Eine Demo vor dem Amtshaus, Unterstellungen und Morddrohungen gegen ÖVP-Bürgermeister Wolfgang Schredl – und das alles wegen einer Wiese. Letztendlich fiel ein Beschluss, zur Veränderung des Bebauungs- und Flächenwidmungsplans.
Mit Spannung wurde Montag Abend die Gemeinderatssitzung in Breitenfurt erwartet. Es geht um „ca. 300 Wohnungen in klimagerechten Wohnhäusern“, die hier „schrittweise“ – ein Teil als „Seniorenwohnen“ – errichtet werden sollen, wie es auf der Webseite der BIP Immobilienverwaltung Gesellschaft heißt. Es geht auch um das Primärversorgungszentrum (PVZ), das hier auf der Wiese neue Heimat finden kann. Seitens der Bürgerinitiative betont man, dass man zwar gegen die Wiesenverbauung (rund 6,5 Hektar sind Bauland), aber nicht gegen das PVZ sei. Hier gibt es eine Online-Petition von Obmann Martin Jescke, die bereits knapp 1300 Unterschriften zählt.
Beschluss ist gefallen
In der Gemeinderatssitzung fiel der Beschluss für die Veränderung des Bebauungs- und Flächenwidmungsplans. Entsetzt ist man bei der die Bürgerinitiative „Zukunft Breitenfurt – wir reden mit!“: „Wir sind fassungslos, wie die Gemeindevertretung mit dem Willen der Bürger umgeht. Dass es nun zu einem Beschluss kommt, der nicht im Sinne der Bevölkerung ist, ist ein Armutszeugnis für die Demokratie“, meldet sich Obmann Martin Jeschke noch während der Sitzung, die er mittels Livestream mitverfolgte, zu Wort. Und er verspricht: „Wir werden uns weiterhin für die Bürger einsetzen und uns für sie starkmachen.“
Absperrung mit Baustellenzaun
Vor der Sitzung war die Spannung riesig, die Nerven lagen blank. Und deshalb wurden schwere Geschütze aufgefahren, um die Sicherheit aller zu gewährleisten. „Was ist denn hier los? Das hat es ja noch nie gegeben“, wunderte sich Jeschke. Denn ein Baustellenzaun wurde rund um das öffentliche Gebäude aufgestellt. Gemeinderäte, geladene Gutachter und Experten mussten den Seiteneingang nehmen. Dahinter drei Security-Männer, die im Gebäude selbst die Sitzung bis zum Ende knapp vor 21 Uhr bewachten. 22 zivile Zuhörer und Pressevertreter durften im Saal ebenfalls Platz nehmen. Der Rest wurde mittels Live-Stream zum ersten Mal in der Geschichte Breitenfurts zugeschaltet. Die Versammlung mit rund 80 Beteiligten vor dem Rathaus wurde von zwei Polizisten bewacht. Sie verlief ruhig und löste sich bald nach dem Beginn der Gemeinderatssitzung auf.
Komplexes Thema, emotional beladen
Das Thema ist so komplex, dass sich die Entscheidungsträger damit fast nicht zurecht finden“, sagte ÖVP-Bürgermeister Wolfgang Schredl im Vorfeld der Gemeinderatssitzung. So liegen laut Schredl 2000 Seiten an Unterlagen von Gutachten und Informationsmaterialien vor, es gibt Beschwerden, Ergebnisse von Volksbefragungen und mehr.
Das Thema ist aber auch emotional, die „Krone“ berichtete von Morddrohungen gegen den Ortschef. Auf Facebook wurde Taktik unterstellt, daraufhin meldet sich knapp vor der Sitzung ein Familienangehöriger zu Wort: „Sie haben offenbar keine Ahnung davon, wie es sich anfühlt, wenn man seinen Briefkasten öffnet und darin tatsächlich Morddrohungen, Drohungen gegen die eigene Person oder Wünsche findet, dass man schwer erkranken oder einem etwas Schlimmes passieren möge.“
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