Der sogenannte „Tiroler Sprit-Aufschlag“ – also die im Vergleich zu den anderen Bundesländern in Tirol höheren Preise für Super und Diesel – wird offenbar Gegenstand einer Sonderprüfung der E-Control.
Die Regulierungsbehörde werde „eine Sonderprüfung durchführen und bei Ungereimtheiten und Auffälligkeiten eng mit den lokalen Behörden zusammenarbeiten“, wurde Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) am Samstag in einer Aussendung zitiert.
Man nehme das Anliegen „sehr ernst und unterstütze das Land Tirol dabei, alle offenen Fragen zu beantworten“, ließ der Minister in einer Pressemitteilung des Büros von Tirols Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) wissen. Der nunmehrige Schritt – nämlich um eine E-Control-Sonderprüfung zu ersuchen – sei das Ergebnis „konstruktiver Gespräche“ zwischen Mattle und Parteifreund Hattmannsdorfer, hieß es.
In Tirol besteht der begründete Verdacht, dass es zur Ungleichbehandlung mit östlichen Bundesländern kommt.

LH Anton Mattle
Bild: Christof Birbaumer
„Erhöhen den Kontrolldruck“
Mattle dankte sogleich dem Minister und der Regulierungsbehörde und meinte: „Wir gehen gegen den Tiroler Sprit-Aufschlag vor und erhöhen den Kontrolldruck. In Tirol besteht der begründete Verdacht, dass es zur Ungleichbehandlung mit östlichen Bundesländern kommt. Bis heute fehlen belegbare Gründe und nachvollziehbare Erklärungen, warum ein derartiges West-Ost-Gefälle in Österreich besteht und es zu so großen regionalen Unterschieden kommt. Wir schauen jetzt genau hin.“
Das Thema beschäftigte die Tiroler Politik – nachdem es vor allem die Arbeiterkammer aufgeworfen hatte – die ganze Woche über. Mattle machte zuletzt verstärkt Druck auf den Bund. Zunächst forderte er die Bundesregierung dazu auf, rechtlich gegen den „Tiroler Sprit-Aufschlag“ vorzugehen und eine amtliche Untersuchung nach dem Preisgesetz durchzuführen. Dann startete er selbst eine „objektive und ergebnisoffene Preisuntersuchung“ und ließ dafür eine „Preisuntersuchungskommission“ zusammenstellen.
Gleichzeitig gab der Landeschef zu verstehen, dass er – „sollte sich die Bundesregierung nicht im Stande sehen, den Tiroler Sprit-Aufschlag zu benennen und zu beenden“ – selbst dahingehend tätig werden würde. Und schließlich beantragte er am Freitag bei der Bundesregierung ebenjene Sonderprüfung der E-Control.
Mehr als im österreichweiten Durchschnitt
Seit Anfang 2025 waren die Preise sowohl für Super als auch für Diesel an 91 Prozent der Tage in Tirol am teuersten. Die Tiroler mussten im Schnitt um 6 Cent mehr pro Liter Sprit zahlen als im österreichweiten Durchschnitt. Johannes Mayer, Energiemarkt-Experte der E-Control, führte im APA-Gespräch den Tanktourismus und generell höhere Spritpreise in Deutschland und auch in Italien als Gründe für die höheren Preise in Tirol an.
Die Zahlungsbereitschaft sei in Tirol höher, gleichzeitig seien die Transportkosten, um Sprit von Hafen oder Raffinerie nach Tirol zu liefern, höher als in den drei günstigsten Bundesländern Oberösterreich, Niederösterreich und Wien, wo die Donau als günstiger Transportweg eine Rolle spiele.
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