzzahlungen, verschwiegenen Umsätzen und falschen Angaben gegenüber Fiskus und Sozialversicherung aufgebaut haben. Die verworrene Causa ist derzeit ein Fall fürs Landesgericht Feldkirch.
Im Zentrum des Verfahrens, das am Mittwoch am Landesgericht Feldkirch begann, steht ein Mann, der zwischen 2015 und 2023 Prokurist und faktischer Geschäftsführer eines in Bregenz ansässigen Installationsunternehmens war. Laut Anklage soll er über Jahre hinweg Bargeld aus Werkleistungen am offiziellen Firmenkreislauf vorbeigeschleust haben. Insgesamt geht es dabei um rund 235.000 Euro. Das Geld soll der Hauptangeklagte teils auf seine privaten Bankkonten eingezahlt, teils direkt für persönliche Ausgaben verwendet haben. Damit, so der Vorwurf, habe er nicht nur Geld für sich entwendet, sondern auch die Befriedigung von Gläubigern des Unternehmens geschmälert.
Doch damit nicht genug, denn auch bei den Löhnen soll es nicht immer offiziell zugegangen sein. Mitarbeiter hätten Lohnbestandteile schwarz ausbezahlt bekommen. Diese Beträge seien der Sozialversicherung nicht ordnungsgemäß gemeldet worden. Durch falsche Beitragsgrundlagen wären in weiterer Folge zu niedrige Sozialversicherungsbeiträge berechnet worden. Auch das Finanzamt soll über Jahre nicht die ganze Wahrheit erfahren haben. Umsätze und Einkünfte seien verschwiegen und dadurch Umsatz- und Körperschaftsteuern verkürzt worden. Ebenfalls ein Thema sind nicht abgeführte Kapitalertragsteuern.
Hatte der Betrug System? Wer wusste was?
Dass nun gleich 35 Personen auf der Anklagebank sitzen, liegt an den mutmaßlichen Schwarzzahlungen. Die übrigen 34 Angeklagten sollen Leistungen des Installationsunternehmens ganz oder teilweise am offiziellen Zahlungsweg vorbei kassiert haben. Dadurch, so die Anklage, konnten die entsprechenden Umsätze aus der Buchhaltung verschwinden – und sie fehlten später auch in den Steuererklärungen. Jetzt muss das Gericht klären, ob hinter den Zahlungen tatsächlich ein strafbares System steckte und welchen Anteil die einzelnen Angeklagten daran hatten. Für alle Beschuldigten gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.
Die Firma, die im Bereich Sanitär, Heizung, Solar und Lüftung tätig war, schlitterte im September 2023 in den Konkurs. Laut Kreditschutzverband beliefen sich die Verbindlichkeiten damals auf rund eine Million Euro. Das Unternehmen beschäftigte zu diesem Zeitpunkt 26 Mitarbeiter. Nach dem Konkurs gab es eine Fortführung unter neuer Flagge. Ein anderes Vorarlberger Installationsunternehmen übernahm im Dezember 2023 im Rahmen eines Asset-Deals das operative Geschäft samt Fuhrpark, Geschäftsausstattung und laufenden Aufträgen, auch der bisherige Bregenzer Standort wurde weitergenutzt. Diese Lösung hatte allerdings keinen dauerhaften Bestand. Der neue Betreiber trennte sich später einvernehmlich vom damaligen Bregenzer Teamleiter, im Februar 2026 wurde der Standort in der Kirchstraße geschlossen.
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